Projekt landet im Schwarzbuch

Brüder-Grimm-Platz in Kassel: „Kitschig und umstritten“ – Scharfe Kritik an Umbauplänen

Keinesfalls kitschig: Das sagt Landschaftsarchitekt Frank Flor über den Märchenwald, den sein Büro für den Brüder-Grimm-Platz entworfen hat. In Kassel erntet der Plan bislang viel Kritik.
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Keinesfalls kitschig: Das sagt Landschaftsarchitekt Frank Flor über den Märchenwald, den sein Büro für den Brüder-Grimm-Platz entworfen hat. In Kassel erntet der Plan bislang viel Kritik.

Der geplante Umbau des Brüder-Grimm-Platzes in Kassel stößt auf massive Kritik beim Bund der Steuerzahler. Dort soll 2022 ein kleiner Märchenwald entstehen.

Kassel - Mitten in der Debatte um die Neugestaltung des Brüder-Grimm-Platzes in Kassel ereilt das Projekt eine unrühmliche Ehre. Der Vorwurf: Steuerverschwendung.

Es landet als eines von zehn Vorhaben im Land im sogenannten Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler in Hessen. Der knapp zehn Millionen Euro teure Umbau soll mit 6,5 Millionen Euro Fördergeld vom Bund umgesetzt werden. 3,25 Millionen Euro sollen aus der Stadtkasse fließen.

Kassel: „Kitschig und umstritten“ - Scharfe Kritik an Umbau des Brüder-Grimm-Platzes

Der Bund der Steuerzahler hält die Investition für verfehlt. Das geplante Kiefernwäldchen, das mit einem märchenhaften Lichtkonzept inszeniert und durch ein Wassersprühsystem befeuchtet werden soll, sei „kitschig und bei den Bürgern sehr umstritten“, argumentiert der Steuerzahlerbund. Die Entwürfe erinnerten eher an einen Freizeitpark als an einen Stadtplatz. Dennoch halte die Stadt Kassel an der Umsetzung fest, vermutlich weil sonst die zugesagten Bundesgelder verloren gingen.

Zudem übersehe man im Rathaus offenbar die Unterhaltungskosten für die Grünanlage, die den Stadthaushalt langfristig belasten werde. Damit drohe Kassel in die klassische Falle der Mischfinanzierung zu tappen: Der Bund finanziere den Großteil des Projekts, aber dessen Folgekosten müsse schließlich die Stadt tragen. Die großzügige Finanzspritze des Bundes führe zu Fehlanreizen, sodass die Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes als leicht finanzierbar erscheine.

Stuerzahlerbund zum Brüder-Grimm-Platz: Wiese, Bäume und Blumen sind ausreichend

Aus Sicht des Bundes der Steuerzahler wäre eine schlichte Grünanlage mit Blumenwiese und Bäumen sinnvoller gewesen als ein teures Mammutprojekt mit Akzeptanzproblemen, teilt ein Sprecher mit. Mit den Umbauarbeiten soll frühestens Ende 2022 begonnen werden. Der Entwurf der Landschaftsarchitekten Club L94 aus Köln in Arbeitsgemeinschaft mit dem Büro Röver Ingenieurgesellschaft aus Gütersloh war in einem langwierigen Wettbewerbsverfahren von einer Jury ausgewählt worden. Zudem wurden Anlieger und Innenstadtakteure in einem Beirat beteiligt, der allerdings kein Stimmrecht hatte. Sowohl Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) wie Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) hatten sich stets hinter den Siegerentwurf gestellt. Geselle sprach von einem „überzeugenden Ergebnis“.

Der geplante Kiefernwald soll einen Bezug zu den Märchen der Brüder Grimm symbolisieren. Ein Großteil der Bestandsbäume bleibt aber erhalten und wird in das Gesamtkonzept integriert. Zuletzt wurden die Pläne auf Anregungen und Kritik hin mehrfach überarbeitet. Der Brüder-Grimm-Platz wurde letztmalig 1960 gestalterisch angepasst. Stadtbaurat Christof Nolda reagierte mit wenig Verständnis auf die Kritik des Steuerzahlerbundes.

Kritik am Umbau des Brüder-Grimm-Platzes in Kassel - das sagt der Stadtbaurat

Das sagt der Stadtbaurat: Auf HNA-Anfrage nahm Stadtbaurat Christof Nolda Stellung zur Kritik: „Die Innenstadt Kassels soll an Lebensqualität gewinnen. Dafür wollen wir attraktive Aufenthaltsorte schaffen, auch wo Durchgangsverkehr herrscht. Wir wollen die Stadt nachhaltiger machen und dafür mehr Grünflächen schaffen. Wir wollen historisch wertvolle Stadtstrukturen wieder sichtbar machen.

Der Brüder-Grimm-Platz ist in diesem Rahmen ein zentrales Vorhaben, das aufgrund seiner Bedeutung als Premiumprojekt des Bundesprogramms Nationale Projekte des Städtebaus gilt. Mit dem Grimm-Platz rückt das Unesco-Weltkulturerbe, der Bergpark Wilhelmshöhe, näher an die Innenstadt: Das Projekt gestaltet die lange vernachlässigte Sicht- und Verbindungsachse zum Welterbe neu und steigert so die touristische Attraktivität der Stadt. Dass Gestaltung nicht ohne Investitionen funktioniert, hat die Stadtgesellschaft erkannt.

Die Stadtverordneten, der Ortsbeirat und alle behandelnden Gremien haben sich einstimmig oder mit deutlicher Mehrheit für diese Neugestaltung ausgesprochen. Auch der Bund hat das Vorhaben als förderwürdig eingestuft. Die Kosten wurden und werden weiterhin fachlich geprüft und liegen dabei im üblichen Bereich für Projekte dieser Art.“

Auch sehen einige HNA-Leserinnen und -Leser das geplante Projekt auf dem Platz in Kassel kritisch. Für den Umbau des Brüder-Grimms-Platzes in Kassel fordert die CDU indes eine Bürgerbeteiligung.

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