Wahlkreis 168 bleibt in SPD-Hand

Sozialdemokraten verlieren, aber Kandidat Gremmels baut Abstand aus

+
Es reicht im Wahlkreis für die SPD: Erleichtert verfolgten (von links) Direktkandidat Timon Gremmels, Parteichef Wolfgang Decker und die bisherige Wahlkreisabgeordnete Ulrike Gottschalck die aus den Wahlbezirken einlaufenden Ergebnisse im Rathaus.

Kassel. Der Wahlkreis Kassel (168) ist seit 1949 in SPD-Hand – und er bleibt es auch: Das ist die gute Nachricht des gestrigen Wahlabends für die Sozialdemokraten und Kandidat Timon Gremmels.

Der 41-jährige Niestetaler ließ CDU-Konkurrent Dr. Norbert Wett klar hinter sich und zieht als Nachfolger der nicht mehr angetretenen Ulrike Gottschalck als neuer Wahlkreisabgeordneter in den Bundestag ein.

Die schlechte Nachricht für die SPD in Stadt und Landkreis Kassel: Sie rutschte unter die 30-Prozent-Marke. Sie musste kräftig Federn lassen gegenüber 2013, büßte mit 28,3 Prozent der Zweitstimmen 5,7 Prozentpunkte ein.

Kandidat Gremmels hingegen holte 35,6 Prozent der Erststimmen und vermochte damit den Abstand zu Christdemokrat Wett (26,9 Prozent) auszubauen. Vor vier Jahren hatte Ulrike Gottschalck 40 Prozent der Erststimmen erhalten, Herausforderer Wett kam damals auf 35,2 Prozent.

„Schwerer Tag für SPD“

„Das ist ein schwerer Tag für die SPD. Aber ich freue mich auf die Herausforderung in Berlin“, sagte Gremmels. Der bisherige Landtagsabgeordnete wird nach der gestrigen Ankündigung des SPD-Kanzlerkandidaten Schulz aus der SPD-Opposition in Wiesbaden in die SPD-Opposition in Berlin wechseln. „Ich habe Opposition gelernt“, so Gremmels. „Dass die SPD nach einem solch katastrophalen Ergebnis in die Opposition geht, halte ich für absolut richtig.“

Trotz der Freude über den Sieg im Wahlkreis war bei der anschließenden Zusammenkunft im SPD-Haus in der Kassel Humboldtstraße niemandem nach Partystimmung. Gremmels: „Wir feiern mit angezogener Handbremse.“

Enttäuscht: CDU-Parteichefin Eva Kühne-Hörmann und Direktkandidat Dr. Norbert Wett im Kasseler Rathaus.

Enttäuschung über das Ergebnis herrschte bei der CDU vor. „Wir hatten etwas anderes erwartet“, sagte der zum zweiten Mal als 168er Wahlkreiskandidat gescheiterte Dr. Norbert Wett. In den vergangenen zwei Wochen habe man bereits gemerkt, dass es in eine andere Richtung laufe. Der SPD sei es im Wahlkreis gelungen, noch einmal ihre Wählerschaft zu mobilisieren.

„Alle Register gezogen“

Die Gründe für seine fast zweistelligen Verluste bei den Erststimmen müssten erst noch analysiert werden, meinte der 53-Jährige. „Aber ich habe mir aber nichts vorzuwerfen. Das Wahlergebnis ist dem Trend geschuldet“, sagte Wett. Mit seinem Team habe er bis zuletzt engagierten Wahlkampf geführt, alle Register gezogen und 7000 Haustürbesuche geschafft. Mit Platz 18 auf der Landesliste habe er wohl keine Chance, noch in den Bundestag einzuziehen, meinte der Kasseler.

Den Abschluss des Wahlabends verbrachten die Christdemokraten im Landgasthaus Meister. Wett: „Wir sitzen zusammen und verfolgen die Ergebnisse. Party ist hier aber nicht angesagt.“

Mehr Grund zur Freude hatten da andere Wahlkreisbewerber. AfD-Kandidat Manfred Mattis, der zehn Prozent der Erststimmen holte, sowie Boris Mijatovic (Grüne) mit 9,4 und Thorsten Felstehausen (Die Linke) mit 8,8 Prozent. FDP-Kandidat Matthias Nölke legte gegenüber der Wahl 2013 ebenfalls deutlich zu: von 2,1 auf 5,9 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.