Bergparkzoll zeigt Wirkung: 2012 wollen bislang nur 14 Busse durch den Park fahren

Busse bleiben draußen

Der Anblick von Bussen im Bergpark wird seltener: Weil die Fahrt neuerdings 50 Euro kostet, lassen viele Reiseunternehmer die Attraktionen nun aus. Archivfoto: Koch

Kassel. Weniger Busse sollen durch den Bergpark Wilhelmshöhe fahren. Deshalb verlangt die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) als Betreiber seit diesem Jahr 50 Euro pro Bus, der die Sehenswürdigkeiten wie die Löwenburg direkt anfährt. Der Zoll zeigt Wirkung: Bisher haben sich nur 14 Busse für die Bergparkfahrt angemeldet.

Im vergangenen Jahr hat allein Kassel Marketing etwa 350 Busse durch den Park geschickt. 2012 verzichtet die städtische Tourismusgesellschaft darauf, den Fahrgästen die Attraktionen aus nächster Nähe zu zeigen. „Wir können uns das einfach nicht leisten“, sagt Geschäftsführerin Angelika Hüppe.

Die zweistündige Stadtrundfahrt mit Gästeführer kostet bei Kassel Marketing 85 Euro. Da sei kein Spielraum für die Gebühr, die mit Mehrwertsteuer 59,50 Euro beträgt. Bisher waren nur sieben Kunden bereit, den Betrag zusätzlich zu berappen. Bei MHK selbst liegen derzeit genauso viele Anmeldungen vor, sagt Sprecher Michael Kelbling. Er nimmt an, dass die Zahl steigen wird: „Es ist noch früh in der Saison.“

Auch die offenen Stadtrundfahrten, die Kassel Marketing von März bis Dezember samstags bietet, fahren nur noch zum Bergpark – nicht mehr durch ihn hindurch. Nachdem der Preis 2011 auf 14 Euro erhöht wurde, könne man dieses Jahr nicht noch einen Anteil von 1,50 Euro für den Bergparkzoll aufschlagen, sagt Hubert Henselmann, der bei Kassel Marketing den Bereich Tourismus leitet.

Problem der Begründung

Er sieht das Hauptproblem darin, die Gebühr gegenüber den Kunden zu begründen. Die Busunternehmen seien die kostenlose Passage jahrelang gewohnt gewesen. Sollte die Unesco den Bergpark zum Weltkulturerbe ernennen, sei das ein starkes Argument, dass die Sehenswürdigkeit einen Aufschlag wert ist, sagt Henselmann. Dann würden sicher wieder mehr Busse durch den Bergpark fahren.

„So eine Gebühr ist bei Welterbestätten üblich, auch in dieser Höhe“, sagt Kelbling. Der Wegezoll solle dafür sorgen, dass der Welterbeantrag nicht von zu vielen Bussen gefährdet wird. Als Höchstgrenze gelten 300 Fahrten pro Jahr; 250 davon vergibt Kassel Marketing. Die Tourismusgesellschaft hat noch ein Problem: An Wasserspieltagen sind Busse nun komplett verbannt – auch am Vormittag. Dass MHK den Bergpark schonen wolle, sei den Busunternehmen nur schwer zu vermitteln, sagt Henselmann.

Von Marcus Janz

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