K+S-Konzern experimentiert 

Aquaponik im Container: Karpfen lassen den Salat wachsen

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Enthüllung (von links): K+S-Vorstandschef Dr. Burkhard Lohr, die Geschäftsführerin der Kali GmbH, Alexa Hergenröther und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle durchschnitten symbolisch das Band. 

Kassel. K+S will Forschung und Entwicklung auch auf das "Urban Farming" ausweiten. In einem Container gedeiht Salat, der von Fischkot versorgt wird.

Salat und Fisch passen gut zusammen – nicht nur auf dem Teller, sondern bereits bei der Aufzucht. Wie das funktioniert, können Betrachter jetzt an einem Container vor dem Hauptsitz des Kasseler Kali- und Salzproduzenten K+S in der Berta-von-Suttner-Straße beobachten. In einem (leider) nicht einsehbaren Teil schwimmen in einem Bassin 45 derzeit noch kleine Karpfen. Was sie ausscheiden, wird in einem chemisch-biologischen Prozess in Dünger umgewandelt und den Salatpflanzen in vier Hochbeeten in dem anderen, einsehbaren Teil des Containers zugeführt (siehe auch Hintergrund).

Konzept um nachhaltig Nahrungsmittel zu produzieren

Aquaponik heißt das Verfahren, das zwei gängige Aufzuchtmethoden miteinander kombiniert. Der Vorteil von Aquaponik: Das Wasser muss nicht ausgetauscht werden, weil es von den gedüngten Pflanzen gereinigt wird. Damit entfällt die bei der reinen Aquakultur – also bei der künstlichen Aufzucht von Fischen – erzeugte Überdüngung von natürlichen Gewässern, die zu übermäßigem Algenwuchs führt.

Der Container steht an der Fußgängerampel zum Parkdeck des ICE-Bahnhofs. Bis vor Kurzem hatte dort noch das giftgrüne Einheitsmännchen des Künstlers Ottmar Hörl seinen Standort. Es soll die Erinnerung an die deutsche Wiedervereinigung wachhalten. Künftig wird es dies an seinem neuen Standort, am Kaliwerk Zielietz nördlich von Magdeburg, tun.

Neue Ansätze in der Landwirtschaft nötig

Aquaponik steht zwar nicht mittelbar mit dem Geschäft von K+S in Verbindung, könnte es jedoch nachhaltig verändern. Deshalb beschäftigt sich der Rohstoffkonzern mit neuen Methoden und Entwicklungen im Nahrungsmittelsektor. „Es geht um neue Ansätze“, betonte K+S-Vorstandschef Dr. Burkhard Lohr unter Hinweis auf eine wachsende Weltbevölkerung bei gleichzeitiger Abnahme der landwirtschaftlichen Flächen. Daher müssten künftig auf weniger Raum mehr Nahrungsmittel produziert werden. 7,6 Milliarden Menschen leben derzeit, in gut 30 Jahren sollen es bereits 9,8 Mrd. sein.

„Wir beschäftigen uns auch abseits unserer bisherigen Produkte mit neuen Geschäftsfeldern, auf denen wir noch nicht aktiv sind, aber über grundlegende Fähigkeiten verfügen“, nennt die Chefin der Kali-Aktivitäten, Alexa Hergenröther, den Grund, sich intensiver mit Aquaponic auseinanderzusetzen.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle unterstrich die wachsende Bedeutung Kassels als Innovations- und Forschungsstandort. „Gemeinsam mit vielen Partnern, auch aus der Industrie, ist es uns gelungen, Kassel als Forschungs- und Universitätsstadt mit mehr als 25 000 Studierenden weiterzuentwickeln“. Als weiteren Beleg für den Erfolg führte er das Gewerbesteueraufkommen an, das 2017 auf das Rekordniveau von über 170 Millionen Euro gestiegen ist. Diese Zahl sei das Resultat dessen, dass Kassel auf alte Stärken vertraue, zugleich aber offen für Neues bleibe. wie es am Beispiel von K+S zu beobachten sei.

Das ist Aquaponik

Aquaponik bezeichnet ein Verfahren, das Techniken der Fischzucht (Aquakultur) mit solchen der Hydrokultur verbindet. Was die Fische ausscheiden, wird durch Bakterien in Nitrit und in einem zweiten Schritt in Nitrat gewandelt und den Pflanzen als Dünger zugeführt. Im Gegenzug reinigen die Pflanzen das Wasser, das über Pumpen in einem steigen Kreislauf gehalten wird. Gemessen an herkömmlichen Anbauverfahren sinkt der Wasserverbrauch, und die Pflanzen wachsen schneller. Allerdings steht dem ein geringer Energieverbrauch gegenüber. 

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