Kasseler Ärzte verlangen höhere Honorare

Kassel. Das Maß ist für viele Ärzte voll. Die Krankenkassen haben lediglich einer Anhebung der Honorare um 0,9 Prozent zugestimmt. Die Ärzte fordern elf Prozent. Angesichts der Inflationsrate sei das bisherige Angebot de facto eine Minusrunde.

„Das bringt das Fass zum Überlaufen“, sagt auch der Kasseler Allgemeinmediziner Dr. Stefan Pollmächer, Vorstand der Kasseler Ärztegenossenschaft Doxs. Auch sein Kollege Dr. Uwe Popert sagt: „Es geht nicht darum, dass wir mehr haben wollen.“ Es könne aber nicht sein, dass angesichts steigender Kosten weniger bleibe. Zumal auch die Arbeitsbelastung stetig gestiegen sei – vor allem durch einen hohen Bürokratieaufwand. Popert, der Vorsitzender des nordhessischen Ärztenetzes GNN ist, ruft deshalb seine Kollegen dazu auf, ab kommender Woche überflüssige Bürokratie zu boykottieren. Einen Streik mit Praxisschließungen lehnt er hingegen ab.

Gegenüber den Krankenkassen aber will Popert ab Montag ein Zeichen setzten und keine Bonushefte mehr abstempeln sowie unnötige Kassenanfragen nicht mehr beantworten. Häufig werde etwa nach Gründen für die Krankschreibung von Patienten gefragt - das sei aber bereits auf der Krankmeldung vermerkt, die den Kassen vorliege. „Das ist völlig nervig.“

Im Zuge des geplanten Protests sei es auch denkbar, Patienten zur Zahlung der Praxisgebühr in die Außenstelle ihrer Krankenkasse zu schicken, sagt Stefan Pollmächer. Das Geld fließe schließlich an die Kassen, die Bürokratie bleibe aber an den Praxen hängen. „Wir sind an der Grenze unserer Leistungsfähigkeit“.

Etwa 50 bis 60 Stunden arbeite er pro Woche, sagt der . Sein Einkommen entspreche dem Durchschnitt in seiner Berufsgruppe, etwa 5200 Euro vor Steuern. Dafür behandelt er etwa 900 Patienten pro Quartal. Honoriert werden pro Kopf 38 Euro - egal wie oft der Patient in die Sprechstunde kommt.

Die festen Sätze seien zu knapp bemessen, sagen die Ärztevertreter. Bei Orthopäden liegt die Pauschale bei 26 Euro. Die meisten Patienten kämen aber zwei bis viermal im Quartal, manche öfter, sagt der Kasseler Orthopäde Dr. Gerd Rauch, der nach eigenen Angaben 60 bis 65 Stunden pro Woche arbeitet. Er hält Protestaktionen vor allem für nötig, um zu informieren. „Damit den Leuten klar wird, dass wir keine überzogenen Forderungen haben.“ Die Kosten für Praxispersonal, Verbandsstoffe, Energie, EDV – all das sei gestiegen. Nicht aber die Honorare. Als Selbstständige müssten Ärzte ihre Praxen wirtschaftlich betrieben. „Einerseits soll es laufen, andererseits werden wir reglementiert.“

Von Katja Rudolph

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.