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Streit in Kasseler SPD: Ex-OB Bremeier kritisiert Geselle

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Von: Matthias Lohr

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Ehemalige Kasseler Oberbürgermeister der SPD: Hans Eichel (von links), Bertram Hilgen und Wolfram Bremeier. Rechts der einstige CDU-OB Georg Lewandowski.
Ehemalige Kasseler Oberbürgermeister der SPD: Hans Eichel (von links), Bertram Hilgen und Wolfram Bremeier. Rechts der einstige CDU-OB Georg Lewandowski. © Andreas Fischer

Mittwoch kommt es zum Showdown in der Kasseler SPD. Vor der Wahlkreiskonferenz um die Oberbürgermeister-Kandidatur meldet sich ein Ex-Rathauschef zu Wort und kritisiert den Amtsinhaber.

Kassel – Wolfram Bremeier, Bertram Hilgen und Hans Eichel melden sich nur noch bei ganz besonderen Anlässen zu Wort. Im Sommer schalteten sich die drei ehemaligen Kasseler SPD-Oberbürgermeister etwa in die Debatte um antisemitische Kunst auf der documenta ein und verteidigten die Ausstellung gegen Kritiker.

Zum Streit, der ihre Partei seit Monaten spaltet, schwiegen sie bislang. Vor der entscheidenden Wahlkreiskonferenz am Mittwoch kritisiert jedoch erstmals einer von ihnen öffentlich den amtierenden Oberbürgermeister Christian Geselle.

Bremeier sagte der HNA, ein eigener SPD-Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl sei unabdingbar: „Die Partei muss einen eigenen Kandidaten aufstellen.“ Eben darum geht es Mittwoch ab 18.30 Uhr in der Wahlkreiskonferenz im Haus der Kirche in der Wilhelmshöher Allee. Die bislang weitgehend unbekannte Isabel Carqueville will für die Partei ins Rennen gehen und damit Geselle herausfordern, der seinen Posten bei der Wahl im März 2023 als unabhängiger Kandidat verteidigen will.

Bremeier, der von 1991 bis 1993 Oberbürgermeister war, bedauert den Streit in seiner Partei „außerordentlich“, wie er sagt. Aus den Worten des 82-Jährigen lässt sich herauslesen, wen er für den Machtkampf verantwortlich macht: Es passe nicht zusammen, dass Geselle als Unabhängiger antrete und dann um Unterstützung aus der Partei für seine Kandidatur werbe. „Für die SPD gibt es keinen Grund, einen unabhängigen Kandidaten aufzustellen“, sagt Bremeier und ruft die Partei zur Solidarität auf.

Seine Meinung will er auch auf der Wahlkreiskonferenz sagen. Hilgen, als Rathaus-Chef von 2005 bis 2017 Geselles direkter Vorgänger, sowie Hans Eichel (1975 bis 1991) wollen sich angeblich ebenfalls mit Wortbeiträgen einbringen. Vorher äußern will sich keiner von ihnen. Während der Schlusszeremonie der documenta am 25. September sahen Besucher, wie Hilgen und Geselle zehn Minuten lang auf dem Friedrichsplatz vor dem Fridericianum miteinander redeten. Offenkundig ging es nicht um die Kunstschau, sondern um den Streit in der SPD. Es ist ein offenes Geheimnis, dass auch Hilgen und Eichel auf Distanz zu Geselle gegangen sind.

Trotzdem ist es offen, ob Carqueville am Mittwoch eine Mehrheit bekommt. Beide Seiten mobilisieren derzeit ihre Anhänger. Angeblich werden sogar Fahrgemeinschaften für die Bewohner von Seniorenheimen organisiert, damit wirklich jeder kommen kann. Spricht man mit Genossen, hört man immer wieder das Wort „Showdown“.

Leute vom linken Flügel, die anfangs gehofft hatten, Carqueville könne 70 Prozent Zustimmung erhalten, wären mittlerweile schon froh, wenn es überhaupt zu einer Mehrheit reicht. Parteichef Ron-Hendrik Hechelmann rechnet am Mittwochabend mit bis zu 200 anwesenden Mitgliedern.

Auch Bewerberin Carqueville versucht, die Genossen von sich zu überzeugen. In ihrem Kalender stünden derzeit viele Termine und Telefonate, wie sie auf Facebook schrieb. Viele Gesprächspartner habe sie überzeugen können, dass eine eigene Kandidatur der SPD richtig sei. „Die Gespräche der letzten Tage“ hätten aber auch bewiesen: „Die SPD besteht aus Menschen, nicht aus Flügeln.“

So ähnlich sieht das wohl auch Bremeier. Allerdings ist es noch fraglich, ob er Mittwochabend überhaupt kommen kann. Er hat Corona. (Matthias Lohr)

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