Naturschutzbehörde: Hunde sind ein Riesenproblem in der Dönche

Hunde-Ärger im Naturschutzgebiet: Halter ignorieren Leinenzwang

Freilaufender Hund in der Dönche in Kassel.
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Ein Paradies für Hunde: Doch die Dönche ist nicht nur Naherholungs-, sonden auch Naturschutzgebiet. Darum gilt Leinenpflicht.

Immer wieder kommt es in Kassel zu Konflikten mit frei laufenden Hunden. Besonders schlimm ist es in der Dönche. Im Naturschutzgebiet leiden Schafe unter Hundehaltern, die Regeln ignorieren.

Kassel – An einem ganz normalen Sommerabend hält sich in der Dönche kein einziger Hundehalter an die Regeln. In dem Naturschutzgebiet im Kasseler Südwesten gilt Leinenzwang, wie auf vielen Schildern zu lesen ist, doch alle Hunde, die wir am Montag zwischen Oberzwehren und Brasselsberg treffen, dürfen frei laufen.

„Der Fritz macht doch nichts“, sagt eine 47-Jährige über ihren Vierbeiner. Eine 61-Jährige versichert, dass es mit ihrem rumänischen Straßenhund noch nie Zwischenfälle gegeben habe. Und eine 50-Jährige sagt, dass ihr ausgebildeter Jagdhund auf jedes Kommando höre. Ein Jogger berichtet: „Hier hält sich fast niemand an die Leinenpflicht.“

Für das Regierungspräsidium, das für das Naturschutzgebiet zuständig ist, ist das „ein Riesenproblem“, wie es dort heißt. „Besonders dramatisch“ ist es für Axel Krügener von der Oberen Naturschutzbehörde jetzt, wo Rehe ihre Kitze bekommen. Und Schäfer Hubert Dissen, der seit eineinhalb Jahren etwa 800 Schafe und 100 Ziegen in der Dönche weiden lässt, berichtet von Haltern, die mit ihren Hunden einfach durch die Herde marschieren – auch abseits der Wege, die nicht verlassen werden dürfen.

Sein Vorgänger habe noch schlimmere Erfahrungen gemacht. Dessen Tiere wurden gebissen und gejagt. Oft weist Dissen die Hundehalter auf den Leinenzwang hin: „Aber die meisten haben kein Verständnis.“

An zahlreichen Orten in der Stadt kommt es zu Konflikten zwischen Hunden und Menschen. Viele haben Angst vor Hunden, nicht alle Halter verstehen das, denn ihr Tier will ja nur schnuppern, wie es oft heißt. Deshalb hat der CDU-Stadtverordnete Holger Augustin gerade eine eingezäunte Hundewiese an der Fulda vorgeschlagen, wo sich Vier- und Zweibeiner aus dem Weg gehen können. Schäfer Dissen, der auch Tiere in Wolfsanger hat, findet den Vorschlag gut. Ob und wann er umgesetzt wird, ist aber noch offen.

Die Dönche ist ein besonderer Ort. Im Dritten Reich brachten Erschießungskommandos der Lüttich-Kaserne hier Menschen um. Später war ein Teil Truppenübungsplatz. Aus Artillerieeinschlägen sind heute Tümpel geworden. Die Dönche ist aber nicht nur Naturschutz-, sondern auch Naherholungsgebiet und mit mehr als 200 Hektar eine der größten städtischen Grünanlagen Deutschlands.

Laut Krügener nimmt der „Druck durch Erholungssuchende“ zu: „Wir haben immer mehr E-Bike-Fahrer, immer mehr Hunde und immer mehr Menschen, die sich nicht an Regeln halten.“ Darum schlägt der Ranger vor, „zumindest am Wochenende Kontrollen zu machen“.

Bislang ist dafür Reinhard Vollmer zuständig. Der Mitarbeiter des Forstamts Wolfhagen muss sich um mehr als 30 Naturschutzgebiete kümmern – eines davon ist die Dönche. Ein bis zweimal in der Woche schaut er dort vorbei und stellt fest: „Die Bereitschaft, sich an Spielregeln zu halten, leidet immer mehr.“ Wenn Vollmer Hundehalter an den Leinenzwang erinnert, hören die zwar zunächst auf ihn: „Aber wenn sie um die Ecke sind, lassen sie den Hund wieder freilaufen. Nachhaltig ist da nichts zu erreichen.“ Um Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige zu bringen, bräuchte man seiner Ansicht nach einen ständigen Ordnungsdienst.

Krügener indes hofft, dass dieser Artikel viele Hundehalter sensibilisiert. Zuletzt hatten wir über die Vermüllung des Freilandlabors der Uni in der Dönche berichtet. Mittlerweile räumen Freiwillige dort den Dreck weg. Der Artikel habe viel gebracht.

Schäfer Dissen hofft zudem, dass eine echte Schweinerei aufhört: Manche Hundehalter würden den Kot ihrer Tiere in eine Tüte packen und wegschmeißen. Die Plastikbeutel findet Dissen dann im Futter seiner Schafe. (Matthias Lohr)

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