Bürger diskutierten mit Experten und Stadtbaurat

Verkehrskollaps oder mehr Ruhe und Sicherheit? Pläne für Tempo 30 spalten

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Er steckt hinter den Vorschlägen zur Verkehrsentwicklung: Verkehrsplaner Dr. Michael Frehn aus Dortmund.

Kassel. Die einen fürchten den Verkehrskollaps, die anderen freuen sich über mehr Ruhe und Sicherheit: Die Vorschläge des Verkehrsentwicklungsplanes 2030 sorgen für ganz unterschiedliche Reaktionen unter Kasselern.

Vor allem die angedachten Tempo-30-Limits auf einigen Kasseler Hauptverkehrsstraßen (Holländischer, Frankfurter, Wolfhager Straße) sind umstritten. Dies wurde auch am Dienstagabend auf dem Bürgerforum zur Verkehrsentwicklung im Ständehaus deutlich.

Vor gut 100 Kasselern stellte sich der Mann vor, der hinter den Vorschlägen steht: Der Dortmunder Verkehrsplaner Dr. Michael Frehn präsentierte die Pläne seines Büros Planersocietät, das von der Stadt Kassel zur Entwicklung des Verkehrskonzeptes beauftragt worden war.

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) äußerte sich zu den Zielen seiner Verkehrsvision: Weniger Lärm und mehr Sicherheit. Nolda versuchte die Emotionen aus der Debatte herauszunehmen und bemerkte, dass es sich noch um „Vorschläge“ handele.

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Emotionen kamen dann aber dennoch auf, als die Teilnehmer des Bürgerforums mit den Planern in die Diskussion kamen. Während die Vorschläge zum Ausbau des Rad-, Fuß- und Nahverkehrs eher unstrittig waren, prallten beim Thema Autoverkehr zwei Lager aufeinander. Der Geschäftsmann Reiner Maurer (Radio Maurer) machte sich Luft: „Jedes Jahr brauchen Autofahrer länger, um durch die Stadt zu kommen.“ Mit Tempo 30 werde sich diese Tendenz fortsetzen. Für die Menschen aus dem Umland werde es zunehmend unattraktiv in die Stadt zu kommen.

Kerstin Saric, Ortsvorsteherin der Südstadt, hielt dagegen: Sie forderte, Tempo 30 auf der Frankfurter Straße zu testen. So kämen die Anwohner sicherer über die Hauptstraße, auf der es zu wenige Fußgängerüberwege gebe.

Ein anderer Bewohner der Südstadt hält dies für falsch. Dadurch werde nur der Schleichverkehr auf der Menzelstraße zunehmen. Auch Verkehrsplaner Frehn sieht die Gefahr, dass Autofahrer wegen der Tempo-30-Limits auf Nebenstrecken ausweichen. Deshalb solle die Begrenzung nur auf einzelnen Abschnitten gelten. Wegen der Vorbehalte sei es sinnvoll, zunächst nur auf zwei oder drei Hauptstraßen-Abschnitten Tempo 30 auszuprobieren.

Klaus-Peter Hahn aus Kassel forderte eine intelligente Ampelsteuerung, damit der Verkehr schneller durch die Stadt komme. Mit dieser Forderung war er nicht alleine.

Zweifel an Lärmreduktion 

Dr. Rabani Alekuzei (SPD-Fraktion) äußerte Zweifel daran, dass durch Tempo 30 der Verkehrslärm spürbar abnehme. „Wenn sie in den zweiten Gang schalten, haben Sie höhere Drehzahlen.“ Verkehrsplaner Frehn berief sich auf Studien, nach denen sich der Lärm um durchschnittlich drei Dezibel verringrt. Von Menschen werde dies wie eine Halbierung der Verkehrsmenge wahrgenommen.

Von Bastian Ludwig

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