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Kassels Freibäder: Mehr als 500 bei Bürgerversammlung

Kassel. Manchem mag es wie eine Farce vorgekommen sein: Am Donnerstagabend verkündete der Magistrat auf der Bürgerversammlung vor 500 Kasselern, warum bislang kein Geld für eine Sanierung der maroden Freibäder in Wilhelmshöhe und Harleshausen bereitsteht. Dabei haben sich die Fraktionen von SPD und Grünen nach HNA-Informationen bereits intern auf ein Konzept zum Erhalt beider Bäder geeinigt.

Es war fast wie im Freibad bei hochsommerlichen Temperaturen: Nach und nach wurde es rappelvoll, und die ersten Besucher hatten die besten Plätze zwar nicht mit Handtüchern, aber mit Jacken frühzeitig blockiert. Zur Bürgerversammlung zur Zukunft der Freibäder in Bad Wilhelmshöhe und Harleshausen kamen am Donnerstagabend über 500 interessierte Kasseler ins Philipp-Scheidemann-Haus. Weil die Stühle nicht ausreichten, mussten etliche Zuschauer stehen oder sie setzten sich auf den Boden.

Hier das komplette Video der Versammlung

Der Großteil im Saal hatte auf der Bürgerversammlung, die über dreieinhalb Stunden dauern sollte, nur ein Ziel: Für die Bäder zu kämpfen. Stadtkämmerer Jürgen Barthel (SPD), auf Kassels Finanzen bedacht, hatte einen schweren Stand: Er wurde schon bei der Begrüßung ausgebuht und seine Erklärung, dass für die Freibäder keine neue Schulden gemacht werden dürften, wollte auch fast niemand hören.

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Immer wieder verwies Barthel auf den jährlichen Kreditrahmen von 16,25 Mio. Euro, den das Regierungspräsidium für Kassel festgelegt hatte.

Die ersten zwei Stunden war es eine reine Vortragsveranstaltung, ohne echte Bürgerbeteiligung: Die Fördervereine demonstrierten noch einmal ihre Vorschläge zur Rettung der Bäder und die Initiative Junge Kultur Kassel stellte ihr Konzept für eine ganzjährige, kulturelle Nutzung des Bades Wilhelmshöhe vor.

Als Städtische-Werke-Chef Norbert Witte gerade unterschiedliche Sanierungspläne präsentieren sollte, musste er vom Podium eilen. Er hatte mit seinem Auto eine Ausfahrt blockiert – ein Notarzt kam nicht durch. Gelächter im Saal. Witte entschuldigte sich für das Versehen. Inhaltlich machte Witte noch einmal deutlich, dass er persönlich einen Neubau der Bäder favorisiere. Eine Sanierung sei mit zu vielen Risiken beim Bau verbunden.

Als schließlich die Zuschauer mit ihren Fragen an der Reihe waren, wurde deutlich, dass diese sich insbesondere für das Bad in Wilhelmshöhe etwas anderes wünschen: Den weitestgehenden Erhalt der historischen Substanz.

Bürgerversammlung: Debatte über Kassels Freibäder

Immer wieder wurde an den Magistrat die Kritik gerichtet, dass er bei der Gestaltung des Haushaltes die falschen Prioritäten gesetzt habe. Statt acht Mio. Euro in die Freibäder zu investieren, werde das Geld in die Grimm-Welt, das Stadtmuseum, den Flughafen Kassel-Calden und die Entwicklung des Langen Feldes gesteckt.

Barthel und Oberbürgermeister Bertram Hilgen machten klar, dass sie all diese Projekte für wichtig halten. Man dürfe diese Projekte nicht gegeneinander ausspielen.

Rubriklistenbild: © L. Koch

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