Flugzeuge über Kassel 2500 Meter hoch - Elf Maschinen pro Tag

Calden: Routen sollen vor Fluglärm schützen

Kassel. Die Flugzeuge, die auf dem neuen Flughafen Kassel-Calden landen und starten, werden nur in den Kommunen unmittelbar am Flughafen für eine Lärmbelästigung sorgen. Betroffen sind Anwohner in Calden, Espenau, Immenhausen und Grebenstein.

Andernorts werden die Flugzeuge kaum oder nicht zu hören sein – entsprechende Flugrouten hat die Lärmschutzkommission gestern bekannt gegeben. Die Routen müssen nun von der Deutschen Flugsicherung und vom Bundesaufsichtsamt für die Flugsicherung abgesegnet werden. Dass das der Fall sein wird, daran ließ gestern Robert Ertler, bei der Deutschen Flugsicherung für Luftraum und Verkehrsplanung zuständig, keine Zweifel aufkommen.

Ertler: „Die vorgeschlagenen Routen können zu 100 Prozent übernommen werden.“ Der große Gewinner der Routenfestlegung ist Hann. Münden. Dort war der Protest gegen den Flughafen groß, nun werden die Menschen in der Drei-Flüsse-Stadt kaum betroffen sein. Sowohl bei Starts als auch bei Landungen werden sich die Flugzeuge nie mehr als bis zu etwa drei Kilometern der Stadt nähern. Die Maschinen sind dann außerdem so hoch, dass nichts mehr zu hören sein soll. Kassel wird nur bei Anflügen aus Richtung Südwest überflogen. Betroffen wäre Zwehren, bei Anflügen aus Richtung Südost geht es über Baunatal.

Aber: Die Maschinen haben in beiden Fällen eine Höhe von rund 2500 Metern. Der Lärm, der unten ankommt, könne nicht vom Umgebungslärm einer Stadt unterschieden werden, sagen die Experten vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt in Göttingen. Er könne kurzfristig maximal 55 Dezibel erreichen - das sei so, als ob ein Auto mit Tempo 60 vorbeifahre. Die Lärmschutzkommission geht von elf Maschinen aus, die im Jahr 2020 täglich in Kassel landen und starten werden.

Hintergrund

Lärm wird in der logarithmischen Einheit Dezibel (dB) angegeben. Drei Dezibel mehr bedeutet dabei eine Verdopplung der Schallenergie. Der Schallpegel wird in der Einheit dB(A) gemessen.

• 0 bis 20 dB(A): Kaum zu hören. Waldrauschen oder Flüstern.

• 20 bis 40 dB(A): Gut zu hören. Weckerticken, Computerventilatoren, Hintergrundgeräusche im Haus.

• 40 bis 60 dB(A): Normale Gesprächslautstärke. Leises Radio. Konzentration kann gestört werden.

• 60 bis 80 dB(A): Vorbeifahrendes Auto. Rasenmäher. Kann zu gesundheitlichen Langzeitschäden führen.

• 80 bis 100 dB(A): Vorbeifahrende Lastwagen, Motorsägen. Bei Dauerlärm drohen Gehörschäden.

• 110 dB(A): Schmerzgrenze wird erreicht. Kreissägen, Presslufthämmer, Disco-Lärm.

• 120 dB(A): Explosionen, manche Rockkonzerte.

Von Frank Thonicke

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