Der umstrittene Musiker polarisiert

Bushido kommt nach Kassel

Er ist einer der erfolgreichsten und zugleich umstrittensten Rapper Deutschlands – und kommt am Freitag nach Kassel: Bushido.

Kassel. Er ist einer der erfolgreichsten und zugleich umstrittensten Rapper Deutschlands – und kommt am Freitag nach Kassel: Bushido.

Der Musiker, der mit seinen harten Texten immer wieder Schlagzeilen macht und dem Verbindungen zur organisierten Kriminalität nachgesagt werden, tritt im Club Caramel auf.

Die Show von Bushido zusammen mit Rap-Kollege Shindy soll 45 bis 60 Minuten dauern, sagt Clubbetreiber Alberto Jaber. Es ist Platz für 400 Gäste, noch gibt es Karten. Jaber hat Bushido schon mehrfach getroffen: „Das ist ein toller Mensch“, sagt der Kasseler Gastronom. Die provokanten Texte und das Rüpel-Image seien eine Masche. „Das ist alles nur Show“, sagt Jaber. Der Mensch hinter der Medienfigur Bushido sei „total normal und ein lieber Familienvater“.

Zuletzt hatte der Rapper aus Berlin mit seinem Song „Stress ohne Grund“ für Aufsehen gesorgt. Neben schwulen- und frauenfeindlichen Sprüchen enthält das Lied Gewalt- und Mordfantasien gegenüber Politikern („Ich schieß auf Claudia Roth, und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz“). Die Berliner Staatsanwaltschaft hat deshalb im September Anklage wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Gewaltdarstellung gegen Bushido erhoben.

„Nicht wörtlich nehmen“

Für den 17-jährigen Kadir Kaba aus Kassel ist Bushido trotzdem ein Idol. Er findet die Anklage übertrieben. „Wer sich mit Rap auskennt, der weiß, dass man das nicht wörtlich nehmen darf.“ Mit „Schwuchtel“ zum Beispiel seien nicht die Schwulen allgemein gemeint, es sei einfach ein Schimpfwort in der Rap-Szene, sagt der 17-Jährige. „Es gibt viele Rapper, die in den Songs und Videos auf Gangster machen, aber in Wirklichkeit ganz anders sind.“

Seit dem Grundschulalter ist Kadir, der in der Nordstadt wohnt, Bushido-Fan: „Weil er den Leuten aus der Seele spricht.“ Das will der 17-Jährige, der seit vielen Jahren unter dem Namen „Kadir61“ selbst rappt, mit seinen Liedern auch. In den Texten - einer der Songs heißt „Ihr nennt uns Ausländer“ - gehe es „um mein Leben und schwere Zeiten“, sagt der Sohn türkischer Einwanderer.

Aufgenommen hat Kadir seine Titel beim Musikzentrum „Klang-Keller e. V.“. In den Rap-Workshops seien häufig jugendliche Bushido-Fans, sagt Vereinsvorsitzender Dennis Noll. Manche versuchten, in den Texten ihren Vorbildern nachzueifern und „auf dicke Hose“ zu machen. Menschenverachtende und gewaltverherrlichende Texte seien aber natürlich tabu, sagt Noll.

Der 28-Jährige, der auch Hip-Hop-Produzent und DJ ist, hält nichts von Bushido. „Wenn ein Rapper mit klaren Worten Probleme benennt und eine gesellschaftliche Debatte anstößt, finde ich das gut. Aber Bushido ist in meinen Augen selbst ein Problem.“ Nicht jeder Jugendliche sei so reflektiert, den Schluss zu ziehen, dass die brutalen Texte vor allem Attitüde seien. Ärgerlich finde er auch, dass Bushidos Kalkül aufgehe, sagt Noll: Mit seiner auf Skandal getrimmten Musik bekomme er immer wieder mediale Aufmerksamkeit.

Karten im Vorverkauf (29 Euro) unter www.caramel-club.de oder Freitag an der Abendkasse ab 22 Uhr (35 Euro), Neue Fahrt 4.

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