Fünf Listen stellen sich zur Wahl

Ortsbeiratswahl am Brasselsberg: Wir stellen die Kandidaten, Listen und Themen vor

Das Zentrum: Am Brasselsberg gibt es mehr Grün als in vielen anderen Stadtteilen. Die Emmauskirche ist der Mittelpunkt.
+
Das Zentrum: Am Brasselsberg gibt es mehr Grün als in vielen anderen Stadtteilen. Die Emmauskirche ist der Mittelpunkt. (Archivfoto)

Bei den Kommunalwahlen am 14. März entscheiden die Wähler auch über die neue Zusammensetzung der Ortsbeiräte. Wir stellen Kandidaten und Themen in den Kasseler Stadtteilen vor. Diesmal: Brasselsberg.

Brasselsberg – Wer noch nie in dem kleinen, aber gut sortierten Nahkauf gegenüber der Emmauskirche eingekauft hat, ist kein richtiger Brasselsberger. Ansonsten gibt es in dem Stadtteil unterhalb des Bismarckturms zwar nicht so viel Infrastruktur wie anderswo, die Lebensqualität wird in dem von Einfamilienhäusern mit großen Gärten geprägten Quartier aber trotzdem sehr geschätzt. Zu den Bewohnern gehören zunehmend auch jüngere Familien. Der grüne Charakter soll erhalten bleiben. Das betonen alle Kandidaten. Deshalb sehen viele die zunehmende Bebauung mit Stadtvillen kritisch.

CDU

An erster Stelle steht für die CDU die Bewahrung des naturnahen Charakters des als Gartenstadt bekannten Brasselsbergs. Dazu gehöre die Erweiterung der Grün- und Blühflächen. Ebenfalls auf der Agenda: sichere Rad- und Schulwege sowie die Instandsetzung maroder Straßen und Gehwege. Die CDU setzt sich für eine Verkehrsberuhigung im Stadtteil ein. Voraussetzung dafür sei ein besseres Angebot der KVG. Mehr Fahrten und eine umsteigefreie Verbindung Richtung Innenstadt seien wünschenswert. Nur ein attraktives Leistungsangebot motiviere zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel.

Grüne

Der Brasselsberg gelte als grüner Gartenstadtteil. Das soll trotz der zunehmenden Verdichtung möglichst auch so bleiben, sagt Axel Sauer. Deshalb müsse ein bewusst herbeigeführter Verfall durch Leerstand von Häusern, die unter Denkmalschutz stehen, verhindert werden. Dies diene nur dazu, sie legal abreißen zu dürfen und durch Stadtvillen zu ersetzen. Besonderes Augenmerk müsse dem angrenzenden Naturschutzgebiet Dönche gelten. Stichworte sind Beweidung und Aktivitäten gegen das Austrocknen der Dönche. Eine gute Anbindung durch den öffentlichen Nahverkehr sei unter anderem im Schulverkehr nötig.

SPD

„Wir setzen uns für eine familien- und generationenfreundliche Entwicklung des Stadtteils ohne übermäßige bauliche Verdichtung ein“, sagt Cornelia Janusch. Deshalb wolle man an der Entwicklung langfristiger Maßnahmen und Planungen für den Stadtteil arbeiten. Dazu gehöre auch ein behutsamer Umgang mit historischer Bausubstanz, Baumbestand und Grünflächen. Konkrete Punkte sind die Sanierung des Bolzplatzes am Döncherand und die Weiterentwicklung des Spielplatzes dort. Mehr Aufenthaltsqualität in der Stadtteilmitte sowie der Erhalt und der Ausbau der Infrastruktur vor Ort sind weitere Stichworte.

AfD

„Die Bebauungsdichte nimmt zu, die Individualität der Architektur nimmt ab. Diesen Trend gilt es umzukehren“, sagt Jürgen Münch. Er tritt erstmals für das Stadtteilgremium an und will sich dafür einsetzen, dass es am Brasselsberg wieder eine Grundschule gibt. Das hat er als Kind noch erlebt. Ginge auch heute, findet er. Wenn man mehr Geld für Kinder investieren würde statt für die Rettung von Banken, für Staaten in Südeuropa und für die Folgen von Migration, sagt der AfD-Vertreter.

FDP

„Wir sollen uns darauf einstellen, dass eine vernünftige Internetanbindung für Schule und Ausbildung immer wichtiger wird“, sagt Irina Becker. Da gebe es im Stadtteil Nachholbedarf. Auch der Ausbau der Infrastruktur für die rapide wachsende Nutzung der Elektrofahrzeuge sei nötig.

