Buchhalterin griff in die Firmenkasse

Bewährung für Ex-Buchhalterin eines Kasseler Autohauses

Kassel. „Warum haben Sie das gemacht?“, wollte Amtsrichter Leyhe von der Kasselerin auf der Anklagebank wissen, die als Finanzbuchhalterin eines großen Autohauses der Stadt über 61.000 Euro auf ihr eigenes Konto umgeleitet hatte.

„Ich weiß es nicht, ich schäme mich so sehr“, antwortete die junge Frau unter Tränen. Für gewerbliche Untreue in 17 Fällen wurde sie gestern vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.

Weil die 34-Jährige voll geständig war, glaubhaft Reue zeigte, nicht vorbestraft ist und bis auf knapp 20.000 Euro das unterschlagene Geld bereits zurückgezahlt hat, folgte das Gericht dem Antrag von Staatsanwältin Köpf und setzte die Strafe zur Bewährung aus. Als allein erziehende Mutter, die vom Vater des Kindes keinen Unterhalt bekommt, war sie sicherlich finanziell nicht auf Rosen gebettet. Gleichwohl litt sie als langjährige Angestellte des Autohauses auch keine Not, als sie im August 2014 damit begann, Rechnungen eines Versandhandels über wenige Hundert Euro vom Firmenkonto zu begleichen.

Das klappte so reibungslos, dass die Beträge bald größer wurden: Bekleidung für sich und das Kind, Spielsachen, ein Kinderfahrrad, Miete und eine Urlaubsreise für 2400 Euro kamen hinzu. Später nahm sie Kredite im fünfstelligen Umfang auf, kündigte sie und zahlte das Geld vom Firmenkonto zurück, finanzierte auch ein neues Auto auf diesem Weg.

Da hatte sie schon längst den Überblick verloren. „Ich wusste nicht, dass es so viel war“, sagte sie gestern. Als im Kontrollsystem des Autohauses schließlich auffiel, dass die Empfänger der Überweisungen nicht mit dem angeblichen Verwendungszweck übereinstimmten, betrug der Schaden schon über 60.000 Euro. Noch am Tag, als der Schwindel aufflog, kündigte sie bei dem Autohaus, zahlte 20.000 Euro zurück und verzichtete auf den Kauf des Gebrauchtwagens für 19.000 Euro. Heute, so gestern ein Mitarbeiter des Autohauses, seien nur noch 19.200 Euro offen. Das Geld bekam das Unternehmen von der Versicherung erstattet, an die die Angeklagte jetzt monatlich 150 Euro abstottert.

„Das war keine spontane Tat, aus kleinen Beträgen wurde das zum Selbstläufer und dann genehmigten Sie sich gleich ein Jahres-Nettoeinkommen in wenigen Tagen“, beschrieb Richter Leyhe das Geschehen. Gleichwohl zeigte er sich zuversichtlich, dass dies der einzige Ausrutscher im ansonsten tadellosen Lebenslauf der Angeklagten bleiben werde.

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