Bundesverdienstkreuz für Professor Herbert Haf

Ausgezeichnet: Prof. Herbert Haf wurde für sein großes Engagement an der Uni und im kirchlichen Bereich das Bundesverdienstkreuz verliehen. Foto: Berens

Kassel. Die Nachricht hat ihn überrascht. „Trifft es den Richtigen?“ Während Prof. Herbert Haf ins Grübeln geriet, war für Freunde, berufliche und private Wegbegleiter sofort klar: Der 72-Jährige hat sich in besonderer Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht. Dafür wurde Haf jetzt das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

„Ich habe die Dinge aus Überzeugung gemacht, nicht um dafür ausgezeichnet zu werden“, sagt der emeritierte Mathematik-Professor. Die Liste des sympathischen Überzeugungstäters ist lang und spannt einen Bogen von der Universität zur Kirche. Im Mittelpunkt seines Handelns stehe der Mensch, beschreibt der Christ seine Maxime. Ein Brückenbauer will er sein im Spannungsfeld von Glauben, Denken und der Suche nach der Wahrheit.

Integration vorangetrieben

Der ehemalige Vizepräsident der Universität Kassel hat die Integration internationaler Studenten und Gastwissenschaftler vorangetrieben. Er habe den ausländischen Gästen das Gefühl vermitteln wollen, ernst genommen zu werden und willkommen zu sein, sagt Haf. Mit dem 2000 gegründeten Gästehaus (International House) hat er zudem eine Begegnungsstätte für den kulturellen Austausch geschaffen.

Auch die Einrichtung einer Ethikkommission an der Universität, die Vertreter aus Wissenschaft, Kirche, Politik und Wirtschaft an einen Tisch brachte, geht auf das Konto des gebürtigen Allgäuers. „Als Wissenschaftler sollten wir im Auge behalten, dass wir für unsere Entdeckungen und Erkenntnisse Verantwortung tragen“, sagt Haf. Erfahrungen aus der Kommission brachte er mit, als er 2003 dem Ethik-Komitee des Elisabeth-Krankenhauses beitrat und nach nur wenigen Wochen deren Vorsitzender wurde. Patientenverfügung, künstliche Beatmung, Sterbehilfe – diesen Themen widmet sich das Komitee in Vorträgen und vor allem in persönlichen Fallbesprechungen mit Patienten und ihren Angehörigen.

Fast immer ist Haf bei diesen Gesprächen als Moderator dabei. Selbst wenn sie ganz kurzfristig angesetzt werden, springt der Wahl-Gudensberger in sein Auto und fährt nach Kassel. Gleiches tut der dreifache Vater und siebenfache Großvater jeden Sonntag, um gemeinsam mit seiner Frau Hildegund den Gottesdiensten der Freien Evangelischen Gemeinde im Kasseler Osten beizuwohnen. Bis 1998 war er deren Vorsitzender, 2001 Mitbegründer des Arbeitskreises „Anstöße - Christen mischen sich ein“.

Auch für dieses Engagement hat Haf das Bundesverdienstkreuz erhalten. Mit der Auszeichnung hat er nach anfänglichem Zögern seinen Frieden gemacht. Nicht er habe darüber zu entscheiden gehabt. Vielmehr sei dies wohl das Bild, das andere von ihm haben, das freue ihn. Und in seiner bescheidenen Art fügt er an: „Die Auszeichnung kann mich nur stellvertretend meinen, weil mich so viele Menschen unterstützt haben.“

Zur Person: Prof. Dr. Herbert Haf wurde 1938 in Pfronten/Allgäu geboren. Nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker begann er ein Ingenieursstudium in München sowie ein Mathematik-Physik-Studium in Aachen. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann Haf an der Universität Stuttgart. Es folgten Rufe nach Weingarten und Ludwigsburg. Seit 1974 ist Haf in Kassel, wo er an der damaligen Gesamthochschule eine Professur für Mathematik übernahm (beteiligt am Standardwerk „Höhere Mathematik für Ingenieure“).

Von 1985 bis 1991 war er Vorsitzender der Naturwissenschaftlich-Medizinischen Gesellschaft Kassel, von 1994 bis 2000 Vizepräsident der Uni. Aktiv war er auch im Stiftungsrat von Plansecur, in der Evangelischen Studentengemeinde sowie im Vorstand der Studentenmission. Haf ist seit 43 Jahren verheiratet. Mit seiner Familie lebte er zunächst in Elgershausen, seit 1984 in Gudensberg. Der dreifache Vater und siebenfache Großvater liebt Goethe und Mozart. (abe)

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