Vermutlich wurde Zigarette in Kellerraum geworfen

Brandstiftung in Kasseler Nordstadt: Angst nach drittem Feuer

Sie haben Angst vor weiteren Feuern: Selda Doro (von links), Anne Lehn, Hajat Doro und Ecem Ermagan leben in der Hausnummer 20 der Josef-Fischer-Straße. Fotos:  Fischer

Kassel. „Klar hat man Angst. Ich traue mich schon nicht mehr zu schlafen“, sagt Anne Lehn. Die 18-Jährige wohnt im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses an der Josef-Fischer-Straße in der Kasseler Nordstadt.

In Haus Nummer 20 hat es seit Ende Mai dreimal gebrannt. Zuletzt in der Nacht zum Samstag (wir berichteten). Nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch entstand bei dem jüngsten Feuer im Keller ein Schaden von rund 20.000 Euro.

Nach Ermittlungen der Kasseler Kripo können eine natürliche Brandursache oder ein technischer Defekt ausgeschlossen werden. Der betroffene Kellerraum Nr. 40 liegt unmittelbar im Eingangsbereich des Wohngebäudes. Das Kellerfenster des Raumes stand nach Angaben von Bewohnern seit mehreren Tagen offen. Die Ermittler vermuten, dass möglicherweise eine fahrlässig weggeworfene oder vorsätzlich durch das Fenster geworfene Zigarette den Brand des im Kellerraum liegenden Unrats ausgelöst hat.

„Es wird nicht lange dauern, dann fackelt es wieder.“

Bewohner Hans Müller

Entdeckt haben den Brand zwei 19 und 21 Jahre alte Männer, die bei einem Freund im zweiten Stock zu Besuch gewesen waren und gegen 3.20 Uhr das Wohnhaus verlassen wollten. Beide bemerkten intensiven Brandgeruch im Treppenhaus und sahen beim Hinausgehen die Flammen im Keller. Sie alarmierten sofort Polizei und Feuerwehr.

20.000 Euro Schaden: Bewohner Hans Müller zeigt die verbrannten und verkohlten Überreste im Keller.

Ein stechender Geruch hing auch gestern noch im Hausflur. „In meinem Bad und meiner Küche stinkt es immer noch“, sagt Anne Lehn. Die Bewohnerin war am frühen Samstagmorgen wach geworden. „Als ich auf den Balkon gegangen bin, habe ich die Feuerwehr gesehen.“ Auch sie hat sich Gedanken darüber gemacht, wer für die Brände verantwortlich sein könnte.

Seit Mitte April hat es über 30 Mal in Kasseler Häusern gebrannt, meist in der Nordstadt. Fast immer war in Treppenhäusern oder Kellern Unrat angezündet worden.

Bewohner Hans Müller, der im Erdgeschoss lebt, schließt nicht aus, dass ein Familienstreit Grund für die Brandstiftungen sein könnte. „Es wird viel auf die Jugend geschoben. Das ist dummes Zeug“, mutmaßt Müller. Dass das ganze Haus abbrennen könnte, davor hat er keine Angst. „Hier ist doch alles aus Stahlbeton.“ Der Beton kann die Bewohner allerdings nicht vor den gefährlichen Rauchgasvergiftungen schützen.

„Es ist schon schlimm, was hier alles abläuft“, sagt der Bewohner und blickt auf die Rußspur an der Hauswand. Nach dem Brand am Samstag war der Strom im halben Haus ausgefallen, weil Leitungen im Keller durchgeschmort waren. Müller geht davon aus, dass dies nicht das letzte Feuer war. „Es wird nicht lange dauern, dann fackelt es wieder.“

Hinweise an die Polizei unter Tel. 05 61/9100.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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