Brandstiftung in der Nordstadt

Kassel. Bei einem Treppenhaus-Brand in einem Mehrfamilienhaus an der Holländischen Straße ist am frühen Donnerstagmorgen eine Bewohnerin leicht verletzt worden.

Sie wurde mit Verdacht auf leichte Rauchgasvergiftung in ein Kasseler Krankenhaus gebracht. Die Brandermittler der Polizei gehen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Offenbar waren - ähnlich wie bei der Brandserie im Frühsommer - Gegenstände im Treppenhaus angezündet worden.

Um 4 Uhr klingelte es

Um 4 Uhr in der Frühe klingelte am Freitagmorgen das Handy von Adem Güney. In dem Mehrfamilienhaus an der Holländischen Straße, das ihm und seinem Bruder Cetin gehört, brennt es. Güney, der im Haus direkt daneben wohnt, rennt sofort hinüber. Da ist die Polizei schon da. Den Brand im Treppenhaus hat die alarmierte Feuerwehr schnell unter Kontrolle.

Brandstiftung in der Nordstadt

Eine 45 Jahre alte Bewohnerin aus dem dritten Stock muss jedoch wegen Verdacht auf leichte Rauchgasvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. „Zum Glück wird sie am Freitag wieder entlassen“, berichtet Güney. Mit einem Schrecken davon gekommen sind eine Mieterin aus dem Erdgeschoss und ihre Tochter. „Sie hatte erst gedacht, es brennt in ihrer Wohnung“, erzählt Hauseigentümer Güney, der ein Reisebüro in Kassel betreibt. „Dann hat sie gesehen, dass aus dem Treppenhaus Rauch in die Wohnung kommt und das Fenster geöffnet.“ Als die Frau sich mit dem Kind über das Fenster in Sicherheit bringen will, wird sie von einer zufällig vorbeifahrenden Polizeistreife bemerkt. Die Beamten eilen zur Hilfe und alarmieren die Feuerwehr.

Am Donnerstag untersuchten die Brandermittler des Kommissariats K11 den Tatort. Sie gehen nach Angaben von Polizeisprecherin Sabine Knöll von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Unbekannte müssten Gegenstände im Treppenhaus angezündet haben. Nach dem gleichen Muster waren der oder die Täter der Brandserie vorgegangen, die sich im Frühjahr und Sommer überwiegend in der Nordstadt abspielte. Ab dem Spätsommer hatte es keine weiteren Fälle gegeben. Ob der Treppenhaus-Brand im Zusammenhang mit der Serie stehen könnte, dazu gebe es noch keine Erkenntnisse, sagt Knöll. „Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen.“

Die Menschen in seinem Mietshaus und in der Nachbarschaft jedenfalls seien verunsichert, sagt Güney. Viele machten sich Sorgen, dass die Brandstiftung sich gezielt gegen Ausländer gerichtet haben könnte. In dem betroffenen Haus wohnten sechs türkische, eine bosnische und eine deutsche Familie. Und zwar in guter Nachbarschaft, wie Güney betont. In seinem Haus habe es bereits im Sommer einmal gebrannt, ebenfalls im Treppenhaus. Damals ging es aber glimpflich aus.

Diesmal sei ein unter dem Briefkasten abgestellter Kinderwagen mit Zeitungen angezündet worden. Güney überlegt jetzt, eine Videokamera im Haus anzubringen. Wie umfangreich die Renovierung des Flurs und der Wohnungseingänge wird, weiß er noch nicht. Die Polizei schätze den Schaden auf 10 000 Euro. (rud) Hinweise: Polizeipräsidium Nordhessen, Tel. 0561/9100.

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