„Brauchen kein Luxusbad“

Förderverein Freibad Wilhelmshöhe: Sanierung für 2,3 Mio. Euro möglich

Bad Wilhelmshöhe. Das Freibad in Bad Wilhelmshöhe kann für wesentlich weniger Geld saniert werden als die Städtischen Werke behaupteten. Das sagt zumindest der Sportwissenschaftler Prof. Kuno Hottenrott.

Der Vorsitzende des Fördervereins geht davon aus, dass das Bad für etwa 2,3 Mio. Euro saniert werden könnte. Das teilte er gestern Abend auch bei einer Mitgliederversammlung in der Christuskirche mit.

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Hottenrott stützt sich auf ein Gutachten, das der Förderverein bei dem Sachverständigenbüro SMP Ingenieure in Karlsruhe in Auftrag gegeben hat. Die Gutachter gingen der Frage nach, ob das alte 50-Meter-Becken für eine Becken-in-Becken-Lösung nutzbar sei. Die Städtischen Werke hatten das bislang aufgrund der angeblichen Schäden im Becken verneint und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass die Sanierung des Bades noch teurer sei als ein Neubau. Für den Neubau haben die Werke 6,1 Mio. Euro veranschlagt.

Kuno Hottenrott

Die Karlsruher Gutachter sehen das etwas anders. Sie kommen in ihrer 2200 Euro teuren, ersten Untersuchung zu dem Ergbnis, dass die bislang zum Zustand des Beckens vorliegenden Informationen nicht ausreichten, um verlässliche Aussagen über die weiteren Nutzungsmöglichkeiten treffen zu können. „Die Möglichkeit einer weiteren Nutzung des Beckens kann beim derzeitigen Informationsstand nicht ausgeschlossen, ohne weitere Erkundungen aber auch nicht nachgewiesen werden. Die Möglichkeit einer weiteren Nutzung erscheint beim derzeitigen Informationsstand aber eher wahrscheinlich“, heißt es in dem Gutachten.

Das würde bedeuten, dass eine Edelstahl- oder Kunststoffwanne in das bestehende Becken gesetzt werden könnte, die Maße reduzierten sich dann jeweils um einen Meter.

Das Freibad Bad Wilhelmshöhe im Regiowiki.

Der Förderverein fordert jetzt von den Städtischen Werken, weitere Untersuchungen am Schwimmbecken vorzunehmen, wie von den Gutachtern gefordert. Zudem sollen Experten die vom Förderverein erstellte Kostenkalkulation von 2,3 Mio. Euro auf ihre Belastbarkeit überprüfen, sagt Hottenrott.

Die Kostenkalkulation des Fördervereins falle nicht nur wegen des Becken-in-Becken-Lösung wesentlich günstiger aus: Die Werke hätten bei ihrer Netto-Kalkulation versehentlich die Mehrwertsteuer (1,2 Mio. Euro) eingerechnet. Zudem hätten sie allein 637.000 Euro für die Gestaltung der Außenanlagen eingeplant, sagt Hottenrott. „Wir brauchen kein Luxusbad, sondern ein funktionsfähiges Bad.“ Der Förderverein schlägt vor, die Hälfte der von ihm veranschlagten Sanierungskosten jeweils in die Haushalte 2014 und 2015 einzustellen.

Schulsport benötigt Freibäder

Für den Schulsport müssen die Freibäder in Harleshausen und Bad Wilhelmshöhe unbedingt erhalten bleiben. Zu viele Kinder würden ansonsten nicht mehr Schwimmen lernen. Diese Argumentation ist in der Debatte, wie viele Freibäder eine Stadt benötigt und sich leisten kann, immer wieder zu hören.

Dass jedes dritte Kind in Deutschland mittlerweile laut einer DLRG-Studie nicht mehr schwimmen kann, führte der Kasseler CDU-Stadtverordnete Dr. Michael von Rüden, schulpolitischer Sprecher seiner Fraktion, bereits vor zwei Jahren auf zu wenige Bäder zurück. Die Schulen könnten daher immer seltener Schwimmunterricht geben.

Aber nehmen die Schulen das Angebot der Freibäder auch wirklich wahr? Wenn man auf die aktuellen Zahlen schaut, kann man da seine Zweifel bekommen. Die Freibäder in Harleshausen und Bad Wilhelmshöhe haben auch in diesem Jahr den Schulen zwischen 1. Mai bis 13. August Belegungszeiten zur Verfügung gestellt. In Wilhelmshöhe haben in diesen 15 Wochen (minus sechs Wochen Sommerferien) allerdings insgesamt nur 212 Schüler das Angebot wahrgenommen.

Reformschule

Die Reformschule schnitt dabei am besten ab: Sie schickte 117 Schüler beim Sportunterricht ins Wasser. Acht von zwölf Schulen, denen an bis zu vier Wochentagen Schwimmzeiten in Wilhelmshöhe eingeräumt wurden, kamen laut Aufzeichnung der Städtischen Werke gar nicht. Für Harleshausen sei die Anzahl der Schulbesuche nicht festgehalten worden, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke. Er geht aber davon aus, dass es weniger als in Wilhelmshöhe waren. Das sei in der Vergangenheit auch so gewesen.

Insgesamt wurden in dieser Saison 95.245 Gäste in beiden Freibädern gezählt (41.500 in Harleshausen und 53.745 in Wilhelmshöhe). Insgesamt 815 Menschen waren im Besitz einer Dauerkarte. (use)

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