Vater war Anstifter der Bluttat - Tochter schreibt ihr Schicksal auf und sucht Sponsoren

Buch über Mord an der Mutter

Auftraggeber: Uwe H. gab den Mord an seiner Frau in Auftrag und erhielt dafür eine lebenslange Haftstrafe. Zeichnung:  Reinckens

Kassel. Vor rund elf Jahren erschütterte ein Mordfall die Region: Die Hausfrau Regina H. aus Guxhagen war mit zwölf Messerstichen brutal getötet worden. Das Unfassbare: Hinter der Bluttat steckte der Ehemann. Uwe H. hatte dem Mörder ganze 1000 Euro gezahlt, um seine Frau zu töten.

Uwe H. war deswegen Ende 2003 wegen Anstiftung zum Totschlag vom Kasseler Landgericht zu zwölf Jahren verurteilt worden. Der Mörder Raphael B. bekam lebenslang.

Der Bundesgerichtshof kassierte allerdings das Urteil. Er stellte klar, dass auch der Anstifter der Tat aus niederen Beweggründen und heimtückisch gehandelt habe. Die Folge: Uwe H. wurde im August 2005 von der 1. Strafkammer des Kasseler Landgerichts zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Tochter Yvonne, die damals 27 Jahre alt war, hatte somit Mutter und Vater verloren. Ein Elternteil war tot, der andere wanderte ins Gefängnis.

Seitdem hat Yvonne, die heute verheiratet ist, einen eineinhalbjährigen Sohn und Holthaus heißt, nie mehr Kontakt zu ihrem Vater gehabt. Der eigene Vater, der die Mutter töten ließ – wie verkraftet man solchen Schicksalsschlag? „Ich habe das alles hinter mir gelassen“, sagt die 38-Jährige, die mit ihrer Familie in Bayern lebt. „Ich bin dadurch eine starke Frau geworden, die vielleicht auch anderen helfen kann.“

Vor vier Jahren machte sich Yvonne Holthaus selbstständig und arbeitet seitdem als Heilpraktikerin. Jetzt hat sie einen ganz besonderen Weg eingeschlagen, um ihre Vergangenheit zu bewältigen: Sie schreibt an einem Buch über ihr Schicksal und den Mord an der Mutter. Darin soll nichts beschönigt und auch nichts verheimlicht werden. Denn auch das Verhältnis zu ihrer Mutter sei problematisch gewesen, sagt sie. Ihrem Vater habe sie bis zur Tat dagegen blind vertraut.

Das Buch mit dem Titel „Mit dem Gesicht zur Sonne“ hat sie weitgehend fertig. Um es im Eigen-Verlag herausbringen zu können, braucht Yvonne Holthaus natürlich Geld.

Und auch da hat sie einen besonderen Weg eingeschlagen: Sie startet das Projekt mit dem sogenannten „Crowdfunding“. Das bedeutet, dass Unterstützer gefunden werden müssen, die Geld für das Buchprojekt springen lassen.

Die Finanziers erhalten ein Dankeschön: „Alle bekommen die E-Book-Version“, sagt Yvonne Holthaus. Und zehn Prozent der möglichen Bucherlöse sollen einem sozialen Zweck zugutekommen, den die Unterstützer per Internet bestimmen können.

Bis Anfang Mai will Yvonne Holthaus 6000 Euro gesammelt haben, damit das Buch verlegt werden kann. Über 3000 Euro wurden ihr schon gespendet. Erreicht Yvonne Holthaus ihr Ziel nicht, geht das Geld an die Spender zurück.

Informationen unter:

www.startnext.de/mit-dem-gesicht-zur-sonne

Von Frank Thonicke

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