Politikerin in Firmen zu Gast

Bundeswirtschaftsministerin Zypries zu Besuch in Nordhessen

Ministerin Brigitte Zypries im Gespräch mit Max Benderoth: Der Student informierte über das Herkules Racing Team (HRT) der Uni Kassel. Es arbeitet bei Entwicklung und Bau der Rennwagen eng mit Maschinenbauer Koch zusammen. Rechts neben der Ministerin sind der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Koch, rechts daneben Geschäftsleiter Dr. Matthias Jahnke zu sehen. Fotos: Koch

Kassel/Baunatal/Helsa. Bundeswirtschaftministerin Brigitte Zypries  besuchte Maschinenbauer Koch, Tankwagen-Hersteller Esterer sowie Gas- und Ölförderer Wintershall.

Von José Pinto

Der neuen Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) dürften nach ihrem gestrigen Besuch des Baunataler Sondermaschinenbauers Koch die Ohren geklingelt haben. Denn Stefan Koch, der das 1946 von Vater Albert gegründete mittelständische Familienunternehmen in zweiter Generation führt, erklärte in seiner enthusiastisch-unterhaltsamen Art wort- und temporeich, womit sich die gut 60 Mitarbeiter im Ortsteil Altenritte beschäftigten. Unter anderem mit der Herstellung sehr präziser und leichter Komponenten für Luft- und Raumfahrt, mit Bauteilen und Sonderkonstruktionen für Autobauer, Zulieferer und Heerestechnik-Hersteller, mit komplexen Prüfständen, Sondervorrichtungen und vielem, vielem mehr.

Die Ministerin, die als gute Zuhörerin bekannt ist, nahm es mit Gelassenheit. Zum einen ist sie ein Politprofi, zum anderen in wirtschaftlichen Fragen faktensicher und dazu auch noch technik-affin. Und sie erfuhr während ihres Antrittsbesuchs in ihrer alten Heimat, dass Koch das Thema Industrie 4.0 (Digitalisierung) – also das Zusammenwachsen traditioneller Produktionsmethoden mit modernen Informationstechnologien – nicht nur thematisiert, sondern längst lebt. Denn Koch hat sich in den vergangenen Jahren konsequent vom klassischen Maschinenbauer zur digitalisierten Manufaktur im Bereich der hochpräzisen Metallbearbeitung gewandelt. Gezeichnet wird nur noch elektronisch, und Bauteile werden vom 3-D-Drucker modelliert, bevor Metall bearbeitet wird. Das spart Geld und enorm viel Zeit. Der Kunde bekommt sein Teil viel schneller als jemals zuvor. Koch betonte aber mehrfach, dass „die beste Technik nichts nutzt, wenn man die Menschen nicht mitnimmt“.

Ministerielle Aufnahmefähigkeit war auch am späteren Nachmittag beim Tankfahrzeugbauer Esterer in Helsa gefragt. Denn auch die Produkte dieses Familienunternehmens sind sehr speziell und müssen ständig steigenden Anforderungen genügen.

Am Abend schließlich war Zypries, die vor vier Wochen die Nachfolge Sigmar Gabriels angetreten hat, beim Öl- und Gasförderer Wintershall. Dort ging es um die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa sowie um die Energiewende. Letztere bezeichnete die Ministerin als „Generationenprojekt“ und hob den Beitrag von Erdgas zur Versorgung hervor.

Deutschland als größtes Industrieland Europas brauche Erdgas, damit Strom künftig bezahlbar bleibe, betonte Wintershall-Vorstandschef Mario Mehren. „Das Ziel einer klimaschonenden Energieversorgung mit dem Fokus Erneuerbare ist gesetzt. Daran will niemand rütteln. Aber der Weg dorthin dauert länger und braucht einen intelligenten Mix“, betonte er.

Die Ministerin reist heute Mittag ab. Morgens eröffnet sie die traditionelle Fachtagung des Competence Center Aerospace, des Luft- und Raumfahrtnetzwerks Nordhessens.

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