Fürsprecher wollen Schließungen abwenden

Büchereien sollen schließen - Begehren geplant

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Die Stadteilbibliothek in Wilhelmshöhe: Büchereileiterin Petra Richter (links) berät Nutzerin Esther Appel.

Kassel. Die vorgesehene Schließung der Stadtteilbibliotheken in Wilhelmshöhe, Fasanenhof und Kirchditmold könnte das nächste Thema eines Bürgerbegehrens in Kassel werden.

Im Eingabeausschuss des Stadtparlaments waren am Mittwoch Vorstöße aus allen drei Stadtteilen für den Erhalt der Büchereien mir den Stimmen von SPD und Grünen abgelehnt worden. Kurz nach Ende der Sitzung begann im kleinen Kreis der Zuhörer das Pläneschmieden, wie man das für 2014 drohende Bücherei-Aus durch einen Bürgerentscheid verhindern könnte.

Spätenstens im Lauf des Wochenendes wollen die Initiatoren aus jedem Stadtteil eine Vertrauensperson für das Begehren benennen und mit Unterschriftenlisten auf Unterstützersuche gehen. Etwa 4400 Kasseler müssten kurzfristig unterschreiben, damit ein Bürgerentscheid zustande käme.

Die Sprecher Wilhelmshöhes und Fasanenhofs setzten mehr auf ein Entgegenkommen der Stadt bei Schaffung alternativer Angebote für Büchereinutzer. Stefan Becker schlug vor, wenn die Stadt das Bibliotheksgrundstück an der Friedrich-Naumann-Straße zu Geld machen wolle, könne der Bücherbestand in Räume des Wilhelmsgymnasiums verlagert werden. Die Schule würde mitmachen - jedoch, so Becker, ginge „dies nicht gänzlich ohne städtisches Personal“.

Dann sei es auch keine Option, machte Oberbürgermeister Bertram Hilgen deutlich. Für die Stadt sage er organisatorische Unterstützung zum Aufbau alternativer, ehrenamtlicher Büchereiangebote zu, Geld für Mitarbeiter gebe es aber unter keinen Umständen.

Durch die Schließung der Büchereien erwartet die Stadt eine Kostensenkung von jährlich 360.000 Euro, vor allem durch Personalwegfall. Dieses Einsparziel ist auch Bestandteil der Vereinbarungen mit dem Land Hessen, das im Gegenzug einen erheblichen Teil der städtischen Schulden übernimmt.

Ausschussmitglied Axel Selbert (Kasseler Linke) zweifelte den Spareffekt generell an, da die Büchereimitarbeiter „hoffentlich nicht entlassen“, sondern Hilgen zufolge anderweitig eingesetzt werden sollten.

Von einem Bürgerbegehen erhoffen sich auch die Bücherei-Fürsprecher in Wilhelmshöhe und Fasanenhof neue Impulse für ihr Anliegen. Bislang, so der Fasanenhöfer Horst Anthofer, „hatte man den frustrierenden Eindruck, dass alles sowieso schon beschlossen ist.“

Hintergrund: Relativ wenige Nutzer in den Stadtteilen

Im Vergleich zu den zentralen Büchereien in der Innenstadt sei der Betriebsaufwand für die drei Stadtteilbibliotheken angesichts der Nutzerzahlen dort zu hoch, argumentiert der Magistrat. Auch die bestfrequentiere Stadtbücherei in Wilhelmshöhe erreiche mit 10 127 Besuchern pro Jahr nur einen Bruchteil des Publikumsaufkommens der Zentralbibliothek, die jährlich von 161 740 Nutzern besucht werde. Noch niedriger lägen die Besucherzahlen in Kirchditmold (8851) und in Fasanenhof (5577 Besucher). Jede Öffnungsstunde dort koste die Stadt etwa 220 Euro.

In der Altersgruppe der unter 20-Jährigen sind nach Angaben der Stadt 311 Personen als Nutzer der Bücherei in Wilhelmshöhe registriert, 273 in Kirchditmold und 145 in Fasanenhof. Über 60 Jahre alt sind 80 in Wilhelmshöhe angemeldete Nutzer und 34 in Fasanenhof - aus Kirchditmold liegen für diese Altersgruppe keine Zahlen vor.

Von Axel Schwarz

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