Bundestagskandidaten im Porträt: Boris Mijatovic (Die Grünen)

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Mehr als nur ein Fußballspiel: Boris Mijatovic engagiert sich beim Verein „Streetbolzer“, der Turniere für Jugendliche organisiert, aber auch weitere Aktivitäten anbietet.

Kassel. Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir stellen die Kandidaten im Wahlkreis 168 vor. Boris Mijatovic geht für die Grünen ins Rennen.

„Rechts, rechts, rechts“, ruft Boris Mijatovic seinem Mitspieler zu. Mit seiner politischen Ausrichtung hat dies absolut gar nichts zu tun. Der 43-jährige Direktkandidat der Kasseler Grünen kümmert sich in seiner Freizeit um Jugendliche, die in dem Verein „Streetbolzer“ kicken. Und manchmal steht Mijatovic selbst mit auf dem Platz, so wie jetzt bei einem Turnier in Baunatal, wo fünf Teams beim um drei Pokale gespielt haben.

„Wir machen aufsuchende Sozialarbeit“, sagt Mijatovic, der sich zusammen mit Sozialarbeitern und Studenten bei den „Streetbolzern“ engagiert. Jugendliche, fast ausschließlich Jungs zwischen 16 und 18 aus Kassel und umliegenden Gemeinden treffen sich ein- bis zwei Mal im Monat zum Kicken. Mittlerweile macht auch eine Flüchtlingsmannschaft mit. Es gehe auch darum, die Jugendliche über ihre „Stadtteilgrenzen“ zu bringen.

Bei uns geht es um das Spielen, nicht um Taktik und Konditionstraining“, sagt Mijatovic. Allerdings gibt es klare Regeln: Grätschen und Schubsen sind verboten, vor und nach dem Spiel schütteln sich die Spieler der gegnerischen Teams die Hand. Zudem wird den Jugendlichen abseits des Spielfelds angeboten, zum Beispiel Fotoausstellungen auf die Beine zu stellen, T-Shirts mit ihrem eigenen Wappen zu drucken oder ein Rap-Video zu drehen. „Chancen, die man braucht, um Tore zu schießen, braucht man auch im Leben“, sagt der 43-Jährige, der sich auch seit Jahren dafür eingesetzt hat, dass der KSV Hessen Kassel ein Fanprojekt bekommen hat. Bei den Spielen der Löwen ist er oft in der Nordkurve des Auestadions zu sehen.

Mijatovic schätzt beim Fußball, dass sich die Gegner nach dem Spiel die Hände geben. Das sei in der Politik nicht mehr mit allen Mitbewerbern möglich. „Ich werde niemandem von der AfD die Hand schütteln“, sagt der Grüne. Seiner Ansicht nach verlassen AfD-Politiker regelmäßig die Basis des Grundgesetzes, um Grenzen auszutesten.

Boris Mijatovic findet, dass der Wahlkampf härter geworden ist

Der Wahlkampf sei rauer geworden, sagt Mijatovic. „Wir Grünen werden als Ausländerfreunde und Kinderficker angemacht, wenn wir Plakate aufstellen.“ Durch seine dunklen Haare und seinen Namen (sein Vater kommt aus Jugoslawien, seine Mutter aus dem Stadtteil Fasanenhof) werde er oft diskriminiert.

Mijatovic kam 1974 in den Städtischen Kliniken zur Welt. Als er kürzlich bei seiner Bank 4000 Euro für einen Autokauf wechseln wollte, sei er der Geldwäsche verdächtigt worden.

Bei den Spielen der „Streetbolzer“ scheint es solche Vorurteile nicht zu geben. Etwa die Hälfte hat einen Migrationshintergrund. „Der Anteil in dieser Altersgruppe ist genauso groß wie in unserer Gesellschaft. Das ist Alltag“, sagt Mijatovic. Manchmal schießt Mijatovic aufs Tor, manchmal verhindert er auch eins, wenn er auf dem Spielfeld steht. So wie diese Woche mit den „Spaßkickern“. Dann sieht er zwar verschwitzt, aber auch glücklich aus.

Zehn kurze Fragen an Boris Mijatovic

  • Jeans oder Stoffhose? Jeans 
  • Meer oder Berge? Meer 
  • Facebook oder Twitter? Facebook 
  • Bier oder Wein? Bier 
  • Fußball oder Formel 1? Fußball 
  • Hotel oder Zelt? Hotel 
  • Mercedes oder BMW? Mercedes
  • Rock oder Pop? Rock 
  • Ahle Wurscht oder Weckewerk? Ahle Wurscht 
  • Aufzug oder Treppe? Treppe

Zur Person: Boris Mijatovic ist gebürtiger Kasseler

Boris Mijatovic (43) tritt im Wahlkreis Kassel an. Er wurde in Kassel geboren und wuchs in Niederzwehren und Süsterfeld-Helleböhn auf. Nach dem Abitur an der Jacob-Grimm-Schule studierte er Politikwissenschaften an der Uni Kassel mit Magisterabschluss. Anschließend war er unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Kassel, machte ein Praktikum beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und war Pressesprecher der Caricatura. Von 2009 bis 2010 war er Fraktionsgeschäftsführer der grünen Rathausfraktion, seit 2011 ist er Referent der Bundestagsabgeordneten Nicole Maisch. Mijatovic lebt mit seiner Lebensgefährtin im Vorderen Westen.

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