Laborergebnisse: In Kassel keine erhöhte Nitratbelastung, aber mitunter Bakterien

Im Brunnen lauern Keime

Vorsicht beim Gießen: Wer sein Gemüse mit Wasser aus dem heimischen Gartenbrunnen wässert, sollte das besser nur an den Wurzeln tun, wie Madita auf unserem Symbolbild. Foto: dpa 

Kassel. Die überwiegende Zahl der privaten Brunnen in Kassel weist keine erhöhte Nitratbelastung auf. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Vereins VSR-Gewässerschutz, der vor einigen Wochen Station auf dem Königsplatz machte und Kassels Brunnenbesitzern ermöglichte, ihr Wasser untersuchen zu lassen.

Inzwischen liegen die Laborergebnisse vor. „Erwartungsgemäß wurden bei den Brunnen im Kasseler Becken nur Nitratwerte von unter 40 Milligramm pro Liter (mg/l) festgestellt“, sagt VSR-Sprecher Harald Gülzow. Anders sehe es da im ländlichen Raum aus, wo es deutlich mehr gedüngte Felder gibt: Im Waldecker Land stellten die Umweltschützer - beispielsweise in Meineringhausen - eine Nitratbelastung des Wassers von 70mg/l fest.

Insgesamt wurden bei der Untersuchung in Nordhessen 32 privat genutzte Brunnen unter die Lupe genommen: In jeder achten Probe habe die Nitratkonzentration oberhalb des Schwellenwerts der deutschen Grundwasserverordnung von 50 mg/l gelegen. Als Trinkwasser sei es damit nicht mehr geeignet, sagt Gülzow. Ihr Gemüse könnten Gartenbesitzer aber noch bis zu einem Nitratwert von 100 mg/l wässern.

Erhöhte Nitratwerte sind vor allem für Säuglinge gefährlich, erläutert Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamts Region Kassel. Im schlimmsten Falle bestehe die Gefahr, dass sich eine Blausucht (Zyanose) entwickele und Babys zu ersticken drohten. Für Säuglinge gelte daher ein Grenzwert des Nitratgehalts im Trinkwasser von 10 mg/l. Darüber hinaus lägen Studien darüber vor, dass Nitrat in hoher Konzentration Krebs auslösen könne.

Vorsicht beim Gießen

Zwar gäben die Kasseler Brunnen mit Blick auf die Nitratbelastung kaum Grund zur Beanstandung, wohl habe der Verein VSR aber in einigen Proben bakteriologische Probleme registriert, sagt Gülzow. Sprich Krankheitserreger, die zum Beispiel durch defekte Abwasserleitungen in das Brunnenwasser gelangten. Zum Gießen sei dieses Wasser nur eingeschränkt nutzbar - „besser nur an den Wurzeln des Gemüses und nicht mehr kurz vor der Ernte wässern“, rät Gülzow.

Die Leiterin des Gesundheitsamts empfiehlt zudem, das mit Brunnenwasser gegossene Gemüse vor dem Verzehr gründlich mit Leitungswasser abzuwaschen.

Keinen Anlass zur Sorge haben übrigens jene, die sich mit dem Wasser aus dem Kirchditmolder Ziegenbrunnen erfrischen wollen. Walter Klonk, der sich ehrenamtlich um den aus der Quelle Lindenborn gespeisten Brunnen kümmert, hatte ebenfalls eine Probe zum Königsplatz getragen und vom VSR analysieren lassen. Er hat jetzt schwarz auf weiß: „Die Ergebnisse halten die Grenzwerte für Trinkwasser ein.“ Archivfotos: nh

Brunnenbesitzer können ihre Proben auch an den Verein schicken. Infos unter www.vsr-gewaesserschutz.de. Wasserproben untersuchen auch die Städtischen Werke unter www.zentrallabor-kassel.de

Von Anja Berens

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