Ein Haus im internationalen Stil 

Die Bauhaus-Idee lebt: Wohnhaus aus 1928 am Brasselsberg glänzt mit modernem Anbau

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Klare Linien: Der Bau aus dem Jahr 1928 mit seinem Ziegelmauerwerk wurde um einen modernen Anbau ergänzt. Das Gebäude am Brasselsberg ist in Kassel das am besten erhaltene Haus im internationalen Stil. 

Walter Gropius und seine Mitstreiter wollten die Welt neu denken und haben vor 100 Jahren in Weimar das Bauhaus gegründet. Beispiele für die Architektur in diesem Stil gibt es auch in Kassel.

Neben Gebäudekomplexen wie der Rothenbergsiedlung und der Heinrich-Schütz-Schule gehören dazu auch private Wohnhäuser. Wir durften Oswald und Susanne Schmidt am Brasselsberg besuchen, die ein 90 Jahre altes Haus mit einem modernen Anbau bewohnen.

Bei der Besichtigung war es Liebe auf den ersten Blick. „Wir standen vor dem Haus und wussten: Das ist es“, sagt Susanne Schmidt. Acht Jahre ist das jetzt her. Der erste Eindruck damals hat sich mittlerweile bestätigt. „Aber auch nur, weil wir großes Glück mit den Architekten hatten“, sagt Oswald Schmidt. Denn zunächst war sich der Frauenarzt, der von München ans Kasseler Klinikum gewechselt ist, noch unsicher. Eine außergewöhnliche Immobilie, aber funktioniert die auch für eine Familie?

Das Haus hat eine interessante Geschichte, die auch bei der Aufteilung der Räume deutlich wird. Gebaut wurde es im Jahr 1928 für den Kasseler Kunstmaler und Hochschullehrer Prof. Wilhelm Michel. Ein Wohnhaus im internationalen Stil sollte ihm der Architekt Prof. Hans Soeder bauen. Ganz wichtig war der große und lichtdurchflutete Atelierraum. „Das ist heute unser Wohnzimmer“, sagt die Kinderkrankenschwester Susanne Schmidt.

Gemütliches und helles Wohnzimmer: Oswald und Susanne Schmidt in dem ehemaligen Atelier des Kunstmalers.

Das Haus selbst ist ein Baudenkmal und nach Einschätzung von Fachleuten das am besten erhaltene Wohnhaus Kassels in diesem Stil. Mit einer nutzbaren Fläche von 125 Quadratmetern und einem Garten haben die Schmidts damals das Haus gekauft. Mittlerweile ist in Abstimmung mit dem Denkmalschutz ein moderner Anbau mit weiteren 40 Quadratmetern hinzugekommen. „Die Verbindung haben wir mit einem minimalen Eingriff in die alte Bausubstanz hergestellt“, sagt Architektin Dr. Grit Kluthe, die das zusammen mit ihrem Mann Wolfgang realisiert hat.

Respekt vor dem Altbau 

Sowohl die Bauherren als auch die Architekten betonen immer wieder den großen Respekt, den man vor dem Altbau habe. Dessen strenge Sachlichkeit mit einem dunkelroten Klinkermauerwerk sollte weiterhin dominant sein.

Der Übergang: Links im Bild ist der Esstisch im modernen Anbau zu sehen, rechts das Wohnzimmer im ehemaligen Atelier. 

In Kombination mit dem Anbau biete das Baudenkmal heute große Lebensqualität. „Wir wollen auch anderen Bauherren Mut machen, solche Qualitäten zu erhalten“, sagt Oswald Schmidt. Unter dem Strich haben er und seine Frau eine mittlere sechsstellige Summe in den Erwerb und die Erweiterung des Hauses gesteckt. Hier gibt es jetzt Platz genug für die beiden Erwachsenen sowie die Töchter Helen (11) und Luise (4). In deren Kinderzimmern im Obergeschoss haben früher übrigens regelmäßig Studenten der Kunsthochschule übernachtet.

Architekt und Lehre 

Die Riedwiesensiedlung in Kirchditmold (Baujahr 1919) mit den charakteristischen Spitzdächern gehört zu den in Kassel wohl bekanntesten Werken des Architekten und Hochschullehrers Hans Soeder (1891 bis 1962). Ab 1923 lehrte er als Professor für Baukunst an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Kassel. Gemeinsam mit dem Bauhaus-Architekten Otto Haeseler war er am Bau der Rothenbergsiedlung mit 216 Wohnungen beteiligt. Diese modernen Wohnungen waren 1930 eine bauliche Revolution. Der Nachlass von Hans Soeder befindet sich im Berliner Bauhausarchiv.

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