Lutherplatz wurde im Auftrag der Kirche zu Zentrum einer Kunstaktion

Kassel. Sechs Wochen lang waren sie vor Ort. Sie haben „viele gute Gespräche“ geführt und dazu beigetragen, „den sozialen Brennpunkt Lutherplatz stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen“.

So lautet die Bilanz der Wiener Künstlergruppe Wochenklausur bevor sie Kassel jetzt wieder verlassen wird. „Wir wollten darauf aufmerksam machen, wie man in einer Stadt lebt oder nicht leben will“, sagt Nadja Klement von der Gruppe Wochenklausur.

„Das ist eine gute und nachhaltige Aktion, die einen Diskurs in Gang gesetzt hat“, lautet dazu der Kommentar von Landesbischof Dr. Martin Hein. Die Künstler waren vom Stadtkirchenkreis und der Evangelischen Landeskirche engagiert worden, die dafür 30 000 Euro investierten.

Nach „eingehender Analyse“ schlägt die Gruppe zur Betreuung der Drogenszene auf dem Lutherplatz die Einführung einer „Mobilen Sozialarbeit mit Schlichtungsfunktion“ vor. Diese zu installieren sei allerdings Aufgabe der Stadtverwaltung, sagte Hein. Er war gestern mit Dekan Jürgen Renner auf den Lutherplatz gekommen, um das letzte der von der vierköpfigen Künstlergruppe inszenierten und moderierten Gespräche zu führen. Mit der Entscheidung, in der Lutherkirche demnächst die Jugendkulturkirche einzurichten, leiste die evangelische Kirche ihren Beitrag, die Situation am Lutherplatz zu entschärfen.

Die Wiener Künstler hatten mitten auf den Lutherplatz ein knallrotes Gartenhäuschen aufgestellt und dort zu Gesprächen eingeladen. Neun mal je zwei Gesprächspartner waren gezielt angesprochen worden, um sich eine Stunde lang hinter verschlossener Tür zu unterhalten. Es handelte sich um Anwohner, Nutzer und andere Lutherplatz-Interessierte wie den Kirchenvorsteher Hans-Helmut Horn und Angelika Waldschmidt von der Drogenhilfe Nordhessen.

Zusätzlich habe man an die hundert spontane Einzelgespräche mit Passanten und Nutzern des Platzes, auch mit Mitgliedern der Drogen- und Alkohol-Szene, geführt, sagt Claudia Eipeldauer: „Es waren positive Gespräche.“

Jetzt sind die Gespräche mit Hein und Renner beendet worden. Im Evangelischen Forum gab es gestern Abend zudem die Abschlusspräsentation der Kunstaktion. Die Künstlergruppe, die seit 1993 Vorschläge zur Veränderung gesellschaftspolitischer Defizite macht und diese umsetzt, hat Videos und andere Dokumentationen erstellt, die im Sommer in der Martinskirche zu sehen sein werden.

Die rote Hütte wird demnächst auf dem Gelände der evangelischen Kita Südsternchen, Frankfurter Straße, aufgebaut und von den Kindern genutzt. (chr) KOMMENTAR

Rubriklistenbild: © Koch 

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