Bundestagskandidaten im Porträt: Torsten Felstehausen (Linke)

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Mit Regenschirm auf der Drahtbrücke am Kasseler Fuldaufer: Kandidat Torsten Felstehausen (Die Linke) ist die freie Kulturszene ein besonderes Anliegen. Als gelungenes Beispiel bezeichnet er das Kurbad Jungborn. 

Kassel. Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir stellen die Kandidaten im Wahlkreis 168 vor. Torsten Felstehausen von den Linken möchte ins deutsche Parlament einziehen.

Die Kultur hilft ihm, sich zu entspannen und neue Kraft zu tanken. „Wenn ich Zeit habe, genieße ich das vielfältige Kulturangebot in Kassel – von kleinen Bühnen bis zum Staatstheater“, sagt Torsten Felstehausen. In Gewerkschaft und Kommunalpolitik engagiert sich der 52-jährige Kaufunger seit Jahren. Für seine Partei, Die Linke, tritt er nun erstmals als Direktkandidat zur Bundestagswahl an.

Kultur ist ihm auch ein politisches Anliegen. Felstehausen hat dabei vor allem die freie Szene und die Quartiere im Auge, die in Kassel nicht gerade als Kulturschwerpunkte bekannt sind. Bei einer „Kultur-Tour“ durch die Stadt machen wir Station am Sandershaus in Bettenhausen. Dort gebe es seit kurzer Zeit ein Hostel, jetzt erst habe das erste Konzert stattgefunden, berichtet Felstehausen. Er lobt diese gute Initiative und die engagierten Betreiber.

Torsten Felstehausen will das Kulturangebot in Kassel stärken

Schräg gegenüber an der Sandershäuser Straße der krasse Gegensatz: die Kulturfabrik Salzmann. Unter ihrem Dach seien früher viele Kulturschaffende vereint gewesen. Nach Verkauf und Schließung stehe die Zukunft aber nach wie vor in den Sternen. Felstehausen bedauert das und ist überzeugt: „Die Stadt hätte das Gebäude kaufen müssen.“

Von der Drahtbrücke am Fuldaufer zeigt der Kandidat auf das Kurbad Jungborn mit Café und Museum, betrieben von einem Förderverein. Felstehausen sieht darin ein weiteres gelungenes Beispiel für kleine freie Kulturinitiativen, von denen es noch mehr geben müsse. Von der auf den Weg gebrachten Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt 2025 ist er hingegen weniger überzeugt. „Ich bin da skeptisch.“ Auf jeden Fall dürften davon nicht nur große Einrichtungen profitieren.

Bei Ver.di ist der 52-Jährige als Berater für Betriebs- und Personalräte viel in der Republik unterwegs. Digitalisierung, Arbeit 4.0 und betrieblicher Gesundheitsschutz sind seine Themen. Bei den Themen, auf die er im Wahlkampf angesprochen werde, gehe es oft um Rente, Erbschaftssteuer oder die Diesel-Affäre. „Also um das, was die Leute direkt betrifft.“ Ärgerlich sei, dass die SPD auf Bundesebene und im Wahlkreis versuche, alle Themen zu besetzen – vom sozialen Wohnungsbau bis zur Forderung nach weniger Rüstungsexporten. „Dabei hat die SPD als Teil der Großen Koalition seit zwölf Jahren in diesen Bereichen nichts gemacht.“

Dass sich in diesem Land grundlegend etwas ändern müsse, sei 2009 für ihn das Motiv für den Parteieintritt gewesen. Warum er jetzt für den Bundestag kandidiere, erklärt Felstehausen unter anderem so: „Der Reichtum wächst jeden Tag, aber er kommt nur Wenigen zugute. Die Welt ist aus den Fugen. Es liegt an uns, sie neu zu gestalten.“

Im Wahlkampf sieht sich der Direktkandidat als das „Gesicht“ zu den Forderungen seiner Partei. „Ich finde, das ist eine ganz spannende Herausforderung“, sagt Felstehausen zu seiner Kandidatur. Auf der Landesliste steht der Kaufunger nicht. Sein Wahlziel: zehn Prozent plus X.

Zehn kurze Fragen an Torsten Felstehausen

  • Jeans oder Stoffhose? Jeans. 
  • Meer oder Berge? Meer. 
  • Facebook oder Twitter? Facebook. 
  • Bier oder Wein? Bier. 
  • Fußball oder Formel 1? Fußball (St. Pauli). 
  • Hotel oder Zelt? Zelt. 
  • Mercedes oder BMW? BMW. 
  • Rock oder Pop? Rock. 
  • Ahle Wurscht oder Weckewerk? Ahle Wurscht. 
  • Aufzug oder Treppe? Zu oft Aufzug.

Zur Person: Torsten Felstehausen ist Bezirksvorstand bei Verdi

Torsten Felstehausen (52) tritt im Wahlkreis Kassel an. Er studierte Sozialpädagogik in Bremen und Lüneburg. 1993 zog es ihn als Stadtjugendpfleger nach Hessisch Lichtenau (Kreis Kassel), wo er von 2002 bis 2012 Personalratsvorsitzender war. Felstehausen gehört seit 2001 der Gewerkschaft Verdi an, seit 2014 ist er im Bezirksvorstand Nordhessen. 2009 trat er in die Partei Die Linke ein, ist seit 2012 ihr Sprecher im Kreis Kassel und seit 2015 im geschäftsführenden Landesvorstand. Seit 2013 ist er Gemeindevertreter in Kaufungen. 2012 kandidierte er für die Grünen zur Bürgermeisterwahl in Hessisch Lichtenau. Torsten Felstehausen ist beim Ver.di-Bildungswerk als Berater für Betriebs- und Personalräte tätig. Der gebürtige Bremer wohnt in Kaufungen, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Hobbys: Hund, Kultur und Drachenbootrennen.

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