Couragierter Einsatz

Täter im Gebüsch versteckt: Brüder aus Kassel fangen Autodieb

An dieser Stelle ist der Autodieb in die Hecke und an das Schild gefahren. Hajar (links) und Hayman Arif Ismael haben den Täter gestellt.
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Haben mutig gehandelt: Hajar (links) und Hayman Arif Ismael haben einen Autodieb gestellt, der an dieser Stelle einen Unfall verursacht hat – zu erkennen an dem schiefen Schild.

Couragierter Einsatz von zwei Brüdern aus Kassel: Ein Autodieb flüchtet, einer der Brüder verfolgt ihn, beide halten den Täter fest, bis die Polizei eintrifft.

Kassel – Hajar Arif Ismael und sein Bruder Hayman haben sich den Titel Alltagshelden verdient. Dank der Brüder aus Rothenditmold wurde ein Autodieb gefasst. In der Nähe ihrer Wohnung hatte der Täter einen Unfall zuvor verursacht. Weil der Wagen kein Nummernschild hatte, sei ihm die Sache seltsam vorgekommen, berichtet Hajar Arif Ismael: „Da konnte ich nicht wegschauen und habe eingegriffen.“

So schildert der 30-Jährige die Ereignisse: An jenem Vormittag sieht der kurdische Iraker, wie ein Dacia Sandero in einer Hecke feststeckt. Zudem ist ein Straßenschild beschädigt. Der Fahrer bittet um Hilfe, angeblich sei der Rückwärtsgang defekt. Warum er denn kein Kennzeichen habe, will Arif Ismael wissen. Das Auto sei neu gekauft, gehöre der Mutter und solle nun angemeldet werden, bekommt er als Antwort. Für Hajar Arif Ismael steht fest, dass da etwas nicht stimmt, zumal er merkt, „dass der Typ irgendwie berauscht war“. Der 30-Jährige zückt sein Smartphone und ruft die Polizei an.

Diesen Moment nutzt der Fahrer – und haut ab. Die Polizei warnt, dass der Fahrer gefährlich sei, dass er, Arif Ismael, aufpassen solle, sie seien gleich da. Hajars Bruder Hayman kommt hinzu, bewacht die Unfallstelle, und Hajar Arif Ismael nimmt die Verfolgung auf, das Handy weiterhin am Ohr. Ein Mehrfamilienhaus weiter entdeckt er den Flüchtigen. „Der hat sich in einem Gebüsch versteckt“, erzählt Arif Ismael. Er packt ihn am Schlafittchen und bringt ihn zurück zur Unfallstelle.

Gemeinsam halten die Brüder den Täter fest. „Der wollte ständig abhauen und hat überhaupt nicht zugehört“, sagt Hayman Arif Ismael (27). Kurze Zeit später ist die Polizei da. Die Brüder berichten von drei, vier Streifenwagen, die Straße wird abgesperrt, das ganze Programm. Die Beamten bedanken sich.

Die Brüder sind keine Kampfsportler, sie sind in solchen Dingen auch nicht ausgebildet – beide arbeiten beim Autozulieferer Wegu. Angst hätten sie dennoch nicht gehabt. Ihnen sei es darum gegangen, dass der Täter festgenommen wird und nicht weiterfahren kann: „Hier spielen viele Kinder auf der Straße. Wer weiß, was passiert wäre, wenn der Mann den Wagen wieder in Gang gebracht hätte?“, sagen die Arif Ismaels.

Wie Polizeisprecher Matthias Mänz mitteilt, handelt es sich bei dem 22 Jahre alten Dieb um keinen Unbekannten. Gegen ihn werde nun wegen einer ganzen Reihe von verschiedenen strafrechtlichen Verstößen ermittelt. An jenem Vormittag hatte sich der Diebstahl des Dacias auf dem Hof eines Autohändlers an der Ysenburgstraße ereignet. Bei dem Wagen lief der Motor, weil er für den Verkauf aufbereitet wurde. Der 22-Jährige machte sich die Gelegenheit zunutze. Der verdutzte Autohändler rief sofort die Polizei, die die Fahndung aufnahm.

Wenige Minuten später auf der Höhe der Valentin-Traudt-Schule an der Wolfhager Straße fuhr der Dieb einen E-Scooter-Fahrer an, der sich leicht am Bein verletzte. Zudem wurde der Roller beschädigt. Der Täter flüchtete, bis er gegen ein Schild knallte und in der Hecke stehen blieb. Dann kamen die Brüder Arif Ismael. „Es gibt uns ein gutes Gefühl, dass wir helfen konnten“, sagen sie. (Robin Lipke)

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