Von Wahlmaschinen, Urnenträgern und einer Untoten

Rückblick auf den Wahlkampf in Kassel vor 52 Jahren: Das Duell der Lautsprecher

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Gewann bei der Bundestagswahl mehrfach das Direktmandat in Kassel: Der spätere Ministerpräsident Holger Börner mit seiner Frau Carola im Bundestagswahlkampf in Kassel.

Kassel. Auslöser für diesen Rückblick auf die Bundestagswahl im Jahr 1965 ist ein außergewöhnliches Foto von Arno Backhaus (66). Das hat er vor 52 Jahren in Kassel gemacht.

Auslöser für diesen Rückblick auf die Bundestagswahl im Jahr 1965 ist ein außergewöhnliches Foto von Arno Backhaus (66). Das hat er vor 52 Jahren in Kassel gemacht. Zu diesem Zeitpunkt sei der Wahlkampf in der heißen Phase gewesen, erinnert er sich. 

Die politische Auseinandersetzung lief ganz anders als wir das heute kennen. Zum Beispiel mit Lautsprecherwagen von CDU und SPD, die durch Kassel fuhren. Dabei hätten sich die Fahrer - sehr zur Erheiterung der Passanten – gegenseitig Parolen an den Kopf geworfen, sagt Backhaus, der heute in Calden lebt. Was damals bei der Bundestagswahl sonst noch los war? Wir haben im Archiv geblättert.

Wahlkampf per Lautsprecher: So sah es am Friedrichsplatz 1965 aus.

Die Kandidaten

Die Spitzenkandidaten auf Bundesebene hießen damals Ludwig Erhard für die CDU und Willy Brandt (SPD). In Kassel traten der spätere Ministerpräsident Holger Börner (SPD), Lothar Haase (CDU), Richard Wurbs (FDP) und Willi Belz (Deutsche Friedensunion) an.

Wahl im Fridericianum

Bereits drei Wochen vor der Wahl am 19. September konnten die Kasseler im Fridericianum ihre Stimme abgeben. Ein Service für alle, die am Wahltag verhindert waren. Der Andrang übertraf damals alle Erwartungen, das Wahllokal blieb zwei Stunden länger auf als ursprünglich geplant.

Der Wahlautomat

Bei der Wahl 1965 gab es eine Premiere. Zum ersten Mal wurden sogenannte Wahlmaschinen eingesetzt. Hier konnte man seine beiden Wahlmarken in die dafür vorgesehenen Schlitze für die Partei und den Direktkandidaten stecken.

„Tote“ Wählte

Zu einer kuriosen Situation kam es in einem Kasseler Wahllokal. Dort erfuhr eine ältere Frau, dass sie nicht wählen könne, da sie als tot gemeldet sei. Nach sehr lebendigen Protesten der Frau wurde die Falschmeldung vom Standesamt annulliert. Die angeblich tote Frau durfte doch noch wählen.

Hier kommen die Wahlurnen: Das Foto entstand 1965 vor dem Wahllokal im Philipp-Scheidemann-Haus.

Das Ergebnis

Den Wahlkreis holte damals zum dritten Mal in Folge Holger Börner für die SPD (52,1 Prozent). Auf Bundesebene setzten sich CDU/CSU mit 47,6 Prozent vor der SPD mit 39,3 und der FDP mit 9,5 Prozent durch. Die Wahlbeteiligung lag damals übrigens bei aus heutiger Sicht unglaublichen 86,8 Prozent.

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