Knappheit führt zu Lieferschwierigkeiten

Gestiegener Bierkonsum führt in der Region zu Knappheit von Leergut

Leergut wird zur Mangelware: Wegen der anhaltenden Hitze läuft die Produktion in den Brauereien derzeit auf Hochtouren. Unser Foto zeigt einen Mitarbeiter von Heineken, der an einem Transportband Bierflaschen begutachtet. Foto: Marco De Swart/ANP/EPA/dpa

Kassel/Einbeck. Es ist heiß und trocken. Der Turbosommer 2018 heizt den Menschen mit Temperaturen über 30 Grad ein. Wer freut sich da nicht auf ein kühles Bier nach Feierabend? Doch damit gibt es seit einigen Wochen Probleme. 

Entsprechend gestiegen ist der Absatz des Gerstensaftes. Was eigentlich gut für die Brauereien ist, stellt sie gleichzeitig vor Probleme: Ihnen geht das Leergut aus. „Wir haben schon seit einigen Wochen Probleme“, sagt Sascha Nicolai von der Hütt-Brauerei in Baunatal. „Wir haben nur noch 20 Prozent des Leergutes zur Verfügung, das wir eigentlich bräuchten“, so der Braumeister.

Das Problem werde mit jedem Tag massiver. „Zum einen liegt das daran, dass die Menschen wetterbedingt derzeit ein großes Trinkbedürfnis haben. Verschärft wird die Situation zum anderen durch die Ferienzeit“, sagt Nicolai. Viele Kunden hätten vor dem Urlaub noch ein paar Kisten Bier gekauft, die jetzt zu Hause stünden und nicht zurückgebracht würden.

Engpässe möglich

Die Leergutknappheit führe zu Lieferschwierigkeiten. „Wir versuchen, die Nachfrage unserer Kunden komplett zu befriedigen, und das haben wir bislang bis auf ganz wenige Ausnahmen auch geschafft. Aber im Randsortiment kann es zu Engpässen kommen“, sagt Nicolai. Denn die Brauerei teilt ihr Leergut verstärkt auf ihre Hauptsorten auf. Dazu zählen das Luxus Pils, Weizenbier, alkoholfreie Biere sowie Radler.

Brauerei macht Verluste

Sascha Nicolai, Braumeister der Hütt-Brauerei

„Spezielle Sorten wie Craft Biere bedienen wir derzeit weniger, sondern konzentrieren uns auf die Sorten, die am stärksten laufen“, sagt Nicolai. Der Leergutmangel hat auch wirtschaftliche Folgen für die Brauerei: „Wir können nicht so viel Bier abfüllen und verkaufen, wie wir eigentlich könnten und machen Verluste“, beklagt Nicolai.

Kann Hütt denn nicht einfach Leergut nachkaufen? „Nein, leider nicht“, sagt der Braumeister. „Die Kisten haben eine Lieferzeit von bis zu einem halben Jahr.“ Ein weiteres Problem sei, dass der Mehrwegpool schrumpfe. Früher sahen so gut wie alle Bierflaschen gleich aus. Im Pfandsystem konnten die Abfüller die Flaschen leicht untereinander austauschen. Inzwischen bringen immer mehr Brauereien individuelle Flaschen auf den Markt, die nur von ihnen befüllt werden können. „Für uns sind daher weniger Flaschen aus dem Mehrwegpool verwertbar. Das verlängert die Lieferzeiten“, erklärt Nicolai.

Er appelliert deshalb an die Verbraucher, Kästen und Flaschen zurückzugeben. Bereits vergangene Woche hatte der Brauerbund Hessen/Rheinland-Pfalz die Biertrinker zum Handeln aufgefordert.

Lothar Gauß, Vorstandssprecher der Einbecker Brauerei

Noch nicht ganz so brenzlig ist die Situation bei der Einbecker Brauerei, zu der auch die ehemals in Kassel ansässige Martini-Brauerei gehört. Vorstandssprecher Lothar Gauß sagte, der Abfüller habe keine „überproportionalen Probleme“. „Wir sind nicht in unserer Lieferfähigkeit gefährdet.“ Das habe unter anderem damit zu tun, dass Einbecker saisonale Bierspezialitäten wie Mai-Bock und Winter-Bock anbietet. „Dafür benötigen wir relativ viel Leergut. Das kommt uns jetzt zugute“, so Gauß.

Kein Mangel im Fachmarkt

Im Getränkefachmarkt macht sich der Leergutmangel für den Kunden bislang offenbar nicht bemerkbar. „Die Leergutknappheit hat noch keine Auswirkungen auf das Sortiment“, sagt etwa Anja Krauskopf, Sprecherin von Rewe-Mitte. „Wir fordern die Verbraucher trotzdem auf, ihr Pfandgut nicht zu bunkern.“

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