Kasseler Junge bittet mit Brief an OB um Öffnung

Kinderbücherei und Zentralbibliothek bieten ab 8. März wieder Abholservice

Der für ihn wichtigste Ort der Stadt: Arvid Wendler aus Kassel ist normalerweise regelmäßiger Gast in der Kinder- und Jugendbücherei an der Obersten Gasse, die seit vier Monaten geschlossen ist.
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Der für ihn wichtigste Ort der Stadt: Arvid Wendler aus Kassel ist normalerweise regelmäßiger Gast in der Kinder- und Jugendbücherei an der Obersten Gasse, die seit vier Monaten geschlossen ist.

Viele haben darauf gewartet: Nun hat die Stadt Kassel angekündigt, die Kinder- und Jugendbücherei und die Zentralbibliothek wieder zur Ausleihe zu öffnen.

Kassel - Arvid Wendler aus Kassel wünscht sich nichts sehnlicher, als dass die Donnerstage wieder sind wie früher. Wie vor Corona. Denn bis zur Schließung vor vier Monaten ist der Achtjährige fast jeden Donnerstag in die Kinder- und Jugendbücherei an der Obersten Gasse gegangen, um sich dort mit neuem Lesestoff einzudecken. Weil er nicht länger warten möchte, hat er Oberbürgermeister Christian Geselle einen Brief geschrieben und ihm um die Wiedereröffnung der Ausleihe gebeten. Und in der Tat tut sich nun etwas.

Ab 8. März soll es in der Kinder- und Jugendbücherei und in der Zentralbibliothek wieder möglich sein, kontaktlos Bücher auszuleihen. Die entsprechenden Vorbereitungen für den Bestell- und Abholservice liefen bereits, teilt ein Rathaussprecher auf HNA-Anfrage mit. Weil es diese Möglichkeit auch während des ersten Lockdowns gegeben hatte, war der Waldorfschüler Arvid auch so unzufrieden mit der aktuellen Situation.

„Ich mag Geschichten über Forscher, Seefahrer, Entdecker und Detektivgeschichten. Und ich bin traurig, dass es gerade nicht möglich ist, diese auszuleihen“, erzählt der Schüler der dritten Klasse. Eine Weile habe er sich damit beholfen, Bücher im Freundeskreis auszutauschen. Auch sein Taschengeld spare er für Bücher, aber nun brauche er dringend weiteren neuen Lesestoff.

Sein Vater Daniel Wendler hatte deshalb zum Hörer gegriffen, um sich bei der Stadt nach der Wiedereröffnung zu erkundigen. Dort habe er aber nur die Auskunft bekommen, dass das Personal der Bibliotheken derzeit zur Pandemiebekämpfung eingesetzt sei. Deshalb sei eine Wiedereröffnung aktuell nicht möglich. „Es fehlt den lesebegeisterten Kindern ein Stück Lebensqualität“, findet der Vater.

Arvid griff anschließend zu Stift und Papier und schrieb dem Oberbürgermeister – ganz ohne Hilfe wie seine Eltern beteuern – einen Brief. Darin bat er Geselle, den für ihn „wichtigsten Ort der Stadt“ wieder zu eröffnen. Am vergangenen Freitag warf er ihn ein.

Eigentlich wollte Arvid weitere Kinder motivieren, ebenfalls einen Brief zu schreiben. Dies ist aber nicht mehr nötig, weil die Stadt plant, die Ausleihe ab 8. März wieder zu ermöglichen. Die Entscheidung sei unabhängig vom Brief gefallen, so die Stadt. (Bastian Ludwig)

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