Bundestagskandidaten im Porträt: Robin Geddert (Piratenpartei)

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Weiß, wie es an der Kletterwand nach oben geht: Robin Geddert, der Kasseler Direktkandidat der Piratenpartei. 

Kassel. Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir stellen die Kandidaten im Wahlkreis 168 vor. Robin Geddert tritt für die Piratenpartei an.

Das Klettern hilft Robin Geddert, Probleme zu lösen. „Deine Gedanken drehen sich nur um den nächsten Tritt, du bist total fokussiert, dein Kopf ist völlig frei“, sagt der 37-jährige Familienvater aus Vellmar. Danach sehe er die Dinge häufig klarer, berufliche, private, politische.

Geddert, der am 24. September als Direktkandidat für die Piratenpartei zur Bundestagswahl antritt, geht es beim Klettern eigentlich um das Naturerlebnis. Der Scharfenstein in Gudensberg ist hierfür einer seiner Lieblingsorte.

Als wir uns mit ihm verabreden, macht uns allerdings das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Da ist es gut, dass sich Geddert, Mitglied im Deutschen Alpenverein (DAV), auch in der Kletterhalle in Bad Wilhelmshöhe bestens auskennt.

Robin Geddert arbeitet in der Getränkeindustrie

Bei dem Sport gehe es um das Ankommen am Gipfel, sagt der der Servicetechniker im Außendienst der Firma Miho in Ahnatal. Der beste Weg dorthin sei häufig nicht der einfachste. Parallelen sieht er zu seiner Arbeit in der Getränkeindustrie: „Wenn eine Maschine nicht läuft, muss ich dafür eine Lösung finden. ‘Geht nicht’ gibt’s nicht.“ Diesen pragmatischen Ansatz wünscht er sich auch für politische Probleme. „Wenn jemand in der Politik einen Bock geschossen hat, fordern alle seinen Rücktritt. Wäre es nicht besser, ihn die Suppe selbst auslöffeln zulassen?“

Zur Politik kam Geddert erst 2011. „Stell dir vor, du wirst gefragt!“, las er damals auf einem Wahlplakat der Piraten. Das war ein Jahr, bevor die Partei ihr Allzeithoch von bundesweit zwölf Prozent erreichte. Geddert gefiel die Idee, Bürger stärker in politische Entscheidungen einzubeziehen. „Den meisten Politikern ist doch egal, was die Leute wollen“, kritisiert er. „Wir wollen, dass Entscheidungen von Leuten getroffen werden, die sie betreffen.“

Trotzdem sieht Geddert Volksentscheide auch kritisch: „Kein Mensch liest Wahlprogramme, kein Mensch liest AGBs – es brauch Leute, die die Inhalte auf verschiedene Weisen filtern.“

Ein solcher möchte Geddert sein und den Menschen erklären, dass das Steckenpferd der Piratenpartei, die Netzpolitik, mittlerweile so gut wie jeden Lebensbereich durchdrungen hat.

„Wir leben in einer digitalisierten Welt, egal ob es um Sicherheit, Ernährung, Familie, Partnerschaft, oder den Beruf geht.“

Die Prognosen für die Piraten sehen mäßig aus. Das liegt auch daran, dass viele ihrer Protestwähler zur AfD abgewandert sind. „Wer von uns zur AfD geht, hat nicht verstanden, worum es bei uns geht – aber das hat uns auch gezeigt, dass wir unsere Standpunkte noch besser öffentlich vertreten müssen“, sagt Geddert. Dann bindet er den Sicherungsknoten, befestigt ihn am Gurt und schwingt sich wieder an die Wand.

Bleibt noch die Frage, wann es für die Piraten an der Zeit sei, die nautische Terminologie beiseitezulegen. „Bei absoluter Flaute.“ Da ist er schon auf dem Weg nach oben.

Zehn kurze Fragen an Robin Geddert

  • Jeans oder Stoffhose? Jeans. 
  • Meer oder Berge? Berge. 
  • Facebook oder Twitter? Twitter. 
  • Bier oder Wein? Bier. 
  • Fußball oder Formel 1? Fußball. 
  • Hotel oder Zelt? Zelt. 
  • Mercedes oder BMW? Mercedes. 
  • Rock oder Pop? Pop. 
  • Ahle Wurscht oder Weckewerk? Ahle Wurscht. 
  • Aufzug oder Treppe? Aufzug.

Zur Person: Robin Geddert ist ausgebildeter Elektroniker

Robin Geddert (38) tritt im Wahlkreis Kassel an. Er wuchs in Wilhelmshöhe auf. Nach der Fachhochschulreife an der dortigen Waldorfschule machte er eine Ausbildung zum Elektroniker und arbeitete anschließend in der Endprüfung bei B. Braun Biotech in Melsungen. Nach einem einjährigen Abstecher an die Uni, wo er Informatik studierte, zog es Geddert wieder in die Praxis. Er stieg bei Miho Inspektionssysteme in Ahnatal ein, wo er seither als Servicetechniker im Außendienst in der Getränkeindustrie arbeitet. 2011 trat er der Piratenpartei bei, wurde 2013 zum Vorsitzenden des Kasseler Kreisverbandes gewählt und bekleidet dieses Amt derzeit stellvertretend. Geddert ist verheiratet und hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Er lebt mit seiner Familie in Vellmar.

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