Bundestagskandidaten im Porträt: Susanne Holbein (Bürgerkomitee)

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Aufnahme im Freien Radio: Susanne Holbein arbeitet als Medienpädagogin und macht beim Flüsterprojekt des documenta-Künstlers Pope L. mit.

Kassel. Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir stellen die Kandidaten im Wahlkreis 168 vor. Susanne Holbein tritt für die Partei Bürgerkomitee an.

Sie ist Hobbyimkerin, kümmert sich um ihre Hühner, töpfert, ist eigentlich Architektin und arbeitet seit 15 Jahren als Medienpädagogin. Verabredet haben wir uns mit Susanne Holbein (46) im Tonstudio des Freien Radios an der Opernstraße. Hier, nur wenige Meter vom zentralen documenta-Ort Friedrichsplatz entfernt, flüstert sie für die Kunst ins Mikrofon. Für Pope L., um es genauer zu sagen. Dessen Flüsterkunst ist an vielen Stellen in der Stadt zu hören, auch im Bürgerfunk des Freien Radios mit der Stimme von Susanne Holbein.

„Ich bin sehr umtriebig“, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Das ist fast schon untertrieben, denn neben all ihren anderen Aktivitäten tritt Susanne Holbein jetzt bei der Bundestagswahl an. Wo bei anderen in Klammern eine Partei steht, geht sie für eine lockere Gruppierung mit dem Namen Bürgerkomitee an den Start. Von diesen Komitees gibt es bundesweit um die 90, die Kasseler Gruppe bestand bei der Gründung im vergangenen Jahr aus 15 Leuten. Die neue Initiative hatte sich die „freundliche Übernahme des Bundestags“ vorgenommen.

Susanne Holbein ist gegen den Einfluss von Lobbygruppen

Susanne Holbein hat bislang keine Erfahrung in der klassischen politischen Arbeit. Keine der etablierten Parteien habe sie überzeugt. „Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass Politik wichtig ist“, sagt sie. Und meint damit eine Politik ohne Fraktionszwang, innerparteiliche Querelen und vor allem ohne den Einfluss von Lobbygruppen. Derzeit sieht sie einen viel zu großen Einfluss der Wirtschaft auf die Politik. Stattdessen müsse das Wohl der Bürger im Mittelpunkt der Anstrengungen stehen. Bessere Bildung, soziale Gerechtigkeit als Voraussetzung für sozialen Frieden, Chancengleichheit, gerechtere Steuern und Löhne sowie den Schutz der Umwelt sieht sie als zentrale Aufgaben an.

Warum das die anderen Parteien ihrer Meinung nach nicht hinbekommen? „Wir brauchen mehr Bürgerbeteiligung, dafür müssten noch nicht einmal die Gesetze geändert werden“, sagt Susanne Holbein. Was sie besonders stört, sind die zahlreichen Lobbyisten, die Zugang zum Bundestag hätten. Deren Hausausweise – davon gebe es jede Menge, von denen die Öffentlichkeit nichts wisse – müssten eingezogen werden. Mehr Transparenz fordert sie auch für die Nebeneinkünfte der Abgeordneten.

Sagt es und könnte sich jetzt eigentlich wieder auf ihren Flüstertext für die documenta konzentrieren. Ein Thema hat sie aber noch. Gegen die geplanten Liniennetzreform der KVG habe sie sich engagiert. Die überarbeitete Version gefalle ihr auch nicht. Das wolle sie deutlich sagen, das sei ihr konkreter Beitrag zur Politik vor Ort.

Zehn kurze Fragen an Susanne Holbein

  • Jeans oder Stoffhose? Stoffhose. 
  • Meer oder Berge? Berge. 
  • Facebook oder Twitter? Twitter. 
  • Bier oder Wein? Apfelschorle. 
  • Fußball oder Formel 1? Fußball. 
  • Hotel oder Zelt? Zelt. 
  • Mercedes oder BMW? Fahrrad. 
  • Rock oder Pop? Pop. 
  • Ahle Wurscht oder Weckewerk? Ahle Wurscht. 
  • Aufzug oder Treppe? Treppe.

Zur Person: Susanne Holbein ist Medienpädagogin

Susanne Holbein (46) tritt im Wahlkreis Kassel an. Sie ist in Illertissen (Bayern) geboren, hat Bauzeichnerin gelernt und in Kassel Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung studiert. Aus einer vor Jahren beendeten Beziehung hat sie einen Sohn (21) und eine Tochter (20). Beim Freien Radio Kassel hat sie erste Erfahrungen am Mikrofon gesammelt und vor 15 Jahren mit ihrem Kinderradio gleich einen Preis gewonnen. Nach einem Praktikum beim SWR qualifizierte sie sich als Medienpädagogin und macht regelmäßig Projekte mit Schulklassen. Auch an den Audioguides des Museumslandschaft Hessen Kassel für Schloss Wilhelmshöhe mit dem Bergpark sowie die Orangerie war sie beteiligt. (tos)

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