Politik soll von unten kommen

Bundestagswahl: Stefan Fydrich ist Direktkandidat für „Die Basis“

Stefan Fydrich
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Er mag die Mischung aus Natur und Kultur: Auf der Treppe vor dem Schloss Wilhelmshöhe genießt Stefan Fydrich, Direktkandidat der Partei „Die Basis“, das Panorama des Bergparks mit Blick auf den Herkules.

Am 26. September ist Bundestagswahl. In einer Serie stellen wir die Kandidaten im Wahlkreis Kassel, zudem auch Teile des Landkreises gehören, vor. Hier: Stefan Fydrich von der Partei „Die Basis“.

Kassel – Stefan Fydrich bestellt einen Saft am Rande des Bergparks Wilhelmshöhe, den er sich als Treffpunkt ausgesucht hat. In dieser „schönen Mischung von Natur und Kultur“ finde er sich wieder, sei von den majestätischen alten Bäumen fasziniert. Da klingt schon ein wenig die „spirituelle Ausrichtung“ durch, mit der sich der Lehrer im Ruhestand wenig später selbst charakterisiert: „Dass ich den Wunsch nach einer besseren, einer heileren Welt habe.“

Wie dieser Wunsch in ihm biografisch gereift ist, davon kann Fydrich so facettenreich erzählen, dass der Gesprächsanlass fast in den Hintergrund gerät. Der 67-Jährige macht zur Bundestagswahl den Direktkandidaten für die Kleinstpartei „Die Basis“, die 2020 aus Protest gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen gegründet worden ist.

Er habe sich aufstellen lassen, „damit die Idee der Basisdemokratie weitergetragen wird“ – und „mein Gesicht, meine Person hinzustellen, damit die Menschen sich an mich wenden können“, sagt Fydrich. Dass politische Projekte und Debatten von unten nach oben verlaufen sollten, das ist für ihn eine persönliche Lebensrichtschnur. So treibt er im Vorstand der Genossenschaft „Kassel im Wandel“ ein generationsübergreifendes Bauprojekt für 50 Bewohner in Harleshausen mit voran – ein Beispiel, wie sich ein relativ kleiner Kreis von Menschen gemeinsam ein Lebensumfeld gestaltet.

Über seine Chancen als Direktkandidat muss man nicht weiter reden, für Parteiarbeit hat Fydrich wegen des Wohnprojekts ohnehin kaum Zeit. Aber: Achtsamkeit, Machtbegrenzung, Basisdemokratie – dafür will er stehen, dafür hat es für ihn schon immer kleinere, persönlichere Strukturen gegeben.

Im ländlichen Umfeld des Werra-Meißner-Kreises war und ist er noch heute in Debattierzirkeln der Alternativkultur vernetzt, die sich für grundsätzliche Fragen der Lebensgestaltung interessieren – etwa dem Verein „Gesellschaft in Balance“, der das Patriarchat überwinden will, und des regionalen Charta-Initiativkreises, der sich für Basisdemokratie einsetzt. Da hat Fydrich, der nach eigenem Bekunden „eher aus der linken Ecke“ kommt, viele Parallelen zum Programm der Basis-Partei gesehen, wie er sagt. Häufig streut er Namen bekannter und weniger bekannter Menschen ein, die seine Weltsicht geprägt haben: „Was mir sehr wichtig ist, ist Beziehungsarbeit.“

Dass „Die Basis“ als Sammelbecken von Kritikern der Corona-Politik gilt, „da stehe ich dahinter“, erklärt Fydrich. Die Partei steht der „Querdenken“-Bewegung nahe, die mit ihren Demos auch in Kassel für Aufsehen gesorgt hatte. Sich selbst impfen lässt er sich nicht, da habe er Bedenken und glaube außerdem, dass alternativmedizinische Varianten zu wenig in Erwägung gezogen würden. Es wurmt ihn, dass „mit dem Schlagwort Querdenker kritische Menschen aufs Abstellgleis geschoben“ würden, sagt Fydrich: „Es ist unser Recht, kundzutun, dass wir mit der Regierungsmeinung nicht konform gehen.“

Bei einer Demo gegen die staatlichen Maßnahmen sei er allerdings noch nie mitgelaufen: „Was Massen angeht, bin ich ein wenig scheu“, bekennt Stefan Fydrich, der seine Bewerbung ziemlich persönlich angeht und weniger als Repräsentant einer politischen Agenda. So muss er auch überlegen bei der Frage, welche Themen ihm sonst noch am Herzen liegen. Die Privatisierung im Gesundheitswesen, sagt er schließlich, gehöre abgeschafft: „Ich bin dagegen, dass mit so etwas Geld verdient wird.“

Von Axel Schwarz

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