Nachbarn befürchten ähnliche Zustände wie bei Projekt in Harleshausen

Jungen-Wohnheim am Brasselsberg sorgt für Debatte

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Wurde für die Jungen-Wohngruppe hergerichtet: In das alte Gasthaus „Zum Bismarckturm“ an der Konrad-Adenauer-Straße sollen im Herbst die ersten Jungen aus problematischen Elternhäusern einziehen.

Noch ist kein einziger Jugendlicher in das ehemalige Gasthaus „Zum Bismarckturm“ an der Konrad-Adenauer-Straße eingezogen. Doch bereits jetzt schlagen am Brasselsberg die Wellen hoch.

Anwohner befürchten, dass die geplante Jungen-Wohngruppe – ähnlich wie im Fall der Jugendeinrichtung „180 Grad“ in Harleshausen – für Ärger in der Nachbarschaft sorgen könnte und haben Unterschriften gesammelt. Der Betreiber und das Jugendamt teilen die Sorgen nicht.

Die Pläne für die Wohngruppe für Jungen, die aus problematischen Elternhäusern stammen, gibt es schon länger. Bereits 2016 war das Vorhaben im Ortsbeirat vorgestellt worden und hatte dort Zustimmung gefunden.

Der Sozialpädagoge Andreas Böhle hatte das alte Gasthaus damals erworben und baut es seitdem um. „Wir haben viele Überraschungen auf der Baustelle erlebt und mussten etliche Brandschutzauflagen erfüllen“, sagt er. Das Projekt habe sich so erheblich verzögert. Aktuell laufe der Innenausbau. Wenn das Genehmigungsverfahren beim Jugendamt abgeschlossen sei, könne eröffnet werden. Böhle geht davon aus, dass es im September oder Oktober soweit ist.

Beantragt hat Böhle eine Wohngruppe mit zwölf Plätzen. Die Altersspanne wird zwischen 14 und 18 Jahren liegen – in Ausnahmen sollen auch junge Erwachsene bis 21 Jahren dort untergebracht sein. Ob es tatsächlich zwölf Plätze werden oder weniger, hängt von der Entscheidung des Jugendamtes ab.

Es ist laut Böhle nicht geplant, die zwölf beantragten Plätze in kurzer Zeit zu besetzen. Die Gruppe solle schrittweise über ein Jahr hinweg wachsen. „Ich habe Verständnis für die Abwehrreaktionen der Nachbarn“, so der Sozialpädagoge. Sein Projekt sei aber mit „180 Grad“ in Harleshausen – wo es Übergriffe und Anfeindungen gab – nicht vergleichbar. „Das ist eine andere Gegebenheit am Brasselsberg. Wenn unsere Jungen Scheiße bauen, dann machen sie es sicher nicht nebenan“, sagt Böhle. Im Stadtteil gebe es für die Jugend keinen reizvollen Treffpunkt.

Die Lage am Habichtswald sei für sein Wohnprojekt ideal. Die Waldrandlage biete viele Sportmöglichkeiten – dies gehört zum Konzept der Einrichtung.

Zunächst sollte der Verein „Durchboxen im Leben“ Träger des Projektes sein. Nachdem Böhle aber nicht mehr Geschäftsführer des Vereins ist, hat er nun den neuen Verein „Endurance“ gegründet.

Das Jungendamt hält die Befürchtungen der Nachbarn für unbegründet. Es handele sich um ein anderes pädagogisches Konzept als bei „180 Grad“. Derzeit laufe noch die Abstimmung mit Böhle über das Konzept. Sobald diese abgeschlossen ist, werde eine Stellungnahme an das Hessische Sozialministerium verschickt. Dies entscheide über die Betriebserlaubnis.

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