Das ist ihr Lebensweg

Aus Bulgaren wurden Kasseler: Brüder sind Beispiel für gelungene Integration

Hat sich in der Altenpflege spezialisiert: Der Kasseler Stefan Kundelov leitet das Awo-Altenzentrum in Spangenberg (Schwalm-Eder-Kreis). Neben ihm sitzen die Bewohnerinnen Marie Meiler (links) und Martha Pfeiffer. Archivbilder: Brandau, privat

Kassel. Seit Anfang des Jahres gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bulgaren und Rumänen. Damit sind hierzulande etliche Vorurteile verbunden. Mancher befürchtet eine Welle unqualifizierter Armutszuwanderer. Wir stellen ein Positivbeispiel aus Kassel vor.

Sie stammen aus Bulgarien, sind hoch qualifiziert und nennen Kassel ihre Heimat: Die Brüder Stefan (39) und Dimitar Kundelov (35) passen nicht ins Klischee, das mancher von osteuropäischen Zuwanderern hat. Sie kamen zu einer Zeit nach Kassel, als es noch weitaus schwerer war, sich als Bulgare in Deutschland eine Existenz aufzubauen.

Stefan Kundelov kam 1997 nach Kassel, um an der damaligen Gesamthochschule Sozialpädagogik zu studieren. „Ich war damals auf mich allein gestellt und konnte die Sprache nicht so gut“, erinnert er sich. Also musste er zunächst ein Jahr lang einen Sprachkurs besuchen, damit er das Studium beginnen durfte.

Seit 1997 in Kassel: Stefan Kundelov.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich neben dem Studium. „Meine Eltern konnten mir kein Geld schicken, also suchte ich mir Nebenjobs: Bei McDonald’s, auf dem Bau, als Hausmeister und im Altenheim.“ Aber auch das war kompliziert. Denn er hatte zunächst eine befristete Aufenthaltsgenehmigung zum Zweck des Studiums. „Das heißt, ich durfte nur in den Semesterferien arbeiten. Ich habe also die ganzen Ferien durchgeackert, damit das Geld für das nächste Semester reichte.“ Gleichzeitig musste er nachweisen, dass er dabei keinem Deutschen den Job wegnimmt.

„Ich brauchte sogar Freunde, die sich dafür verbürgten, mich zu unterstützen, falls ich finanzielle Probleme bekommen würde.“ Die Unterstützung war aber nie nötig.

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Trotz der Hindernisse fühlte sich der heute 39-Jährige schon damals willkommen. „Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt und Freunde gefunden. Ich hatte nie Schwierigkeiten, hier anzukommen.“

2001 kam auch sein Bruder Dimitar nach Kassel und studierte ebenfalls Sozialpädagogik. Stefan Kundelov hängte noch ein Master-Studium für Sozialmanagement dran. Heute leitet er eine Awo-Altenpflegeeinrichtung im Schwalm-Eder-Kreis. Sein Bruder ist beim Jugendamt der Stadt Kassel beschäftigt.

Kam 2001 nach Kassel: Dimitar Kundelov.

2009 erhielt der ältere Bruder die deutsche Staatsbürgerschaft. Der jüngere hat sie beantragt. „Als wir nicht mehr jährlich zur Ausländerbehörde mussten, hat unsere Sachbearbeiterin gesagt: Ey Jungs, euch werde ich vermissen“, erzählt Stefan Kundelov.

Die beiden Brüder hatten nie den Gedanken, wieder zurück in ihre Heimat zu gehen. Ihre Familie besuchen sie im Urlaub. „Ich habe auch Bulgaren erlebt, die es in Deutschland nicht geschafft haben. Das Beherrschen der Sprache, das soziale Umfeld und eine Aufgabe zu haben, sind entscheidend, um irgendwo heimisch zu werden“, erzählt der 39-Jährige.

Mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit hofften nun einige Bulgaren auf ein besseres Leben in Deutschland. „Ich habe gelernt, dass dafür Fleiß und viel Arbeit nötig sind“, sagt Stefan Kundelov. Sprachkenntnisse und eine Qualifikation seien der Schlüssel.

Von Bastian Ludwig

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