Naturschutz kontra Fotovoltaik-Ausbau: Ein Anwohner berichtet

Wenn Bäume Solarpläne ausbremsen

Hans-Otto Wuzél würde gerne eine Solaranlage installieren: Das nach Süd-West ausgerichtete Dach seines Hauses am Brasselsberg wird aber von einer großen Esche verschattet. Diese mache die Installation unsinnig.
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Hans-Otto Wuzél würde gerne eine Solaranlage installieren: Das nach Süd-West ausgerichtete Dach seines Hauses am Brasselsberg wird aber von einer großen Esche verschattet. Diese mache die Installation unsinnig.

Die Stadt Kassel will bis 2030 klimaneutral werden. Ein Baustein ist der massive Ausbau der Fotovoltaik. Ein Anwohner sieht auf diesem Weg aber Probleme, weil die Baumschutzsatzung der Stadt viele Anlagen unrentabel mache.

Brasselsberg – Hans-Otto Wuzél ist ein großer Fan der Gartenstadt Brasselsberg. Die vielen Bäume und die großzügigen Gärten seien das Aushängeschild des Stadtteils. „Dieser Charakter muss unbedingt auch erhalten bleiben“, sagt Wuzél, der selbst am Brasselsberg wohnt. Allerdings müsse die bestehende Baumschutzsatzung der Stadt mit Blick auf den geforderten Ausbau der Fotovoltaik mehr Ausnahmeregelungen vorsehen, findet er.

Der Hauseigentümer will schon seit einiger Zeit eine Solaranlage auf der nach Süd-West ausgerichteten Dachseite seines Hauses installieren lassen. Er rief also einen Fachmann. Der wies ihn auf die große Esche im Garten des Nachbarn hin. Die Krone des Baumes verschattet einen großen Teil des Daches. „Das macht die Anschaffung einer Fotovoltaikanlage unrentabel“, sagt Wuzél. Dabei gehe es ihm nicht um die Rendite, sondern vor allem um den ökologischen Nutzen. Es gebe ohnehin kaum Einspeisevergütung, aber den Sonnenstrom wolle er schließlich im Haus nutzen.

Wegen der Baumschutzsatzung dürfe der Nachbar seinen Baum aber nicht entfernen oder auch nur stark einkürzen. Dabei stehe dieser ohnehin zu dicht an der Grundstücksgrenze. Vorgeschrieben sind laut Hessischem Nachbarrechtsgesetz vier Meter bei stark wachsenden Bäumen. „Aber ich werde deswegen sicherlich keinen Streit mit meinem Nachbarn anfangen“ sagt Wuzél. Für wichtig hält er es aber, dass die Stadt Möglichkeiten aufzeigt, wie man in solchen Fällen einen vernünftigen Interessensausgleich zwischen Baumschutz und ökologischer Stromerzeugung herstellt.

Ein Sprecher der Stadt Kassel verweist darauf, dass sowohl der Baumbestand wie die solare Energiegewinnung eine wichtige Rolle beim Kampf gegen den Klimawandel spielten. Beide Aspekte dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Diesem Ansatz trage der Solardachfinder der Stadt Kassel Rechnung. Bei der Ermittlung des Potenzials für die solare Energiegewinnung auf Kassels Dächern sei die Verschattung durch bestehende Bäume berücksichtigt.

„Eine Leistungseinschränkung durch Verschattung kann eine Belastung darstellen, sie erreicht aber im Allgemeinen nicht die Grenze der Unzumutbarkeit und steht somit auch einer Verwirklichung einer Anlage nicht zwingend entgegen“, so der Stadtsprecher. Dazu gebe es bereits mehrere Gerichtsurteile.

Vor diesem Hintergrund sehe die Baumschutzsatzung auch keine Ausnahmeregelungen bei der Installation von Fotovoltaikanlagen vor. (Bastian Ludwig)

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