Camper wider Willen

Wohnungsnot: Student muss in Wohnwagen ziehen

Die eigenen vier Wände lassen noch auf sich warten: Student Leon Rosenbecker (20) sucht ein WG-Zimmer oder eine kleine Wohnung in Kassel. Bislang ohne Erfolg. Deshalb lebt er zurzeit noch auf dem Campingplatz in Zierenberg in einem Wohnwagen. Fotos: Ludwig

Kassel. Im Oktober hat der 20-jährige Leon Rosenbecker aus Bielefeld sein Bauingenieurstudium in Kassel begonnen. Weil seine Wohnungssuche erfolglos blieb, zog er auf dem Campingplatz in Zierenberg in einen Wohnwagen.

Vor der Plexiglasscheibe seines Wohnwagens sind die Temperaturen einstellig und drinnen kämpft der Heizlüfter gegen die Kälte. In diesen Tagen sind die Erinnerungen von Leon Rosenbecker an sein im August beendetes Auslandsjahr in Sidney weit weg. Sechs Quadratmeter, Kochplatte und ein paar Holländer auf Durchreise als Nachbarn: Rosenbecker hat sich mit seinem holprigen Studienstart schon arrangiert. Seit September ist er auf der Suche nach einem WG-Zimmer oder einer kleinen Wohnung in Kassel. Auch auf die Warteliste für einen Wohnheimplatz hat er sich geschrieben - dort steht sein Name mit 560 anderen.

Als Rosenbecker zum Studienbeginn Mitte Oktober noch immer keine Unterkunft gefunden hatte, stellten seine Eltern ihren Wohnwagen auf den Campingplatz in Zierenberg. Vom dortigen Bahnhof fährt er 35 Minuten bis zur Uni, hinzu kommen die Fußwege. Vom Nachtleben seiner Kommilitonen ist er ebenso abgeschnitten wie vom Internet.

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Bevor er zum Schlechtwetter-Camper wurde, hatte sich der Erstsemester-Student bei etlichen Wohngemeinschaften vorgestellt: „Da kämpfst du mit 20 anderen um ein Zimmer.“ Die Preise für ein WG-Zimmer lägen zwischen 180 und 400 Euro Warmmiete. „Manche übertreiben es, die verlangen für 15 Quadratmeter zum Teil 350 Euro“, sagt Rosenbecker.

Nach einem Vorstellungsgespräch in einer Wohngemeinschaft an der Erzbergerstraße war der 20-Jährige verwundert. Auf einer Liste, in die er seinen Namen und seine Telefonnummer eintragen sollte, hatten die Bewohner für jeden der vorherigen Bewerber Noten verteilt. „Da dachte ich, okay, gebt mir ’ne Note und tschüss.“

Mit den sinkenden Temperaturen steigt bei Rosenbecker der Frust über langweilige Abende auf dem Campingplatz. Deshalb versucht er, möglichst lange in der beheizten Uni zu bleiben, dort Mathe zu lernen und nur zum Schlafen und Kochen in den Wohnwagen zu steigen.

Auf dem Campus hat er bereits nette Kommilitonen kennengelernt. Mit denen könne er abends besser um die Häuser ziehen, wenn er nicht auf die Bahn angewiesen wäre. Dass es in Kassel so schwer werden würde, eine Bleibe zu finden, hatte er nicht gedacht. In Australien habe er ohne Probleme eine WG gefunden. „Inzwischen bin ich so weit: Ich nehme, was ich kriege“, sagt Rosenbecker.

Während draußen der Frühnebel über dem Campingplatz hängt, erzählt er vom Surfen vor Sidney.

• Wohnungsangebote an: leonrosenbecker@gmx.de

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