Anwohner befürchten Bandenkriminalität

Seine Pläne sorgen für Ängste: Jungenheim am Brasselsberg in Kassel geplant

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Will das Jungenheim im Herbst eröffnen: Andreas Böhle baut derzeit das ehemalige Gasthaus „Zum Bismarckturm“ für den Heimbetrieb um. Er macht viel in Eigenleistung.

Andreas Böhle ist von einigen Nachbarn am Brasselsberg nicht unbedingt mit Freuden empfangen worden. Er plant ein Heim für Jungen aus schwierigen sozialen Verhältnissen.

Das soll im ehemaligen Gasthaus "Zum Bismarckturm" entstehen, dass er 2017 gekauft hatte. Seitdem plant er dort ein Heim für Jungen aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu eröffnen. Im Herbst will er starten. Einige Anwohner befürchtet den Einzug von Kriminalität ins Viertel.

„Ich bin den Umbau etwas naiv angegangen“, gibt Böhle zu. Eigentlich sollte das Heim längst eröffnet haben. Weil die Bausubstanz schlechter war als erwartet und es unerwartete Brandschutzauflagen gab, hat sich das Projekt verzögert. Zudem hat sich der Verein „Durchboxen im Leben“, dessen Geschäftsführer Böhle früher war, aus dem Vorhaben zurückgezogen.

"Vorstand hat nicht an Projekt geglaubt"

Der Verein aus Diemelstadt, der dort ein Trainingscamp für sozial auffällige Jugendliche betreibt, äußert sich gegenüber der HNA nur bedingt zu den Hintergründen. Böhle sei fristgerecht gekündigt worden und der Verein habe nichts mehr mit dem Projekt zu tun, sagte der Vorstandsvorsitzende Michael Bald. Böhle räumt ein, dass es inhaltliche Differenzen gegeben habe. Dies liege auch daran, dass der Umbau ins Stocken geraten sei. „Der Vorstand hat nicht mehr an das Projekt geglaubt.“

Hier soll das Heim entstehen

Weil er die Immobilie auf eigene Kosten erworben habe, sei er durch den Rückzug unter Druck geraten. Nun seien die baulichen Hindernisse weitestgehend ausgeräumt.

Der Sozialpädagoge, der vor seiner Arbeit für den Verein mehrere Jobs in der aufsuchenden Jugendarbeit ausfüllte, hat sich lange Zeit wissenschaftlich mit Trainingscamps beschäftigt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Kassel forschte er zum Trainingscamp des Boxers Lothar Kannenberg.

Wohngemeinschaft für neun Kinder und Jugendliche geplant

Böhle selbst plant am Brasselsberg eine Wohngemeinschaft für neun Kinder und Jugendliche, die im Alter von 14 bis 18 Jahren sein werden. Sport sei wesentlicher Bestandteil des Projekts. „Sport ist sehr wirksam. Denn die Jungs können beim Sport erleben, dass sie etwas können und Erfolge erreichen. Viele haben diese Erfahrung in ihrer Biografie nie gemacht.“

Die Vermittlung der Bewohner soll über das Jugendamt laufen, mit dem Böhle noch wegen der Betriebserlaubnis in Verhandlungen steht. „Der Bedarf in der Jugendhilfe ist stabil hoch“, so Böhle. Er rechnet damit, dass die Erlaubnis in den nächsten Wochen vorliegt.

"Wir betreiben keine Resozialisierung von Straftätern"

Böhle versteht die Ängste und Sorgen der Anwohner. „Fantasien, dass hier am Brasselsberg ein Bandenzentrum entsteht, sind aber weit hergeholt. Wir betreiben keine Resozialisierung für Straftäter.“ Auch werde sein Projekt nicht für sinkende Grundstückspreise sorgen, worum sich einige Nachbarn sorgten.

Natürlich könne er aber auch nicht ausschließen, dass seine Schützlinge, von denen einige sicher auch Straftaten begangen hätten, auch mal Ärger machen. Dies würden sie aber sicher lieber in der Innenstadt tun, wo es Treffpunkte für Jugendliche gebe. „Die Jungs wollen in der Regel ein normales Leben führen. Zudem haben sie etwas zu verlieren, wenn sie wegen Problemen die Wohngemeinschaft verlassen müssen.“

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