Landgericht verurteilt 33-Jährigen nach über elf Jahren wegen Überfällen auf Prostituierte

Nach Überfällen auf Prostituierte: Räuber muss ins Gefängnis

Kassel. „Dermaßen verwerflich“, meinte sogar Verteidiger Peter Heimbs, sei die Tat, dass der Täter lange eingesperrt gehöre. Aber, sagte der Anwalt: „Der Angeklagte ist der falsche Angeklagte.“ Und müsse deshalb freigesprochen werden.

Das Kasseler Landgericht indes wollte sich am Mittwoch nur dem ersten Teil dieser Aussage anschließen: Es sagte Ja zur hohen Strafe. Doch an der Schuld des Angeklagten zweifelte es nicht.

Wegen zweier Raubüberfälle auf Prostituierte in Kassel verurteilte es den 33-Jährigen aus dem thüringischen Eichsfeld zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis. Außerdem muss der Mann seinem jüngsten Opfer 1500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Und es hätte noch weitaus härter kommen können für den arbeitslosen Familienvater: Staatsanwalt Matthias Blosche hatte sieben Jahre Knast verlangt – und den Angeklagten wegen Fluchtgefahr am liebsten umgehend in Haft genommen. Dem wollte das Gericht dann doch nicht nachkommen.

Der Angeklagte hatte alles rundheraus bestritten, was ihm vorgeworfen wurde. Weder 2001 noch zehn Jahre später, im Januar 2011, habe er als Freier den illegalen Drogenstrich an der Kasseler Hauptpost besucht. Und schon gar nicht habe er Frauen, die ihm dort sexuelle Handlungen verkauft hatten, mit roher Gewalt den gezahlten Lohn wieder abgenommen.

Das Problem des Eichsfelders: Beim ersten Fall, als eine heute 43-Jährige mit Schlägen und Tritten grausam zugerichtet worden war, hatte die Polizei am Tatort ein gebrauchtes Kondom mit DNA-Spuren gefunden. Und das konnte nach der neuerlichen Tat dem Angeklagten zugeordnet werden. Jedenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: „Bei einer Wahrscheinlichkeit von eins zu zehn Milliarden müssen auch die letzten Zweifel verstummen“, befand der Strafkammervorsitzende Jürgen Dreyer.

Und dass die Polizei ein falsches Präservativ untersucht haben könnte, wie Verteidiger Heimbs glaubhaft machen wollte? „Dafür gibt es nicht die geringsten Anhaltspunkte“, sagte der Richter. Also: „Es kann nur der Angeklagte gewesen sein, der die Tat begangen hat.“

Genauso wie fast ein Jahrzehnt später. Auch wenn es in diesem Fall keine DNA-Spuren gab, sondern nur Indizien: So hatte sich das 29-jährige Opfer das Autokennzeichen des gewalttätigen Freiers gemerkt und den Angeklagten später auf Fotos wiedererkannt. Und: Sie wusste von seiner Intimrasur.

Zu viele Indizien für Zufall

Das, entschied das Gericht, sei für bloßen Zufall ein bisschen zu viel. Das Alibi, das dem 33-Jährigen von Ehefrau, Schwager und Schwägerin in Form eines Familienbesuchs in Kassel ausgestellt worden war, wischte die Strafkammer darum kühl vom Tisch. „Diese Aussagen sind gelogen“, stellte Richter Dreyer nüchtern fest. „Anders ist das nicht erklärbar.“ (jft)

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