Klageschrift kam durchnässt zurück: Postkunde verärgert

+
Kommentarlos zurück: Anwalt Elias Hofmeister mit dem durchnässten Schriftstück, das eigentlich an das Amtsgericht Neuss adressiert war.

Kassel. Vor drei Wochen hat Elias Hofmeister den dicken Briefumschlag abgeschickt. Jetzt ist er in einer Folie verpackt wieder zurückgekommen. „Empfänger nicht zu ermitteln“, lautet die lapidare Mitteilung.

Der Empfänger wäre das Amtsgericht Neuss (Nordrhein-Westfalen) gewesen. Die verschmierte Adresse kann aber wirklich niemand mehr lesen. In dem Umschlag steckte eine 120-seitige Klageschrift, die der Kasseler Rechtsanwalt einreichen wollte. Das verzögert sich, denn der Briefumschlag mit dem Inhalt ist nass geworden. Irgendwo auf dem Weg zwischen Kassel und Neuss muss er in eine Pfütze gefallen sein oder einen Regenguss abbekommen haben.

„Das ist zwar ärgerlich, kann aber passieren“, sagt Elias Hofmeister. Wofür er kein Verständnis hat, ist der Umgang der Post mit diesem Vorfall. „Es gab kein Begleitschreiben, kein Wort des Bedauerns, keinen Hinweis, an wen man sich wenden könnte“, sagt der 47-Jährige. Er hat versucht, sich schlauzumachen, doch das ist gar nicht so einfach.

In der alten Hauptpost an der Friedrich-Ebert-Straße hat man sich für nicht zuständig erklärt. Formal ist das korrekt. „Es gibt ja fast nur noch Postbanken“, sagt der Anwalt. Er ist froh, dass er zumindest keine Frist bei Gericht versäumt hat. „Ich kann jedem nur empfehlen, solche Sendungen als Paket zu verschicken, da ist man wenigstens versichert“, sagt er. Ob er den Gerichtskostenvorschuss in Höhe von 243 Euro zurückbekommt, weiß er noch nicht. Einen Anspruch darauf hat er nicht.

Immerhin hat Hofmeister herausbekommen, dass es eine Servicenummer der Post gibt. Unter Tel. 0180 23 33 3 kann man sich beschweren. „Dort hat mir ein freundlicher Mensch zugesichert, dass man sich um meinen Fall kümmern wird“, sagt Hofmeister.

„Natürlich ist so ein Wasserschaden sehr unerfreulich“, sagt Thomas Kutsch, Sprecher der Post in Frankfurt. Er verweist auf 70 Millionen Sendungen pro Tag, die von dem Unternehmen bearbeitet würden. Möglicherweise sei der Briefträger in ein Gewitter geraten. Über das Postkundentelefon und über ein Reklamationsformular im Internet (www.deutschepost.de) könne man sich beschweren, wenn es Probleme mit der Zustellung gibt.

Elias Hofmeister weiß das jetzt auch, hätte es aber gern aus einem Begleitschreiben zu seinen durchnässten Unterlagen erfahren.

Von Thomas Siemon

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.