Leer stehendes Landhaus soll verkauft werden

Nachbarn am Kasseler Brasselsberg sorgen sich um alte Villa

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Blick zurück: Ursprünglich war das Cottage als Doppelhaus gebaut worden. Die eine Hälfte bewohnte Architekt Carl Rieck, der Mitinitiator der Gartenstadt Brasselsberg.

Am Brasselsberg in Kassel soll eine über 100 Jahre alte Villa verkauft werden. Nachbarn befürchten, dass das Gebäude anschließend abgerissen wird - um Bauplätze vermarkten zu können. 

Diese Landhausvilla hat Seltenheitswert in Kassel: Das vor 110 Jahren erbaute Haus an der Wiederholdstraße 1 am Brasselsberg steht in einem waldartigen Park, der sich auf 7000 Quadratmetern erstreckt. Bauherr war der Mitbegründer der Gartenstadt Brasselsberg, der Architekt Carl Rieck. Das seit zwei Jahren leer stehende Haus, das charakteristisch für das naturnahe Wohnkonzept der Gartenstadt ist, soll offenbar verkauft werden.

Die Nachbarn haben Sorge, dass das riesige Grundstück gerodet werden könnte, um es als einzelne Bauplätze zu vermarkten. Anlass für diese Befürchtungen sind Begegnungen der Nachbarn mit Maklern, die sich vor Ort ein Bild verschafften. „Ich habe diese Gruppe vor dem Gartentor angesprochen. Sie erzählten mir, dass das Haus zum Verkauf stehe und das Grundstück parzelliert und gerodet werden soll. Die haben auch mich gefragt, ob ich ein Grundstück kaufen will“, erzählt einer der Nachbarn.

Wohnen im Wald: Die Landhausvilla war 1975 umgebaut worden. Große Teil der historischen Substanz sind aber noch erhalten.

Weil das denkmalgeschützte Haus mit seinen zwei Nebengebäuden von bis zu 150 Jahre alten Bäumen umgeben ist, fürchtet die Nachbarschaft um den Erhalt der Bäume und der Vogelfauna. Auch die Initiative Pro Habichtswald sieht die Gefahr.

Das Landhaus ist in einem guten Zustand und war zuletzt noch von einer älteren Dame bewohnt worden. Seit deren Tod steht es leer. Die Eigentümerfamilie möchte sich gegenüber der HNA nicht zu ihren Plänen für das Haus und das parkähnliche Grundstück äußern.

Eine HNA-Anfrage im Rathaus hat ergeben, dass für das Grundstück, das sich zwischen Wiederholdstraße, Uhlenhorststraße und Nords-häuser Straße erstreckt, bislang noch keine Bauanträge vorliegen. Grundsätzlich könne ein Grundstück aber geteilt werden, auch ohne das es einen Bauantrag gibt.

Anzeige aus dem Jahr 1913: Die Initiatoren warben mit Bauland in naturnaher Lage.

Ursprünglich war das Haus als Doppelhaus errichtet worden. Einen Teil bewohnte seinerzeit Architekt Carl Rieck (1875-1919). Um 1909 hatten Rieck und sein Architektenkollege Julius Eubel damit begonnen, die Gartenstadt Brasselsberg zu konzeptionieren, und dessen Grundstücke zu vermarkten, erläutert Stadthistoriker Christian Presche. Das Doppelhaus sei vermutlich der erste Neubau auf dem Areal gewesen.

„Ziel der Gartenstadtbewegung war ein naturnahes Wohnen. Die Lage im eigenen Walde war ein Vorzug. Es gibt nur noch wenige Grundstücke wie die Wiederholdstraße 1, die mit ihrem historischem Gebäudebestand und Wald gleichermaßen er

halten sind“, sagt Presche. Aus diesem Grunde hält es der Historiker für angebracht, auch den Garten als Teil des Kulturdenkmals unter Schutz zu stellen.

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