Über Hundehalter und fehlende Parkplätze

So verlief die Wahl in Kassel und Umgebung: Frühes Wählen mit Gebell

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Ernste Mienen angesichts der Verluste im Bund und in den Wahlkreisen: Sozialdemokraten aus Stadt und Kreis Kassel am Wahlabend im Rathaus. 

Kassel. Deutschland hat gewählt. Aber was heißt das im Einzelnen? Ein Blick auf den gestrigen Tag und den Wahlkreis 168.

Alle Ergebnisse aus dem Wahlkreis und der Stadt Kassel finden Sie hier.

9.06 Uhr – Kassel, Nord-Holland: Seit etwas mehr als einer Stunde sind die Wahlbüros geöffnet. In der Carl-Anton-Henschel-Schule in Nord-Holland läuft der Wahlsonntag schleppend an. Außer den Helfern und Wahlleiter Günther Reber ist niemand im Pavillon der Grundschule. Eine Handvoll Hundehalter seien beim morgendlichen Spaziergang aber schon vorbeigekommen, sagt Reber. „Gegen 11 Uhr steigt die Frequenz erfahrungsgemäß.“

Die Frage, ob die Wähler dieses Mal mehr Zeit in der Wahlkabine verbrächten als früher, eine Entscheidung womöglich kurzfristig nochmal überdacht würde, möchte Reber nicht so recht beantworten. „Die Wähler müssen sich auch immer erst mal einen Überblick über den Wahlschein verschaffen“, sagt er und deutet auf die an der Wand hängende Orientierungshilfe, die im Kern aussagt: ein Kreuzchen links, ein Kreuzchen rechts. Eine Wahlhelferin sagt: „Bisher wählen alle recht zügig.“

Wahlhelfer: Thomas Krüger und Nora Szasz vor dem Aschrottheim im Vorderen Westen.

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11 Uhr – Vellmar West:Im Bürgerhaus herrscht reger Betrieb. Die Wahlhelfer bestätigen: Es war schon einiges los an diesem Morgen: „Die Routinierten haben ihr Kreuz gemacht.“ Gebell vor dem Eingang: Vor allem Hundebesitzer verknüpften Gassigehen und Kreuzchen machen.

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11.15 Uhr – Kassel, Vorderer Westen:Wahllokal 311 – Aschrottheim. Wer hier mit dem Auto vorfährt, hat schon eine schlechte Wahl getroffen, bevor er die Kreuzchen macht. Die Parkplätze im Stadtteil sind bei all den Connichis aus ganz Deutschland und darüber hinaus belegt. Vielleicht sollte die nächste Regierung sich für Wählerparkplätze starkmachen. Im Wahllokal selbst gibt es eine kleine Schlange. Es geht aber flott voran, die Menschen hier überlegen nicht lange. 150 sind schon da gewesen – im Schnitt knapp 50 pro Stunde. Wie viele wären es wohl, wenn es Extra-Parkplätze für Wähler gäbe?

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13.45 Uhr – Kassel, Wehlheiden: Eine Fahrt auf der Ludwig-Mond-Straße: An fast jedem Baum hängen Wahlplakate. Der Gedanke kommt auf: Nächste Woche ist es hier wieder schön.

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14.30 Uhr – Kassel, Vorderer Westen: Es läuft jetzt gut im Wahllokal 311. „Wir sind schon bei etwa 65 Prozent“, schätzt das Helfer-Team, zu dem Thomas Krüger und Nora Szasz gehören, die Wahlbeteiligung. Womöglich sind dann doch viele einfach zu Fuß gekommen. Schlangestehen muss keiner mehr, obwohl gut was los ist. Aber in den beiden Wahlkabinen geht es ruck-zuck.

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14.42 Uhr – Kassel, Mitte:Die ersten Zwischenstände aus dem Kasseler Rathaus zur Wahlbeteiligung werden bekannt. Aus zehn nicht repräsentativen Wahllokalen ergibt sich am frühen Nachmittag folgendes Bild für die Stadt Kassel: 48,3 Prozent der wahlberechtigten Kasseler haben an diesem Sonntag ihre Stimme abgegeben. Mit den Briefwählern sind es 60,7 Prozent. 2013 lag die Wahlbeteiligung in Kassel insgesamt bei 68,48 Prozent. Das scheint knackbar, sofern die Langschläfer inzwischen aufgewacht sind und die Connichi die Wahl des schönsten Kostüms nicht live als Public-Viewing-Event vor allen Wahllokalen überträgt.

Da waren beide noch gut drauf: Hendrik Jordan (SPD, links) und Bernd-Peter Doose (CDU).

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17.45 Uhr – Kassel, Mitte:Vor dem Rathaus erscheint Bernd-Peter Doose von der CDU, Mitglied des ehrenamtlichen Magistrats. Als er seinen rauchenden SPD-Kollegen Hendrik Jordan vor dem Fahrstuhl sieht, ruft er: „Minus 20 Prozent.“ Dann lacht er.

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18 Uhr, Rathaus, Mitte: Im Saal der Stadtverordneten haben sich rund 100 Interessierte versammelt. Es läuft die Wahlsendung der ARD, die Prognose – nur einmal kommt ein bisschen Applaus auf, als 9,5 Prozent für die Grünen vorhergesagt werden. Ansonsten: Stille. Überhaupt: Es ist sehr ruhig. Es gibt mehr Verlierer als Gewinner an diesem Abend – und außerdem: Bis die ersten Hochrechnungen aus dem Wahlkreis 168 eintreffen, dauert es noch. Das soll angeblich auch an der hohen Wahlbeteiligung liegen.

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18.45 Uhr, Rathaus, Mitte:Helsa ist ganz vorn – der erste Wahlbezirk ist ausgezählt. Der Anfang ist gemacht. Aber es dauert noch, bis nach und nach weitere Ergebnisse bekannt werden. Es deutet sich früh an, dass es sich ziehen wird. Bernd-Peter Doose verlässt das Rathaus mit dem Hinweis, dass Norbert Wett von der CDU ja den Wahlkreis gewänne. Er lacht mal wieder dabei. Er weiß wohl, dass es nicht so kommen wird – und sollte damit recht behalten.

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