Sparkonzept: Räume der Jakobuskirche am Eichwald sollen künftig vermietet werden

Bücherei ist in Gefahr

Sorge um Fortbestand der Bücherei: Büchereileiterin Ruth Kothe befürchtet, dass die evangelische Bücherei an der Jakobuskirche bald Geschichte ist. Weil die Gemeinden angehalten sind, Einnahmen zu erzielen, werden die Büchereiräume künftig vermutlich vermietet.

Bettenhausen. 300 Kinder, Jugendliche und Erwachsene nutzen die evangelische Gemeindebücherei an der Jakobuskirche am Eichwald in Bettenhausen. Doch wie es mit der öffentlichen Bücherei weitergeht, ist ungewiss.

Weil die evangelische Kirche bei ihren Gebäuden sparen muss, sind die Gemeinden angehalten, einen Teil ihrer Räume aufzugeben oder Untermieter dafür zu finden. Dazu hat die Landeskirche ein neues Finanzzuweisungsgesetz beschlossen (siehe Hintergrund).

In der Trinitatisgemeinde, zu der die Jakobuskirche gehört, gibt es deshalb Überlegungen, die Bücherei in einen Nebenraum des Gemeindesaals zu verlegen und die bisherigen Räume zu vermieten. Derzeit ist die Bücherei im ehemaligen Küsterhaus untergebracht, in dem drei Zimmer zur Verfügung stehen. Der Ersatzraum ist etwa halb so groß.

Ruth Kothe, langjährige ehrenamtliche Leiterin der Bücherei, fragt sich nicht nur, wie die rund 3500 Medien dort untergebracht werden sollen. Vor allem hat sie Sorge, dass die Büchereiarbeit nicht wie bewährt weitergeführt werden kann. „Wir bringen zwar kein Geld ein, aber wir vermitteln doch Bildung. Das ist doch mindestens ebenso wertvoll“, sagt die 78-Jährige.

Aus ihrer Erfahrung wisse sie, dass viele Kinder im Stadtteil – es gibt regelmäßige Besuche von Schulklassen und Kindergartengruppen – zu Hause gar nicht in Berührung mit Büchern kommen. Auch viele Erwachsene nutzten das kostenlose Angebot gern. „Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert, falls die Bücherei schließt“, sagt Kothe, „Hier gibt es doch sonst nichts.“

So weit wolle man es nicht kommen lassen, betont Pfarrer Dr. Thomas Gerlach. „Natürlich wollen wir nicht aktive und erfolgreiche Teile der Gemeindearbeit kaputtsparen“, sagt der Gemeindepfarrer. Man bemühe sich, eine „zumutbare Lösung“ zu finden. Längerfristig, so der Pfarrer der Jakobuskirche, sei es allerdings unwahrscheinlich, dass die Bücherei in den bisherigen Räumen bleiben könne. „Wenn es einen zu hohen Bestand an Gebäuden gibt, die nicht zu 100 Prozent ausgelastet sind, muss es eben leider zu Einsparungen kommen.“

In das ebenfalls zur Trinitatisgemeinde gehörende Gemeindehaus an der Immanuelkirche ist als Mieter bereits die Freie Christliche Schule eingezogen. Im Marienbezirk der Trinitatisgemeinde soll die Pfarrwohnung in das Gebäude umziehen, in dem auch der Evangelische Kindergarten ist.

„Wir müssen unsere Gebäude wirtschaftlicher und intensiver nutzen“, erklärt Stephan Heinisch, Verwaltungsdirektor des Stadtkirchenkreises. Allerdings gebe es keine konkreten Vorgaben für die einzelnen Gemeinden. Ziel sei aber, die Gebäude zu erhalten, die attraktiv seien und von möglichst vielen Menschen genutzt werden.

Wie es mit der Bücherei an der Jakobuskirche weitergeht, wird sich im Lauf des Jahres klären. Dann beschließt die Synode über die Zukunft der Gemeindehäuser.

Von Katja Rudolph

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