Junge Leute entdecken Deutschlands erste Fußgängerzone neu

Die Treppenstraße in Kassel ist wieder hip

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Bummeln, entspannen, essen, trinken, Freunde treffen in Kassel: Bei gutem Wetter sitzen die Kasseler gerne in den Außenbereichen der Gastronomie auf einer der Treppenstraßen-Terrassen. So wie ursprünglich, vor über 50 Jahren, geplant. Hier sind es Gäste der Lounge-Sisha-Bar Scalis.

Kassel. Junge Leute haben den Retro-Chic der Treppenstraße für sich entdeckt. Wiederentdeckt - muss man sagen - denn es gab Zeiten, in denen es um ihren Ruf nicht so gut stand.

„Ich bin Feuer und Flamme für die Treppenstraße. Sie ist ein Träumchen für den Einzelhandel.“ Geschäftsinhaber Sebastian Hahne macht aus seiner Begeisterung für die Straße zwischen Friedrichsplatz und Scheidemannplatz keinen Hehl. Vor drei Jahren hat er hier seinen Laden „Glücksgriff“ eröffnet. Ein vor allem junges Publikum stöbert in dem Konzept-Store nach „schönen Sachen“ von Taschen über Schmuck bis Papeterie. Vor wenigen Wochen eröffnete Hahne gegenüber sein zweites Geschäft „Glücksgriff @ home“ mit Deko- und Einrichtungsartikeln.

Erste Fußgängerzone Deutschlands in Kassel

Leise, fast unbemerkt erlebt die Treppenstraße gerade ein Revival und eine Frischzellenkur. Die Meile, die die City mit dem Hauptbahnhof verbindet, und die in den 1950er-Jahren als erste Fußgängerzone Deutschlands Furore machte, ist in diesem Sommer zum Ausgehtreff und zur pulsierenden Verkehrsader für Fußgänger avanciert. Sogar ohne Verstärkung durch documenta-Gäste.

Aufenthaltsqualität: Das Café Paulus eröffnete 1956 an der Treppenstraße. 1966 zog es in einen Neubau auf den Friedrichsplatz (heute Café Alex).   

Junge Leute und Nachtschwärmer haben den Retro-Chic der Treppenstraße für sich entdeckt. Wiederentdeckt, muss man sagen, denn es gab Zeiten, in denen es um ihren Ruf nicht gut stand. „Die Treppenstraße leidet unter häufigen Geschäftswechseln“ titelte die HNA vor sieben Jahren. Als Grund für das Abseits, in das die Straße geraten war, waren die Verlegung des Fernverkehrbahnhofs nach Wilhelmshöhe, der Rückgang der Fachgeschäfte und die Konzentration des filialisierten Einzelhandels auf der Königsstraße ausgemacht.

Diese Zeiten sind vorbei. „In den letzten drei Jahren hat sich hier unheimlich viel getan“, sagt Hahne. Es gebe einen belebenden Mix an großen sowie kleinen Geschäften – auch in der angrenzenden Wolfsschlucht. Er höre von vielen Kunden, die überrascht feststellten, dass man hier sogar wieder einen Schaufensterbummel machen könne.

Promi: Bundeskanzler Ludwig Erhard (1897-1977, rechts), flanierte am 10. Oktober 1964 über die Treppenstraße. Bildmitte der Kasseler CDU-Bundestagsabgeordnete Lothar Haase.

Seit sieben Jahren Fuß gefasst hat der Skateshop und Streetware-Laden Titus. Die Straße sei „hip“ finden René Graf und Marvin Tobias, die hier im Laden stehen, der vor allem junge Kunden anzieht.

Zur Belebung beigetragen habe auch der neue Anwohner, das „Haus für Sozialwirtshaft“, so Hahne. Seit Jahresbeginn residiert hier die frequentierte Adresse des AKGG und Paritätischen Nordhessen. Passend zum neuen Treppenstraßen-Selbstbewusstsein firmiert sie unter dem frischen Namen „Treppe 4“.

Gastronomie in der Treppenstraße Kassel

Besonders sichtbar wird die Veränderung der Straße beim Blick auf die belebten 1950er-Jahre-Terrassen, wo die anliegende Gastronomie eine große Speisen- und Getränke-Vielfalt serviert. Hier können im Schatten ausladender Kirschbäume internationale Leckerbissen verspeist werden: aus der ayurvedisch-veganen Küche des indischen Restaurants Namaste über italienische Spezialitäten aus La nueva cucina oder der Pizzeria Bologna bis hin zu Speisen aus dem Stadtcafé am Fuße der Treppenstraße.

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