Kasseler Hundestaffel kommt bei Vermisstensuche zum Einsatz - Ein Trainingsbesuch

Caitlin ist ein Superschnüffler

Einschnüffeln: Caitlin braucht nur ein Stirnband, um den Geruch aufzunehmen.

Kassel. Caitlin ist ein gut erzogener Hund. Aber wenn Sabine Gilfert ihrem Border Collie das orangefarbene Geschirr anlegt, ist es für Caitlin das Zeichen, dass sie jetzt sagt, wo’s langgeht. Und zwar immer der Nase nach: Die drei Jahre alte Hündin ist ausgebildet als Mantrailer-Suchhund.

Sabine Gilfert hält der drei Jahre alten Hündin eine Plastiktüte mit einem Stirnband unter die Schnauze, damit sie den Geruch aufnehmen kann, den sie verfolgen soll. Schon als sie Caitlin das Suchgeschirr umgelegt hat, fängt der Border Collie an, mit dem Schwanz zu wedeln, sich aufgeregt um die eigene Achse zu drehen und zu winseln. Caitlin kann ihren Einsatz offensichtlich kaum abwarten.

Spaß und Anstrengung

Diesmal findet der allerdings nur zum Training statt - im Wohngebiet am Gefängnis in Wehlheiden. Das Stirnband gehört Sabine Haake, die sich längst etwa einen Kilometer weiter in einem Hauseingang versteckt hat. Auch sie ist Mitglied der Arbeitsgruppe intensives Mantrailing (AiM) Kassel. Für den Hund macht es keinen Unterschied, ob es nur um ein Versteckspiel geht oder um den Ernstfall - ihm mache die Suche vor allem Spaß, sagt Sabine Gilfert. „Aber es ist auch anstrengend, nach 20 Minuten Suche wird ein Hund müde und muss ersetzt werden.“

Bei der Suche nach Vermissten wird die privat organisierte Hundestaffel regelmäßig zu Hilfe gerufen. Seit zwei Jahren arbeite man mit der Awo zusammen, berichtet Leiterin Sabine Gilfert. Wenn etwa ein altersverwirrter Mensch aus einem Seniorenheim verschwunden ist, sind die Spürnasen gefragt.

Auch eine Mutter, deren schon länger vermisste Tochter auf dem Königsplatz gesehen worden war, bat die Staffel um Hilfe, erinnert sich die 51-jährige Trainerin. Ein Mantrailer-Hund nahm eine Spur von der Innenstadt bis zum Hauptbahnhof auf. Später wurde das Mädchen in Berlin gefunden.

Den Hund lesen

Jetzt aber ist Caitlin ganz darauf konzentriert, Sabine Haakes Duftspur zu verfolgen. Die Schnauze immer am Boden, zieht sie an der langen Leine ihr Frauchen hinterher. An zusätzlichen Pfeilmarkierungen, die die „Vermisste“ auf der Straße hinterlassen hat, erkennt die Hundeführerin, ob Caitlin richtig schnüffelt. Der Hund läuft so zügig voran, dass es für den Menschen am anderen Ende der Leine ein gutes sportliches Training ist. Zum Mantrailer ausgebildet werden können Hunde fast jeder Rasse, sagt Sabine Gilfert. „Bei Möpsen mit ihrer platten Nase wird’s schwierig.“ Beim Menschen ist wichtig, dass er gut zu Fuß ist und die Sprache seines Hundes gut versteht, ihn „lesen“ kann, wie es die Expertin nennt.

Als Caitlin nach einigen Minuten Sabine Haake aufgespürt hat, ist die Sprache der Belohnung eindeutig: Eine große Hand voll Leckerlis bekommt die Hündin für ihren Erfolg. Die Plastiktüte ist für Frauchen übrigens auch nach dem Sucheinsatz noch nützlich. Denn Caitlin muss nach getaner Arbeit erst mal ein dringendes Geschäft verrichten.

Von Katja Rudolph

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