Lockerungen des Corona-Lockdowns: Bücherkauf in Kassel wieder im Laden möglich

Die Neuerscheinungen liegen bereit: Jörg Robbert von der Brencher Buchhandlung in Wilhelmshöhe ist auf Kundschaft vorbereitet. Die Öffnung am Montag freut ihn einerseits, er sieht sie aber auch kritisch.
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Die Neuerscheinungen liegen bereit: Jörg Robbert von der Brencher Buchhandlung in Wilhelmshöhe ist auf Kundschaft vorbereitet. Die Öffnung am Montag freut ihn einerseits, er sieht sie aber auch kritisch.

Es sind nicht viele, die über die neuesten Entscheidungen der Politik hocherfreut sind. Definitiv dazu gehören die Buchhändler, die ihren Kunden ab kommender Woche die Neuerscheinungen des Frühjahrs im Laden präsentieren können. Aber auch in den Bereichen Freizeit und Körperpflege tut sich etwas. Stimmen aus Stadt und Kreis Kassel.

Buchhandel: „Unsere erste Reaktion ist es, dass wir uns freuen, wenn die Kundschaft wieder in den Laden kommen darf. Eine Buchhandlung lebt vom Austausch mit den Buchhändlern und vom Stöbern“, sagt Jörg Robbert von der Brencher Buchhandlung in Wilhelmshöhe. Dort sei man bislang zu den normalen Öffnungszeiten im Laden und gebe Buchbestellungen über die Abholstation aus. Das in der Pandemie eingerichtete Büchertaxi soll es auch weiterhin geben.

Für einen Start am Montag sei das Lager bereits gefüllt, Neuerscheinungen lägen bereit, doch Robbert merkt scherzhaft an: „Wir warten dann darauf, dass die Inzidenz wieder bei 100 ist und wir wieder schließen dürfen.“ Persönlich hätte er auch damit leben können, bis zum 28. März im strengen Lockdown zu bleiben. „Wir warten ja parallel auf alles andere, auf Impfungen und Schnelltests, das ist das größte Manko, dass die Politik hier nicht hinterherkommt.“

„Bedenken schwingen immer mit“, sagt Katharina Engelhardt, Inhaberin des Bücherecks in Vellmar. Sie verweist auf das schon bestehende Hygienekonzept ihres Ladens. Ab Montag dürfen dann wahrscheinlich vorerst drei Kunden gleichzeitig in den 100 Quadratmeter großen Verkaufsraum kommen – da lasse sie lieber Sicherheit walten. „Und wenn jemand an der Tür klopft, wird er auch dort bedient.“

 Gastronomie: Und wie sieht es mit der Außengastronomie aus? Zumindest Backstubenwirt Jochen Cramer hat dazu ganz genaue Vorstellungen. „Wir bereiten alles so vor, dass wir am 1. April starten können“, sagt er. Das ist der Gründonnerstag, da steht in dem Traditionslokal in Wehlheiden klassisch Grüne Soße auf der Karte. „Wenn man uns lässt“, sagt der Wirt. Vor dem aktuellen Lockdown habe man bereits einen gut organisierten Betrieb mit Abstand und Hygieneregeln hinbekommen. Daran werde man sich je nach neuen Vorgaben orientieren. Über die Osterfeiertage will er mit einem Handwagen durch Wehlheiden ziehen und bunte Eier verteilen. Auch als Zeichen dafür, dass es die Gastronomie im Stadtteil noch gibt.

Museen: Bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) laufen die Vorbereitungen für eine Öffnung der Museen nach den Vorgaben des Landes. Besuche sollen ausschließlich mit Terminvereinbarung möglich sein. Das bedeutet, dass man die Kontaktdaten hinterlegen muss. Auch ein Hygienekonzept ist vorgeschrieben. Zudem arbeitet die MHK an der Vorbereitung der Sommersaison ab dem 1. April. Die Beete zum Beispiel vor Schloss Wilhelmshöhe werden nach und nach bepflanzt. Auch auf der Blumeninsel Siebenbergen wird gearbeitet.

Fahrschulen: Da man in der gesamten Pandemie überhaupt nur im ersten Lockdown vor einem Jahr hatte schließen müssen, laufe der Betrieb aktuell mit strengen Hygienevorgaben weiter, sagt Christel Meyer-Schütz von der Fahrschule Mayer in Kirchditmold und Vellmar. Die Organisation habe sich allerdings schon stark verändert und sorge vereinzelt dafür, dass die Führerschein-Ausbildung länger dauere. So richte sich die Teilnehmerzahl in den Theoriestunden nach der Raumgröße. „Statt 10 bis 12 sind es dann je nach Raum nur die Hälfte.“ Und die Schüler könnten nicht wie sonst einfach kommen, sondern müssten sich vorher anmelden.

Auch die praktischen Stunden im Auto bleiben auf zwei Personen begrenzt – Fahrlehrer und Schüler. Sollten künftig, wie von der Bundesregierung jetzt angeregt, vor der Stunde Schnelltests gemacht werden müssen, müsste etwa die Frage nach der Finanzierung geklärt werden, so Meyer-Schütz. Da richte man sich nach den Empfehlungen des Fahrlehrerverbands.

Kosmetikstudios: Sie sei bereits fleißig am Telefonieren, und sie informiert sich: Heike Kreutzburg, Kosmetikerin und Inhaberin des Schönheitssalons „Hautkontakt“ in der Kölnischen Straße. Ein Mitarbeiter der Corona-Hotline der Landesregierung in Wiesbaden, von dem sie sich Informationen erhoffte, habe sie auf nächste Woche vertröstet. Es gebe bereits eine große Nachfrage der Kundschaft nach Terminen – „ich hab gehört, Sie dürfen öffnen, ich möchte sofort vorbeikommen“, höre sie dieser Tage immer wieder. Da sie bis gestern Nachmittag noch nicht wusste, ob jeder Kunde vor der Behandlung einen Schnelltest machen muss, habe sie bereits versucht, Tests zu organisieren. „Aber da kommt man nicht so einfach dran.“

Von Anna Lischper und Thomas Siemon

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