Hunderte zogen durch die Stadt

Bunt und politisch zugleich: Organisatorin Lola Blume über den Christopher-Street-Day in Kassel

Bunt und auffallend: Martin Klenner kam als „Flyrty Flamingo“ aus Gießen nach Kassel.
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Bunt und auffallend: Martin Klenner kam als „Flyrty Flamingo“ aus Gießen nach Kassel.

Hunderte waren am Samstag bei der Parade des Christopher-Street-Days in Kassel auf der Straße. Wir sprachen mit Lola Blume vom Orga-Team.

Kassel - Im vergangenen Jahr war der CSD coronabedingt ausgefallen. Die Veranstalter von der Initiative Rosa, einem Zusammenschluss sozialistischer Feministinnen, sprach von 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Polizei schätzte sie auf 1000.

„Reclaim the streets - Erobert die Straßen“ lautete das Motto des diesjährigen Christopher-Street-Days. Ist das gelungen? Wie zufrieden sind Sie mit dem Kasseler CSD?
Es ist echt gut gelaufen. Wir waren in großer Zahl präsent. Das Motto haben wir hundertprozentig umgesetzt. Allein schon dadurch, dass die AFD ihren Bundestagswahlkampf-Auftakt auf dem Königsplatz veranstalten wollte, ihn dann aber nach Baunatal verlegt und die Veranstaltung schließlich ganz abgesagt hat. Die Straßen waren unsere. Die Stimmung war sehr sehr gut, wir hatten einen toll moderierten Auftakt vor dem Kulturbahnhof und dann während der Parade bis zum Nordstadtpark neun gehaltvolle Redebeiträge. Es gab Musik, spontane Shouts, und es wurde getanzt.
Viele schrille Drag-Queens der vergangenen Jahre waren dieses Mal nicht zu sehen. Sie als Orga-Team haben sich deutlich politischer aufgestellt als je zuvor. Was war Ihr Ziel?
Es geht um Awareness, darum Aufmerksamkeit zu schaffen, in der Gesellschaft, in den Parteien. Wir denken, in einem kapitalistischen System gibt es keine Gleichstellung mit der Norm. Es ist wichtig, das zu ändern. Bei Werbeveranstaltungen wie der Pride-Kampagne von Ikea, die sich dafür mit den Regenbogenfarben schmücken, geht es nur um Geld und ums Profitmachen, nicht um tatsächliche Gleichstellung. Darauf wollen wir hinweisen. Das heißt aber nicht, dass wer politisch ist, nicht auch Spaß haben kann. Ich habe mich gefreut, dass die Parade eine echte Feier war. Aber man muss auch politisch sein, denn es ist noch lange nicht alles gut. Es gibt noch so viel Diskriminierung und Unterdrückung von Minderheiten.
Kann diese Politisierung nicht zu Konflikten innerhalb der Szene führen?
Okay, die FDP hat sich vom diesjährige CSD distanziert und ihn boykottiert. Aber nein: Es waren alle d’accord, dass unser gemeinsames Ziel der Kampf gegen Diskriminierung sein muss.
Es waren auffallend viele junge Menschen, vor allem Frauen, da. Gibt es einen Generationenwechsel in der queeren Szene?
Nein, keinen Wechsel, aber die Szene wird jünger. Wir sind an dem Punkt, wo sich viele, vor allem jüngere Menschen, als nonbinär outen, auch wenn da trotzdem noch viel Luft nach oben ist. Aber viele junge Menschen sind früher selbstbewusst. Das heißt aber nicht, dass auch sehr viele Ältere in diesem Jahr beim CSD dabei waren. Es waren alle da.
Wie waren die Reaktionen der Teilnehmer?
Viele haben sich bedankt, einige waren positiv überrascht, dass es auch eine Feier, eine bunte Parade war, gleichzeitig politisch und mit guten Redebeiträgen.
Wie geht es jetzt weiter?
Wir streben eine Bündnisstruktur an. Wir wollen noch mehr Gruppierungen einladen mitzumachen. Damit wir zum nächste CSD so breit wie möglich aufgestellt sind. (Christina Hein)
Auf dem Rainer-Dierichs-Platz vor dem Kulturbahnhof: Von hier aus starteten die Teilnehmer des Christopher-Street-Days durch die Innenstadt bis zum Nordstadtpark.

Zur Person

Lola Blume (16) besucht die Jacob-Grimm-Schule, sie engagiert sich u. a. bei der Linksjugend, Fridays for Future, Jugendwahl und Rosa.

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