Erste Etage des Gebäudes geschlossen

Bunker ohne Brandschutz: 16 Musikgruppen verlieren ihren Proberaum

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Erhebliche Mängel beim Brandschutz: Die Proberäume in der ersten Etage des Rockbunkers wurden deshalb jetzt dicht gemacht. Archivfoto:  Koch

Kassel. 16 Musikgruppen aus Kassel haben quasi über Nacht ihren Proberaum verloren. Aus Sicherheitsgründen hat die Stadt Kassel das Obergeschoss des sogenannten Rockbunkers an der Agathofstraße in Bettenhausen schließen lassen.

Die Sicherheitslücken beim Brandschutz seien kürzlich bei einer Begehung der Immobilie durch Mitarbeiter von Feuerwehr, Kulturamt, Bauaufsicht sowie der Hochbau- und Gebäudebewirtschaftung aufgefallen, erklärte Stadtbaurat Christof Nolda am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

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Die Stadt wollte bei dieser Begehung eigentlich prüfen, ob sie den Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg eventuell kaufen könnte, damit er weiterhin von der Kasseler Musikszene genutzt werden kann. Seit 1993 wird ein Großteil des Bunkers, der vom städtischen Kulturamt angemietet worden ist, dem Verein Rockbüro überlassen.

Da die Bunkeranlagen in der Stadt insgesamt für den Katastrophen- und Zivilschutz nicht mehr benötigt werden, bereitet der Bund deren Entwidmung vor. Danach sollen die Bunker von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) verkauft werden.

Ob die Stadt aufgrund der Mängel immer noch Interesse hat, an einem Bieterverfahren der Bima teilzunehmen, müsse sich jetzt durch ein brandschutzrechtliches Gutachten herausstellen, sagte Nolda. Die Mängel bestünden ja nicht erst seit gestern. In der Vergangenheit habe es immer wieder Begehungen durch die Feuerwehr gegeben und Listen mit Mängeln.

Christof Nolda Foto:  Dilling

Die sind offenbar nicht alle abgearbeitet worden. „Dieser Toleranzbereich fällt uns heute auf die Füße“, sagt Nolda. Andreas Giller, stellvertretender Leiter der Kasseler Feuerwehr, machte deutlich, dass für die Nutzung als klassischer Bunker nicht die selben Auflagen wie für Proberäume gelten.

Die Problematik in dem Gebäude an der Agathofstraße sei, dass durch ein Lüftungsnetz alle Räume vernetzt seien, erklärt Nolda. Im Brandfall seien daher alle vorhandenen 30 Brandschutztüren unsinnig. Ins Erdgeschoss des Bunkers wird derzeit ein weiterer Notausgang gabaut. Dadurch werde gewährleistet, dass zumindest die zwölf Proberäume im Erdgeschoss weiterhin genutzt werden können.

Die Stimmung unter den Bands in Kassel sei aufgeladen, sagt Elke Falk, Vorsitzende des Vereins Rockbüro Kassel. Schon vorher habe es einen Mangel an Proberäumen gegeben.

Falk macht allerdings deutlich, dass ohne Unterstützung der Stadt und der Kasseler Sparkasse mit der Kulturstiftung der Rockbunker niemals zum Laufen gebracht worden wäre.

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