Ein weiteres Problem sei die Verkehrsanbindung des Brasselsbergs. Da gebe es viele Überschneidungen mit den Positionen der CDU. Der Brasselsberg mit seiner Nähe zur Natur verdiene es, eine zeitgemäße Infrastruktur zu bekommen.

(Thomas Siemon)

Stadtteilkarte Brasselsberg

Die Kandidaten

Gartenstadt erhalten

Vera Wilmes, CDU

Vera Wilmes ist bereits seit 2012 Ortsvorsteherin am Brasselsberg. Die Juristin (Jahrgang 1958) ist verheiratet, hat eine Tochter und wohnt seit 1998 in dem Stadtteil. Die Richterin schätzt die Wohnqualität und will den Charakter als Gartenstadt erhalten.

Die Dönche im Blick

Axel Sauer, Grüne

Er ist Mediziner, hat als Ortslandwirt mehrere Rinder auf der Weide stehen und geht schnell in die Luft. Axel Sauer (72) ist nämlich auch Pilot. Parteimitglied bei den Grünen ist er nicht, kandidiert aber auf deren Liste. Er setzt sich insbesondere für den Erhalt der Dönche ein.

Die Biologin

Cornelia Janusch, SPD

Cornelia Janusch (47) ist von der FDP zur SPD gewechselt. Die Diplom-Biologin ist verheiratet und hat drei Söhne. Seit 2004 lebt sie am Brasselsberg und engagiert sich neben der Politik in der AG Stadtteilkultur. Sie ist stellvertretende Ortsbeiratsvorsitzende.

Neuling im Ortsbeirat

Jürgen Müsch, AfD

Jürgen Müsch (Jahrgang 1954) ist am Brasselsberg aufgewachsen. Der Diplomvolkswirt hat bei einem Mineralölunternehmen, in der Wehrtechnik sowie in der Telekommunikation gearbeitet. Seit 2018 lebt er wieder am Brasselsberg. Im Ortsbeirat war er noch nicht aktiv.

Stadtteil neue Heimat

Irina Berger, FDP

Irina Berger (Jahrgang 1966) ist Professorin und Direktorin des Instituts für Pathologie am Klinikum Kassel. Die verheiratete Mutter von zwei Kindern ist in Jurga (Russland) aufgewachsen und wohnt seit vielen Jahren am Brasselsberg. Seit 2016 ist sie FDP-Mitglied.

Die Listen

CDU (Liste 1)

  • Vera Wilmes, Richterin, Jahrgang 1958
  • Rainer Schielke-Funke, Einzelhandelskaufmann, Jahrgang 1967
  • Jens Glebe, Lehrer, Jahrgang 1974
  • Patrick Weilbach, Vorstandssprecher, Jahrgang 1987
  • Vincent Streiter, Student, Jahrgang 1998
  • Wilfried Borzutzky, Pensionär, Jahrgang 1935
  • Barbara Mergenthal, Rentnerin, Jahrgang 1949
  • Peter Wilmes, Musiklehrer, Jahrgang 1951
  • Amely Nordmeier, Pensionärin, Jahrgang 1950

Grüne (Liste 2)

  • Dr. Axel Sauer, Arzt, Jahrgang 1948

SPD (Liste 3)

  • Dr. Cornelia Janusch, Biologin, Jahrgang 1973
  • Karsten König, Geologe, Jahrgang 1975
  • Heinz Schäfers, Rentner, Jahrgang 1936

AfD (Liste 4)

  • Jürgen Müsch, Volkswirt, Jahrgang 1954

FDP (Liste 5)

  • Dr. Irina Berger, Ärztin, Jahrgang 1966
  • Helga Schifferdecker, Verwaltungswirtin, Jahrgang 1957

Brasselsberg in Zahlen

  • Einwohner: 4140
  • Einwohner mit Migrationshintergrund: 21 %
  • Durchschnittsalter: 48,9 Jahre
  • Differenz der Zu- und Fortzüge: -27
  • Haushalte: 2060
  • Personen je Haushalt: 2,01
  • Alleinerziehende: 20 %
  • Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: 1299
  • Arbeitslosenquote: 1,5 %
  • Leistungsempfänger: 2,2 %
  • Private Autos je 1000 Einwohner: 556,0

Quelle: Statistik-Atlas der Stadt Kassel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.