Feuchte Witterung begünstigt Befall

Buchsbaum-Sterben auf Friedhof: Pilz zerstört beliebte Grabpflanze

Schadensbegutachtung: Friedhofsgärtner Thomas Omonsky zeigt eine mit dem Pilz befallene Buchsbaumhecke um ein Grab auf dem Hauptfriedhof. Foto: Rudolph

Kassel. Wer in diesen Tagen über den Hauptfriedhof oder einen anderen Friedhof in der Stadt spaziert, könnte meinen, dass es in Kassel mit der Grabpflege nicht weit her ist. Die kleinen Buchsbaumhecken, die viele Gräber umranden, sehen unansehnlich bräunlich aus – als seien sie verdorrt.

Doch ein Pilz, gegen den auch die Friedhofsgärtner nicht viel ausrichten können, ist verantwortlich für das Buchsbaumsterben.

„Wir schätzen, dass mehr als 60 Prozent der mit Buchsbaum bepflanzen Gräber betroffen sind“, sagt Jürgen Rehs, Leiter der Friedhofsverwaltung. Die immergrünen Pflanzen seien als Einfassung von Gräbern nach wie vor beliebt. Unter anderem, weil sie sich gut zu niedrigen Hecken zurechtschneiden lassen.

Vor einigen Jahren habe man erstmals ein Buchsbaumsterben durch den Pilz beobachtet, sagt Rehs. Seitdem rate man Kunden, die ein Grab gestalten lassen wollen, von Buchsbaum ab. „Es gibt aber immer auch Unbelehrbare, auf Wunsch pflanzen wir das dann, aber übernehmen keine Gewährleistung.“

Seit zwei Wochen beobachte man nun einen erneuten Befall der Buchsbäume. Dass der Pilz jetzt wieder aufgetreten sei, liege am feucht-warmem Wetter, vermutet Rehs. „Das sind optimale Bedingungen, damit diese Pilze regelrecht explodieren können.“

Cylindrocladium buxicola heißt der Übeltäter, erklärt Hans-Jürgen Borneis von der Hessischen Gartenakademie in Kassel. Tückisch sei, dass die Sporen dieses Pilzes im Boden sehr lange überleben können. Bei feuchten Blättern könne es dann schnell zu einer Infektion kommen. Da die niedrigen Einfassungsbuchse mit Bodenkontakt eher feucht blieben, seien sie besonders anfällig. Das gelte insbesondere auf Friedhöfen mit hohem Baumbestand und viel Schatten, wo sich Feuchtigkeit länger hält.

Vorsicht bei Pflanzenkauf

Wie vertrocknet: Erst bekommen die Buchsbaum-Blätter braune Flecken, dann fallen sie ab. Die ganze Pflanze kann absterben.

Bei Buchsbäumen, die im Kübel ohne Bodenkontakt stehen, als Säule gezogen seien oder einen Stamm ohne Laub haben, müsse man sich hingegen weniger Sorgen machen, sagt der Experte.

Wer bereits einen Buchsgarten habe, solle vor allem beim Kauf von Jungpflanzen vorsichtig sein, rät Borneis. „Da kauft man sich oft die Pest mit ein.“ Bekämpfen lasse sich der Pilz kaum. Man könne höchstens vorbeugend Fungizide spritzen, was aber sehr aufwendig sei. Wenn man befallene Buchsbäume zurückschneide und dünge, könne man zwar Glück haben, dass sie wieder austreiben. Doch wenn der Pilz im Boden sei, könne er immer wiederkommen.

Von Katja Rudolph

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