Wahlkampf auf dem Opernplatz

Geschichten mit Gabriel: Außenminister zu Besuch in Kassel

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Unterhaltsame Rede: Außenminister Sigmar Gabriel sprach in Kassel vor ein paar hundert Zuhörern.

Kassel. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel machte auf seiner Wahlkampf-Tour in Kassel Halt. Auf dem Opernplatz gab er am Mittwoch den Unterhalter.

Als auf dem Opernplatz die letzten Vorbereitungen für die anstehende Veranstaltung laufen, fragt ein älterer Herr: „Wer kommt da jetzt?“ Die Antwort lautet: „Sigmar Gabriel.“ Da ist der ältere Mann fast enttäuscht. Er sagt: „Mit dem hab’ ich schon ein Selfie. Da brauche ich nicht zu warten.“ Dann geht er.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) steht wenig später trotzdem nicht ohne Publikum bei dieser Wahlkampfveranstaltung des heimischen SPD-Bundestagskandidaten Timon Gremmels da, auch wenn er sich an der Verspätung von Christian Lindner orientiert. Der FDP-Chef trat am Tag zuvor an selber Stelle auf – auf ihn mussten die Menschen 40 Minuten warten. Gabriel kommt 35 Minuten zu spät. Er begründet das mit einem Stau.

Fortan gibt er, der am Vortag 58 wurde, vor ein paar hundert Zuhörern die Ergänzung zu SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, der in der vergangenen Woche auf dem Königsplatz sprach. Schulz präsentierte sich als Kämpfer, der die soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellte. Gabriel ist der nette Plauderonkel, der alle Themen mal streift und der seine Meinung im Stile eines Unterhalters zu verkaufen versucht. Motto: „Ich will ihnen mal was erzählen.“ Und dann erzählt er, warum er gegen Aufrüstung ist, dass Deutschland mehr Geld in die Bildung stecken muss und warum Deutschland der finanzielle Gewinner der Europäischen Union ist. Nur einmal wird er richtig energisch: als es um die AfD geht. Da richtet er sich an deren Sympathisanten: „Nazis ins deutsche Parlament wählen, macht das Leben nicht besser.“

Sigmar Gabriel war Gast bei der Wahlkampfveranstaltung "Auf einen Kaffee mit..." des SPD-Direktkandidaten Timon Gremmels (r.).

Anekdoten und Spitzen gegen die Kontrahenten sind bei Gabriel inklusive. So kommt er irgendwann auf den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von der CSU zu sprechen, über dessen Rückkehr in die deutsche Politik spekuliert wird. „Ich bin ja für Resozialisierung“, sagt Gabriel. „Aber vielleicht fängt er besser im bayerischen Landtag an.“ Und außerdem: „Er soll ja mit der Bundeswehr so sorgfältig umgegangen sein wie mit seiner Doktorarbeit.“ Nach einer Plagiatsaffäre trat zu Guttenberg einst zurück.

Gabriel könnte so auch eine Sendung im Fernsehen moderieren – fortgeschrittenes Abendprogramm, wenn die Zuschauer noch ein bisschen informiert, aber auch unterhalten werden wollen. Er hat die Gabe, die Leute bei Laune zu halten. Er erzählt gern von seinen drei Töchtern und seiner Frau. Er sei ja Fan von Werder Bremen, seine Frau aber Anhängerin vom FC Bayern. Dann berichtet er, wie Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber immer zu ihm sagen würde: „Grüßen Sie zu Hause den einzigen Menschen mit Verstand.“

Nach einer halben Stunde verabschiedet sich Gabriel, er müsse weiter nach Fulda. CDU-Hochburg. „Da wird es geringfügig schwieriger als in Kassel.“ Die Botschaft liefert er gleich mit: „Man muss auch dahingehen, wo es wehtut.“ (hag)

Einige hundert Menschen hörten Gabriels Wahlkampfrede auf dem Opernplatz zu.

Hintergrund: 23.400 haben schon gewählt

Die Wahlbeteiligung zur Bundestagswahl entwickelt sich gut: Gut anderthalb Wochen vor der Bundestagswahl haben bereits 23.453 Kasseler ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren hatte es insgesamt 25.428 Briefwähler gegeben. Insgesamt gibt es in der Stadt 141.103 Wahlberechtigte. 

Briefwahlunterlagen können bei der Stadt Kassel noch bis Freitag, 22. September 2017, 18 Uhr, beantragt werden. Dies ist unter anderem auf folgenden Wegen möglich: persönlich im Briefwahlbüro mit Ausweis (Bürgersaal im Rathaus), schriftlich (der Antrag befindet sich auf der Rückseite der Wahlbenachrichtigung) oder per E-Mail an briefwahl@kassel.de (bal)

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