„Break out and run free“

1100 brechen am Sonntag aus - Knastlauf stößt auf Kritik

Nasse Flucht: Beim Hindernislauf spielt auch die Fulda eine nicht unerhebliche Rolle. Archivfoto:  Schachtschneider

Kassel. In Häftlingskleidung wollen mehr als 1100 Menschen am Sonntag, 7. September, durch Kassel rennen. Sie nehmen teil am „Break out and run free“-Lauf, der ab 13 Uhr vom früheren Gefängnis Elwe in der Unterneustadt startet.

Eine genaue Teilnehmerzahl konnten die Veranstalter am Donnerstag nicht nennen. Vor knapp zwei Wochen war von 1094 Anmeldungen die Rede. Seitdem seien „jeden Tag einige dazugekommen“, sagte Anna Ramskogler-Witt, Sprecherin der Agentur Apublic, auf Anfrage. Feuerwehr und Rettungsdienst rechnen mit bis zu 1500 Teilnehmern. Zu Beginn der Planungen waren die Veranstalter von 5000 Teilnehmern ausgegangen.

Anmeldung

Anmeldungen sind auch noch am Wochenende möglich, sagte Ramskogler-Witt. Letzte Termine, um Startplätze zu bekommen, seien am Samstag von 12 bis 18 Uhr und am Sonntag von 9 bis 11.30 Uhr in der früheren Justizvollzugsanstalt (JVA) Elwe, Leipziger Straße 11. Für jede Einzelanmeldung sind 89 Euro fällig. Die Anmeldung in einer Staffel kostet pro Person 59 Euro.

Mit Behinderungen wegen des Laufs müssen Verkehrsteilnehmer rechnen. Entlang der 18 Kilometer langen Strecke, die von der Elwe durch Fulda- und Karlsaue zum Auestadion führt, sollen zeitweise Straßen gesperrt werden. Auf der Strecke werden insgesamt 21 Hindernisse aufgebaut, die die Teilnehmer überwinden müssen. Dazu gehört ein großes Wasserfalltor im Zielbereich und eine überdimensionale Toilette, durch die die Teilnehmer aus dem Untergrund auftauchen sollen. Laut Ramskogler-Witt soll auch das Publikum eingebunden werden und nicht nur zuschauen. So können Kinder im Zielbereich die Rolle von Polizisten übernehmen und die Teilnehmer mit Wasserpistolen beschießen.

Konzert im Ziel 

Veranstaltungen sind bereits im Vorfeld des Laufs geplant. Am Samstag soll ab 11 Uhr auf dem Gelände der ehemaligen JVA Elwe die Innovations- und Start-up-Messe „break / through“ stattfinden. Auf einer Bühne sollen einige der teilnehmenden Unternehmen ihre Ideen, Produkte und Dienstleistungen vorstellen. Der Eintritt ist frei. Außerdem sind Vorträge zu den Themen Firmengründung und Gründungsfinanzierung geplant.

Am Sonntag findet nicht nur der Lauf statt, sondern auch ein Konzert im Zielbereich am Auestadion. Dort treten zwischen 13 und 19 Uhr die Künstler Chopstick & Johnjohn auf. Der Eintritt dafür ist ebenfalls kostenlos.

Mit der Veranstaltung wollen die Organisatoren auch einen guten Zweck fördern. Dazu sollen am Sonntag Funktions-T-Shirts zum „Break out and run free“-Lauf unter die Leute gebracht werden. Der Reinerlös aus dem Verkauf soll der Stiftung „Wir helfen Kindern“ des Fernsehsenders RTL zugutekommen.

Kritik am Knastlauf

Kritik an der Veranstaltung „Break out and run free“ üben mehrere Polit-Gruppen aus Kassel in einem offenen Brief. Sie werfen den Organisatoren einen „unreflektierten Umgang mit dem Thema Knast“ vor. Unterzeichner des Briefs sind Aktivisten des Autonomen Zentrums Kassel (AZ Kassel), der Kritischen Uni Kassel (KUK) und der Gruppe QREW (queer radikal emanzipatorisch weißnicht-queere Polit-Gruppe) Kassel. Sie schreiben: „Im echten Leben hat ein Ausbruch aus dem Knast gar nichts mit einem Actionfilm zu tun, ganz im Gegenteil.“

Die Gruppen erinnern in dem Brief an die Ereignisse aus dem Juli 1994, die sich nun zum 20. Mal jähren. Damals hatte es in der Elwe eine Meuterei gegeben, bei der letztlich die Spezialeinheit GSG 9 zum Einsatz kam. Die Geiselnahme über 22 Stunden war damals unblutig beendet worden. In der Folge mussten sich ein Deutscher und 16 Algerier vor Gericht verantworten.

Mit der Meuterei hatten die Insassen seinerzeit auf ihre Haftbedingungen aufmerksam machen wollen. Damals hätten Asylsuchende, die abgeschoben werden sollten, monatelang im „normalen Vollzugsknast“ gesessen, „ohne je ein Verbrechen begangen zu haben“, heißt es in dem offenen Brief der drei Gruppen. (clm)

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